Reform, Innovation & digitale Helfer BaWü setzt auf neue Regeln in der Pflege

Von Serina Sonsalla 4 min Lesedauer

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Der Fachkräftemangel ruft nach Veränderungen im Gesundheitswesen. Dabei gewinnen innovative digitale Helfer immer mehr an Bedeutung. Doch neben neuen Technologien, dürfen strukturelle Veränderungen nicht außer Acht gelassen werden: Berufsbilder müssen attraktiver werden, pflegende Angehörige entlastet und Projekte wie auch Leistungen finanziell gestützt werden.

Innovative und digitale Langzeitpflege: Videotechnik, wie für Televisiten eingesetzt, KI oder andere technische Anwendungen bieten Vorteile in der medizinischen Versorgung.(© thekone990 – stock.adobe.com)
Innovative und digitale Langzeitpflege: Videotechnik, wie für Televisiten eingesetzt, KI oder andere technische Anwendungen bieten Vorteile in der medizinischen Versorgung.
(© thekone990 – stock.adobe.com)

1,7 Millionen Euro zur Förderung von Projekten – das ist nur eine Sache, die das Land Baden-Württemberg in der vergangenen Kabinettssitzung beschlossen hat. Die Gelder sollen in die Weiterentwicklung von Televisiten in Pflegeeinrichtungen fließen. Damit verfolgt das Land das Ziel, Personal zu entlasten, Pflegepersonal zu gewinnen, die Digitalisierung zu fördern und so die Langzeitpflege zu stärken.

„Die Digitalisierung in der Langzeitpflege birgt ein erhebliches Potenzial für eine Qualitäts- und Effizienzsteigerung und dient auch der Entlastung des Pflegepersonals“, sagte Winfried Kretschmann, Ministerpräsident. Neue Technologien sind heute in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken und spielen in der Pflege eine wesentliche Rolle. „Gute Pflege braucht persönliche menschliche Zuwendung. Im Fokus muss dabei immer die Zufriedenheit der Menschen stehen. Angesichts immer knapper werdender Personalressourcen ist gerade deshalb mehr digitale Unterstützung erforderlich, um den Pflegekräften einen noch gezielteren Einsatz zu ermöglichen.“ Wie Digitalisierung die Arbeit von Fachkräften erleichtern kann, ist zum Beispiel beim Einsatz von sprachgestützten Dokumentationen, innovativen Sozialrobotern oder Televisiten in Pflegeeinrichtungen zu sehen. „Indem wir unsere Strategie zur Digitalisierung in Medizin und Pflege ausbauen und vorantreiben, wollen wir unsere bundesweite Vorreiterrolle weiter stärken“, fügte Kretschmann hinzu.

Die landesweite Anlauf- und Beratungsstelle

Sowohl in der Pflege als auch in der Ärzteschaft werden Televisiten künftig immer wichtiger, weshalb sie nachhaltig weiterentwickelt und gefördert werden. Den aktuellen Projektförderungen in Baden-Württemberg wurde in den vergangenen Tagen bereits zugestimmt. „Im besten Fall dienen die Erkenntnisse dieser Förderrunde dazu, Televisiten in die Regelversorgung zu übernehmen“, sagte der Gesundheitsminister Manne Lucha.

Entwicklungen wie diese werden vom Landeskompetenzzentrum Pflege und Digitalisierung „PflegeDigital@BW“ unterstützt. Das Kompetenzzentrum ist eine Anlauf- und Beratungsstelle, die den Pflegeeinrichtungen bei Fragen zur Digitalisierung und zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) zur Seite steht. Ab Juli nächsten Jahres soll die Anbindung an die TI in Pflegeeinrichtungen schließlich auch verpflichtend werden. Die TI dient vor allem dazu, die Kommunikation zu verbessern, sodass Daten in Pflegeeinrichtungen in Echtzeit zur Verfügung stehen und Informationen zwischen den Akteuren ausgetauscht werden können. Die PflegeDigital@BW setzt sich auch für Projekte ein, die eben jenen Austausch fördern, sei es Wissen, Erfahrung oder Erkenntnisse. Deshalb ist das Kompetenzzentrum auch mobil: Das Transfermobil ist noch neu, aber mit digitalen Tools und Anwendungen ausgestattet, sodass Experten Einrichtungen vor Ort besuchen können:

„Weiterbildung und fortlaufende Qualifizierung sind auch in der Pflege wichtig. Doch Pflegekräfte sind zeitlich enorm eingebunden. Daher sind für viele Beschäftigte zeitintensive Schulungen mit langen Anfahrtswegen kaum zu bewerkstelligen. Mit dem Transfermobil erreichen wir diese Gruppe nun deutlich besser“, so die Amtschefin des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration, Leonie Dirks. Dabei werden zum Beispiel Angebote und Innovationen von Menschen mit Demenz oder der soziale Roboter Navel vorgestellt.

Neue Verordnung für die Pflegehilfe-Ausbildung

Etwas, das schon lange bekannt ist und gerade aufgrund des Fachkräftemangels notwendig geworden ist, ist der Fokus auf die Ausbildungsberufe im Pflegebereich. Nachdem die Pflegeausbildung bundesweit bereits reformiert und zu einer einzigen Berufsausbildung geformt wurde, muss auch die Pflegehilfe-Ausbildung sich verändern und attraktiver gestaltet werden. Deshalb wurde dem Ministerrat eine neue Verordnung über die Ausbildung und Prüfung für eine generalistische Pflegehilfe des Landes vorgestellt.

Getrennte Ausbildungen in der Altenpflegehilfe und Krankenpflegehilfe sollen künftig zusammengeführt und als generalistische Helferausbildung angeboten werden. Dadurch werden Auszubildende dazu befähigt, sowohl in Krankenhäusern, stationären Pflegeeinrichtungen und in ambulanten Diensten zu arbeiten. „Damit machen wir das Berufsbild attraktiver und moderner und fördern die Durchlässigkeit zwischen den beiden Ausbildungen. Auch die Ausbildung mit intensiver Deutschförderung setzen wir in diesem Zusammenhang fort und zielen damit vor allem auf viele zugewanderte Menschen“, teilte Lucha mit.

Die Reform der Pflegeversicherung

Außerdem kommen bisher noch andere Bereiche zu kurz, wie der Ausbau der Kurzzeit- und Tagespflege oder die der ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Der Gesundheitsminister meinte, dass versicherungsfremde Leistungen endlich mit Steuermitteln finanziert werden müssten. Daher brauche es eine umfassende Finanzreform zur Pflegeversicherung und die Regelungen sollten zudem praxistauglich gestaltet werden.

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Der Bund möchte im nächsten Jahr sogar Strukturveränderungen im nächsten Gesetzgebungsverfahren berücksichtigen. Dabei sollen „stambulante“ Ansätze integriert werden, wie die stationäre Versorgung mit selbstbestimmten ambulanten Wahlleistungen und die finanzielle Entlastung für pflegende Angehörige. „Künftig sollte es so sein, dass die Pflegebedürftigen einen festen Sockel zahlen und alle weiteren pflegebedingten Kosten dann die Pflegekasse bezahlt.“

„Wenn der Bund aber sinnvolle Vorgaben macht, wie zum Beispiel das Tariftreuegesetz für eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte der Langzeitpflege, aber gleichzeitig die Leistungen für die Pflegebedürftigen durch die Pflegeversicherung nicht anpasst und die Babyboomer-Generation nicht im Blick hat, sind steigende Eigenanteile die logische Folge“, kritisierte der Minister.

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