Nachhaltige Gesundheitsversorgung

Krankenkasse 2030: Wie Digitalisierung Eigenverantwortung stärkt

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Gesundheitsbegleitung gestalten: Digitale Disease-Management-Programme

Mit der geplanten Einführung digital gestützter Disease-Management-Programme (DMP) für Diabetes mellitus wird sich zeigen, wie gut es gelingt, bestehende Versorgungsstrukturen sinnvoll weiterzuentwickeln. Entscheidend ist dabei nicht allein die technische Verfügbarkeit digitaler Angebote, sondern ihr tatsächlicher Nutzen im Alltag der Versicherten. Digitale DMP entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie Versorgung spürbar erleichtern und unterstützen – andernfalls bleiben sie ein zusätzlicher Kanal ohne nachhaltigen Effekt.

Der Mehrwert digitaler DMP liegt weniger im Schließen vermeintlicher Versorgungslücken als in der Reduktion praktischer Hürden. Digitale Schulungs- oder Informationsangebote können Präsenzformate gezielt ergänzen oder ersetzen, wenn diese für Versicherte mit erheblichem zeitlichem oder räumlichem Aufwand verbunden sind. Versorgung wird dadurch flexibler, besser in den Alltag integrierbar und zugleich ressourcenschonender – ohne an Qualität einzubüßen.

Zugleich eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten im Umgang mit bereits vorhandenen Versorgungsdaten. Viele Versicherte haben bislang nur begrenzten Einblick in dokumentierte Werte, Behandlungsverläufe oder Therapieentscheidungen. Eine strukturierte, verständliche und kontinuierlich verfügbare Aufbereitung dieser Informationen kann das Gesundheitsverständnis stärken und die aktive Mitwirkung fördern. Möglichkeiten zudem eigene Werte oder Beobachtungen einzupflegen, unterstützt die Selbststeuerung – stets eingebettet in die medizinische Gesamtbewertung.

Entscheidend für den Erfolg digitaler DMP ist eine versichertenzentrierte Ausgestaltung statt eines digitalen Einheitsprogramms. Digitale Instrumente können dabei helfen, Angebote stärker an Lebenslage, Gesundheitskompetenz und individuelle Präferenzen anzupassen – von stärker digital geprägten Formaten bis hin zu hybriden Modellen mit persönlicher Begleitung und gezielt eingesetzten digitalen Bausteinen. Nutzerfreundlichkeit wird so selbst zum Versorgungsfaktor: klare Abläufe, niedrige Zugangshürden und verlässliche Unterstützung im Alltag. Unter diesen Voraussetzungen können digitale Disease-Management-Programme zu einer echten Weiterentwicklung einer bereits funktionierenden Versorgung werden.

Fazit: Datenbasiert, digital und versichertenzentriert handeln, nicht warten

Die Krankenkasse 2030 entsteht nicht „irgendwann“, sondern durch Entscheidungen, die wir jetzt treffen. Jede Investition setzt Pfade: in Systeme, in Prozesse, in Fähigkeiten – und damit in die Frage, ob Versicherte Service als Hilfe erleben oder als Hürde. Die technischen Bausteine sind verfügbar. Der Engpass liegt in Führung, Organisation und Regeln, die verantwortliche Umsetzung möglich machen.

Was es bis 2030 braucht, ist kein Etikett „Tech-Unternehmen“, sondern ein klares Betriebsmodell: digitale Services als Kernleistung, Daten als Grundlage für Sicherheit und Steuerung, Menschen dort, wo Verantwortung, Beratung und Vertrauen unverzichtbar sind. Im Mittelpunkt steht der Versicherte in allen Lebenslagen und wird begleitet – digital und persönlich. Wer diese Balance heute gestaltet, schafft echte Mehrwerte für Versicherte und Stabilität für die eigene hybrid-agile Organisation. Warten ist dafür keine Option.

Die Autoren

Franz-Helmut Gerhards ist Chief Digital Officer der DAK-Gesundheit.

Dr. Eckart Pech ist Vorstand der ]init[ AG für digitale Kommunikation und Geschäftsführer der HBSN GmbH.

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