Lizenzmodell statt Open Source Tipps zur Umstellung eines Kommunikationsservers

Ein Gastbeitrag von Mathias Schill 4 min Lesedauer

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Viele Krankenhäuser setzen für ihre Kommunikationsserver auf Open Source. Doch der Anbieter von Mirth Connect stellt jetzt auf ein Lizenzmodell um. Das stellt viele Kliniken vor die Entscheidung: Open Source oder proprietäre Software?

Die Entscheidung für Open-Source- oder proprietären Kommunikationsserver kommt für manches Krankenhaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt.(Bild:  © everythingpossible - stock.adobe.com)
Die Entscheidung für Open-Source- oder proprietären Kommunikationsserver kommt für manches Krankenhaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
(Bild: © everythingpossible - stock.adobe.com)

Für manche IT-Experten ist Open Source das Software-Modell schlechthin. Ohne quelloffene Lösungen hätte die rasante Entwicklung des Internets in den 1990er Jahren kaum in der Form stattgefunden. Open-Source-Software gilt als transparent, flexibel und kostengünstig – Eigenschaften, die sie für viele Krankenhäuser attraktiv machen. Die Entwicklung durch eine Community schafft zusätzlich eine gewisse Unabhängigkeit von kommerziellen Anbietern. Gleichzeitig erfordert der Einsatz von Open Source ein hohes Maß an internem Know-how. Verlässt eine Schlüsselperson das Haus, kann wertvolles Systemwissen verloren gehen.

Krankenhauslandschaft und IT-Infrastruktur im Wandel

IT-Teams in Krankenhäusern haben heute ein immer komplexeres Aufgabenspektrum zu bewältigen. Gesetzliche Vorgaben und Regularien nehmen zu. Hinzu kommen neue Zertifizierungen, die bewerkstelligt werden müssen, und immer mehr und immer komplexere Digitalisierungsprojekte, wie die elektronische Patientenakte oder die Einführung von KI-Anwendungen. Krankenhäuser sollten somit genau abwägen, ob das Modell Open Source kurz- sowie langfristig gut zu ihnen passt.

Dabei kann es helfen, den Blick gezielt in die Zukunft zu richten: Wie lassen sich künftige Herausforderungen am besten bewältigen? Denn die Krankenhauslandschaft verändert sich deutlich, was wiederum Auswirkungen auf die Entscheidungen zur Klinik-IT hat. Im Zuge der Krankenhausreform stehen viele Häuser vor grundlegenden strukturellen Veränderungen: Einige schließen, andere fusionieren oder spezialisieren sich neu.

Hinzu kommt: Immer mehr Krankenhäuser zählen zur kritischen Infrastruktur (KRITIS) des Landes. Sie übernehmen zentrale Aufgaben zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Grundfunktionen – etwa im Katastrophenfall. Solche KRITIS-Krankenhäuser haben auch besonders hohe Ansprüche an ihre IT-Infrastruktur, die besonders stabil und zuverlässig funktionieren muss.

Trotz wachsender Herausforderungen stehen nicht unbedingt mehr personelle Ressourcen zur Verfügung. Im Gegenteil: Viele Kliniken stehen unter hohem wirtschaftlichem Druck. In der Entscheidungsfindung für einen Kommunikationsserver spielen die internen Kapazitäten der Mitarbeitenden deshalb eine zentrale Rolle, allen voran die Fragen: Wofür sollten die Kompetenzen sinnvoll eingesetzt werden und wie lässt sich ein sicherer, robuster und reibungsloser Klinik-Betrieb gewährleisten?

Kommunikationsserver als Schlüssel – worauf es bei der Entscheidung ankommt

Die Entscheidung für einen Kommunikationsserver ist somit keine Kleinigkeit. Der Server spielt eine zentrale Rolle für den reibungslosen Ablauf aller Verwaltungs- und Versorgungsprozesse und bildet die Grundlage für einen schnellen Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Systemen – innerhalb des Krankenhauses, aber auch zu Einrichtungen außerhalb. Damit setzt der Server die Voraussetzung für Interoperabilität und ist ausschlaggebend für alle Digitalisierungsprozesse.

Vor einer Entscheidung für Open Source oder proprietäre Software sollten sich Verantwortliche daher mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Welche spezifischen Anforderungen und Herausforderungen stellt die jeweilige Einrichtung an den Kommunikationsserver? Werden sich diese in Zukunft verändern?
  • Wie steht es um Datenschutz und Datensicherheit, entsprechende Zertifizierungen und Regularien?
  • Wie interoperabel sind die eigenen Systeme bereits - was wäre noch zu verbessern?
  • Welche personellen Ressourcen stehen intern für den Betrieb und die Weiterentwicklung zur Verfügung?

Je nach den individuellen Anforderungen der Klinik und des IT-Teams kann die eine oder andere Lösung die bessere Wahl sein. Wer bisher gute Erfahrungen mit einer Open-Source-Software gemacht hat und sicherstellen kann, dass deren Weiterentwicklung auch künftig gegeben ist sowie ausreichend Ressourcen im eigenen Team für die Einbindung und Bearbeitung freistellen kann, für den kann Open Source auch in Zukunft die richtige Wahl sein. Im Hinterkopf behalten sollte man dabei, dass es bei einem Community-basierten Produkt wie Open Source keine Garantie für künftigen Support oder die Weiterentwicklung des Produkts gibt und auch rechtlich gesehen, z.B. hinsichtlich der Haftbarkeit, andere Bedingungen gelten.

Wer beobachtet, dass sich Strukturen und Anforderungen im eigenen Haus künftig verändern, wer Wert auf fachlichen Support legt und die Ressourcen im eigenen Team für andere Aufgaben benötigt, der kann von einem Wechsel zu einer proprietären Software profitieren.

Ein Wechsel auf einen neuen, zukunftssicheren Kommunikationsserver kann dabei schrittweise erfolgen. Das Umziehen einzelner Einheiten oder Abteilungen innerhalb der Einrichtung hilft, Vertrauen zu schaffen und dabei Erfahrungen zu sammeln. Eine Migration wird durch verschiedene Tools unterstützt, die eine umfangreiche Teilautomatisierung ermöglichen. Damit wird der Aufwand einer Umstellung stark reduziert. In jedem Fall sollten mit der neuen Infrastruktur Tests durchlaufen werden, um einen reibungslosen und robusten Betrieb nach der Umstellung sicherzustellen.

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Ausblick

Die Entscheidung für Open Source oder proprietäre Software kommt für manches Krankenhaus zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn dabei geht es um mehr als “nur” die Technik. Sie kann aber auch eine Chance sein, die aktuelle Architektur der Klinik-IT einmal auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen, welche Infrastruktur zu der Strategie und der digitalen Roadmap des eigenen Hauses passt.

Bei der Entscheidung für einen künftigen Weg sollten Sicherheit, Innovationsfähigkeit, aber auch finanzielle und personelle Ressourcen gleichermaßen berücksichtigt werden. Denn die Wahl einer Kommunikationsplattform ist nicht nur technisch von Bedeutung, sondern eng in die Strategie einer Klinik eingebunden. Die IT-Infrastruktur und Interoperabilität sind entscheidend dafür, wie zukunftsfähig die Gesundheitsversorgung aufgestellt ist – in technischer Hinsicht, aber auch organisatorisch.

Mathias Schill
ist als Sales Manager bei InterSystems tätig und verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung im Healthcare-Sektor. Sein Schwerpunkt liegt auf innovativen Lösungen zur Interoperabilität und digitalen Transformation im Gesundheitswesen. Mit seinem Know-how unterstützt er Leistungserbringer und Partner bei der sektorenübergreifenden Vernetzung von IT-Systemen sowie bei der Integration und Nutzung medizinischer Daten für effizientere Versorgungsprozesse.

Bildquelle: InterSystems

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