Unser Gastautor Markus Linnemann sieht die Digitalisierung im Gesundheitswesen auf einem guten Weg: Noch 2024 sollen die Konnektoren durch TI-Gateways ergänzt, letztlich abgelöst werden, wobei die Laufzeitverlängerung hilft – parallel wird schon an der nächsten Stufe, der TI 2.0, gearbeitet.
Das TI-Gateway bildet den Übergang zur TI 2.0 und wird eine Zeitlang auch parallel dazu im Einsatz sein.
„Nichts ist so beständig wie der Wandel“ – Dieser über 2.500 Jahre alte Ausspruch Heraklits beschreibt das Wesen der Telematikinfrastruktur (TI) sehr gut. Seit dem Rollout 2017 wird das sichere Netz als Basis für die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit immer neuen Anforderungen weiterentwickelt. Das Vorhaben, und dabei vor allem die Anbindung über Konnektoren, sorgt teilweise für Diskussionen. Verwunderlich ist das nicht, bei einem komplexen Projekt mit vielen verschiedenen Beteiligten. Umso herausfordernder ist es, dabei den Überblick zu behalten: Welche Möglichkeiten haben Leistungserbringer und wie gelingt die Transformation in die TI der Zukunft am besten?
Schritt für Schritt zur Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist auf einem guten Weg: Mittels Konnektoren sind seit über fünf Jahren Arztpraxen an die TI angebunden, etwas später kamen Apotheken und Krankenhäuser hinzu. Immer mehr Anwendungen wurden implementiert, die Patient:innen und Leistungserbringern gleichermaßen Mehrwerte liefern. Hervorzuheben sind der digitale Arztbrief (KIM), das elektronische Rezept (eRezept) und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU).
Was den Wandel in den kommenden Jahren jedoch enorm vorantreiben wird, sind Karten-ungebundene digitale Identitäten sowie der flächendeckende Einsatz der elektronischen Patientenakte (ePA). Zudem kommt noch die sektoren- und grenzübergreifende Zusammenarbeit in der medizinischen Forschung, die sich durch die anonyme Auswertung von Daten nachhaltig verbessert. Mit dem Fortschritt steigen die Anforderungen an die TI, was neue Lösungsansätze in den Fokus rückt.
Wir stehen kurz vor der ersten Evolutionsstufe: Das TI-Gateway
Bisher wurden Konnektoren dezentral beim Leistungserbringer eingesetzt. Dieses Modell soll noch 2024 von einer zentralen Lösung, dem TI-Gateway (TIG), ergänzt und über Zeit abgelöst werden. Hierbei handelt es sich um einen digitalen Dienst, der auf einer Serverinfrastruktur und Highspeedkonnektoren (HSK) basiert. Mit dem TIG wird der Anschluss flexibler und entlastet den Leistungserbringer. Die Verantwortung für Updates, Ausfall und Fehlerbehebung liegt zentral beim Betreiber – Leistungserbringer können sich also zurücklehnen. Krankenhäuser müssen keine Konnektorfarmen mehr betreiben, sondern können sich einen wesentlich einfacher zu konfigurierenden Zugang über das TIG einrichten oder in großen Einrichtungen den HSK lokal als performanten Zugang in die TI einsetzen.
Entscheidend bei der Anbindung an das TIG ist ein sogenannter Client. Der Zugriff auf das TIG kann über eine Software erfolgen, eine Netzwerkkomponente oder bei secunet auch über eine Weiterverwendung der vorhandenen Konnektor-Hardware. Die Hardware wird dabei mit einer völlig neuen Software bespielt, die quasi mit einem Klick den Zugriff auf das TIG ermöglicht und zusätzliche Dienste wie Monitoring, Fernzugriff oder Firewall aufnehmen kann.
Das TIG macht den Zugang zur TI zu einem zentralen Dienst und dient bereits als Basis und Brücke zur nächsten Entwicklungsstufe, der TI 2.0, die in den kommenden Jahren an den Start gehen soll. Auch hier arbeitet secunet bereits an der Umsetzung.
Zwischenschritt: Wenn das Zertifikat noch vor dem Launch des TI-Gateways ausläuft
Die heutigen Konnektoren beinhalten ein Zertifikat mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Sollte dieses Zertifikat auslaufen, bevor ein TIG verfügbar ist, können die Konnektoren mit einer Laufzeitverlängerung (LZV) bis Ende 2025 weiterbetrieben werden. Dies wird aktuell von zwei der drei Konnektor-Herstellern, darunter secunet, angeboten.
Die zweite Evolutionsstufe: Die TI 2.0
Gemäß dem Zitat von Heraklit ist auch das TIG streng genommen ein Zwischenschritt. Denn es wird bereits an der nächsten Ausbaustufe, der TI 2.0, gearbeitet. Diese wird eine lange Zeit parallel im Einsatz sein und das TIG letztlich ablösen. Die TI 2.0 zielt darauf ab, den Zugang zu den Fachdiensten in der TI noch barrierefreier und digitaler zu gestalten. Der einzelne Zugangspunkt, den heute der Konnektor darstellt, soll einer intelligenten Netzwerkstruktur nach dem Zero-Trust-Prinzip weichen. In diesem Szenario halten digitale Identitäten Einzug und ermöglichen den Zugang zu Fachdiensten, zum Beispiel direkt über Mobilgeräte ohne den Einsatz von Kartenlesern, Karten und Konnektoren. Auch hier kommt die Sicherheit nicht zu kurz. Vor jedem Zugriff wird im Netzwerk geprüft, ob das Sicherheitsniveau für die jeweilige Anfrage ausreicht. Es gibt also je nach Risikolevel unterschiedliche Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Für die TI 2.0 werden die notwendigen Funktionen in den Fachdiensten und der TI nach und nach ergänzt.
Stand: 08.12.2025
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Mit der LZV können sich bereits angebundene Leistungserbringer und große Institutionen bis Ende 2025 zurücklehnen und in Ruhe die Zulassungen der verschiedenen TI-Gateway-Anbieter abwarten. Danach geht der Weg in die TI für kleine und mittlere Einrichtungen voraussichtlich über das TIG. Größere Einrichtungen werden die Wahl haben, ein TIG einzusetzen, oder einen HSK selbst zu betreiben. Wer weiterhin auf den Konnektor setzt, hat aktuell auch noch die Möglichkeit, das alte Gerät einfach gegen ein neues zu tauschen.
Alle neuen Nutzer:innen wie Pflegeeinrichtungen, aber insbesondere mobile Heil- und Hilfsmittelerbringer sowie Hebammen werden voraussichtlich über das kommende TIG angebunden und können so einfach den Schritt in die TI machen.