E-Learning Mit Microlearning und KI zu praxistauglichen Fortbildungsformaten für Ärzte

Ein Gastbeitrag von Felix Stockmar 4 min Lesedauer

Die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten ist entscheidend für eine bessere Patientenversorgung, doch das aktuelle E-Learning-Angebot bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Potenziale bieten dagegen Microlearning und KI.

E-Learning-Formate bieten praxisnahen Mehrwert – allerdings nur, wenn ihr Potenzial voll ausgeschöpft wird. (© l1gend – stock.adobe.com)
E-Learning-Formate bieten praxisnahen Mehrwert – allerdings nur, wenn ihr Potenzial voll ausgeschöpft wird.
(© l1gend – stock.adobe.com)

Die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern ein entscheidender Faktor für die kontinuierliche Verbesserung der Patientenversorgung. Trotz der zunehmenden Digitalisierung bleibt das E-Learning-Angebot in der medizinischen Weiterbildung oft hinter den Erwartungen zurück. Es mangelt an Relevanz, Flexibilität und praxisnaher Gestaltung. Doch wie können digitale Lernmethoden optimal genutzt werden, um diese Herausforderungen zu meistern?

Warum die Ärzteschaft besseres E-Learning braucht

Klassische präsenzbasierte Fortbildungsformate wie Seminare, Kongresse und Workshops sind weiterhin weit verbreitet. Obwohl sie sich bewährt haben, stoßen sie zunehmend an ihre Grenzen. Digitale Alternativen bieten klare Vorteile: Zeit- und Kosteneffizienz, ortsunabhängiger Zugang und eine bessere Integration in den hektischen Praxis- oder Klinikalltag. Diese Potenziale werden jedoch häufig nicht ausgeschöpft, da präsenzbasierte Formate oft nur eins zu eins ins Digitale übertragen werden. Dies liegt meist an fehlendem technischem und didaktischem Wissen sowie an den Anforderungen der CME-Zertifizierung, die eine Mindestdauer von 45 Minuten vorschreibt, unabhängig vom Format.

Das Ergebnis sind langatmige Videoaufzeichnungen oder unflexible Webinare, die wenig interaktiv sind. Viele digitale Fortbildungsplattformen setzen zu sehr auf textlastige Inhalte und bleiben hinter den Erwartungen moderner Lernmethoden zurück. Dies führt zu einer unzureichenden Flexibilität und praxisnaher Wissensvermittlung, die jedoch unerlässlich sind. Ärztinnen und Ärzte sind durch Zeitdruck und nichtärztliche Tätigkeiten wie Dokumentationspflichten stark belastet, wie Studien des Deutschen Krankenhaus Instituts und eine Umfrage von „praktischArzt“ zeigen.

Das Potenzial von Microlearning im Fortbildungskontext

Didaktisch durchdachte und multimediale E-Learning-Formate bieten auch in einem stressigen Arbeitsalltag, der schnelle Entscheidungsfindung und kontinuierliches Lernen erfordert, einen praxisnahen Mehrwert. Inhalte können orts- und zeitunabhängig konsumiert werden, was nicht nur Reise- und Übernachtungskosten spart, sondern auch die medizinische Versorgung nicht beeinträchtigt. Personalisiertes Lernen, das auf individuelle Wissenslücken eingeht, wird durch digitale Tools ermöglicht.

Besonders effektiv ist Microlearning: Kurze, auf das Wesentliche reduzierte Lerninhalte ermöglichen es, Wissen schnell zu vermitteln und direkt anwendbar zu machen. Microlearning adressiert das Zeitproblem von Ärztinnen und Ärzten besonders gut. Durch kompakte Lerneinheiten wird Wissen schneller vermittelt und dank reduzierter kognitiver Belastung nachhaltiger verankert, wie wissenschaftliche Studien belegen. Eine Untersuchung der Universiti Sains Malaysia, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature, hebt das Potenzial von Microlearning für effektives, lebenslanges Lernen und berufliche Weiterentwicklung hervor. Eine Forschungsgruppe der Shiraz University of Medical Sciences konnte zudem die erhöhte Wirksamkeit von Microlearning im Vergleich zu herkömmlichen Lernmethoden im Gesundheitswesen nachweisen.

Mit KI der medizinisches Informationsflut Herr werden

Trotz der Vorteile von Microlearning wird es im Fortbildungskontext für Ärztinnen und Ärzte noch zu selten eingesetzt. Auch Künstliche Intelligenz (KI) kann einen bedeutenden Beitrag leisten, um die Fort- und Weiterbildung in diesem Bereich zu verbessern. So lässt sich beispielsweise die Erstellung von Fortbildungsvideos mithilfe von KI automatisieren – natürlich in Kombination mit sorgfältigen Qualitätssicherungsprozessen. Das Ziel sollte sein, Inhalte schneller zu entwickeln und bestehende Videos unkompliziert zu aktualisieren. Nur so lässt sich der Informationsflut im medizinischen Bereich begegnen: Die Herausforderung, ständig wachsendes Wissen effizient und strukturiert für Ärztinnen und Ärzte aufzubereiten, wird zunehmend größer. Generative KI und die Avatarisierung von Experten ermöglichen es zudem, gut aufbereitete Inhalte schnell und in mehreren Sprachen anzubieten – ein besonders großer Vorteil bei international relevanten Studien.

Strategien für zukunftsfähiges E-Learning

Um das volle Potenzial von E-Learning auf Basis von Microlearning und KI auszuschöpfen, sind mehrere Veränderungen notwendig. Neben den starren Vorgaben der CME-Zertifizierung bremsen vor allem hohe Hürden für den Einsatz digitaler Tools in Universitäten und Kliniken sowie das Fehlen staatlicher Anreize. Die Nutzung digitaler Technologien sollte frühzeitiger und stärker gefördert werden. In vielen Einrichtungen wird zu wenig darüber nachgedacht, wie diese Tools sinnvoll integriert werden können. Verantwortliche sollten die bestehenden Barrieren überprüfen und, bei positiver Bewertung, deren Einsatz empfehlen oder sogar die Kosten für Studierende und Assistenzärzte mitfinanzieren.

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Die Entwicklung und Pflege digitaler Bildungsplattformen ist zudem kostenintensiv. Staatliche Zuschüsse oder steuerliche Anreize zur Förderung von Forschung und Entwicklung könnten ein günstiges Umfeld schaffen, in dem mehr qualitativ hochwertige E-Learning-Lösungen entstehen. Ein gezielter Ausbau und eine Anpassung der E-Learning-Infrastruktur würden nicht nur Flexibilität und Effizienz erhöhen, sondern auch die Zufriedenheit und Qualifikation der Mediziner nachhaltig steigern. Dies wäre ein entscheidender Schritt zur kontinuierlichen Verbesserung der Patientenversorgung.

Der Autor

Felix Stockmar, CEO und Co-Founder von Medudy, ist seit 15 Jahren im Bereich Medical Education tätig. Gemeinsam mit globalen Gesundheitsorganisationen fördert er die Digitalisierung der Lehre und Weiterbildung für Gesundheitspersonal. Sein Ziel: medizinisches Wissen weltweit barrierefrei zugänglich machen, um die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern. Bei Medudy verantwortet er das Thema Business Development und Sales.

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