Sommertour Berlin Brennpunktkiez, Berliner Modelle und die Gesundheitskioske

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Auf ihrer Sommerreise besuchte Berlins Gesundheitssenatorin drei Einrichtungen zur wohnortnahen Versorgung, die jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgen. Ihr Fazit: Es brauche maximale Flexibilität, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern und Defizite aufzufangen, aber auch gesetzliche Nachbesserungen. Die Idee der Gesundheitskioske ist noch nicht vom Tisch.

In Gesundheitskiosken sollen Menschen schnell und unbürokratisch Beratung zu Präventionsmaßnahmen und ärztlichen Leistungen erhalten; Gesundheitskompetenz und die Einhaltung von Therapien sollen gefördert werden. (© N Lawrenson/peopleimages.com – stock.adobe.com)
In Gesundheitskiosken sollen Menschen schnell und unbürokratisch Beratung zu Präventionsmaßnahmen und ärztlichen Leistungen erhalten; Gesundheitskompetenz und die Einhaltung von Therapien sollen gefördert werden.
(© N Lawrenson/peopleimages.com – stock.adobe.com)

Sie sollten niedrigschwellige Beratung besonders in sozial benachteiligten Regionen und Stadteilen bieten – die Gesundheitskioske, eines der Kernanliegen des Bundesgesundheitsministers beim Entwurf zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG). Doch das Konzept war von Anfang an so umstritten, dass es bereits im Kabinettsentwurf wieder gestrichen wurde. Hauptkritikpunkte sind der Aufbau von Doppelstrukturen – mit Personal, das gar nicht zur Verfügung steht – und der hohe Finanzierungsanteil der Krankenkassen von 74,5 Prozent.

Der GKV-Spitzenverband stuft die geplanten Leistungen als gesamtgesellschaftliche Aufgaben ein und bewertet deren Finanzierung über die GKV als „ordnungspolitisch falsch“. Anders sieht es die AOK Rheinland/Hamburg, die eine strikte Trennung zwischen sozialen und gesundheitlichen Anliegen in der Beratung wegen der großen Schnittmengen kaum für möglich hält und sich deshalb für die Gesundheitskioske ausspricht. Allerdings sollten diese keine medizinischen Leistungen erbringen, somit auch keine Doppelstrukturen aufbauen und paritätisch durch Kassen und Kommunen finanziert werden.

Länder wollen Gesundheitskioske wieder im Gesetz verankern

Unterstützung für die Gesundheitskioske kommt auch aus der Länderkammer: In seiner ersten Stellungnahme sprach sich der Bundesrat für die Wiederaufnahme der Gesundheitskioske in das Gesetz aus und formulierte die Bestimmungen dazu. Die Finanzierung soll anteilig erfolgen: zu 50 Prozent durch die Landesverbände der Kranken- und Ersatzkassen, zu 44,5 Prozent durch die beteiligten Kreise und kreisfreien Städte und zu 5,5 Prozent durch private Krankenversicherungsunternehmen.

Zu den Unterstützern des Vorschlags gehört das Land Berlin. Während ihrer Sommertour besuchte die Berliner Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Dr. Ina Czyborra in der vergangenen Woche auch drei wohnortnahe Versorgungseinrichtungen und bekräftigte ihre Haltung: Dass im Bundeskabinett die ursprünglich von Minister Lauterbach vorgesehenen Gesundheitskioske, Gesundheitsregionen und Primärversorgungszentren aus dem Gesetzentwurf wieder gestrichen wurden, halte sie für falsch. „Hier kann ich nur an die Abgeordneten des Bundestages appellieren, in ihren Beratungen zu berücksichtigen, dass diese Vorschläge den Weg zurück in das Gesetz finden.“ Diese Ansätze könnten wichtige Bausteine in der Transformation der Gesundheitsversorgung sein und dabei helfen, regionale Defizite zu beheben, so Czyborra.

Im Brennpunkt: Das Geko in Neukölln

Wie sieht das in der Praxis aus? Die Senatorin machte sich vor Ort ein Bild im Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Geko in Neukölln. Das Angebot umfasst sowohl Beratung, Gesprächs- und Sportangebote als auch Psychotherapie und eine allgemein- und kindermedizinische Stadtteilpraxis. Im Geko werde gelebt, was das GVSG in seinem ersten Entwurf vorgesehen habe: eine integrierte, niedrigschwellige Versorgung, befand die Gesundheitssenatorin. „Hier wird Menschen Hilfestellung gegeben, die sich in unserem Gesundheitssystem nicht zurecht finden und wegen unterschiedlicher Gründe keinen Zugang in die ärztliche Versorgung finden bzw. die Angebote fehlbeanspruchen.“

Das Geko Neukölln entstand vor über zehn Jahren aus einer ehrenamtlichen Initiative, finanziert über verschiedene Förderungen. Seit Juni 2024 wird es im Projekt NAVIGATION (gemeinsam mit Hamburg) für 39 Monate vom Innovationsfonds des G-BA gefördert.

Ein anderer Ansatz greift in Stadtgebieten mit unzureichender hausärztlicher Versorgung wie Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf oder Treptow-Köpenick: Hier betreibt die Kassenärztliche Vereinigung Berlin selbst Praxen. Dabei hat sich laut der Senatorin die Suche von Praxisräumen als Herausforderung erwiesen, während „der zunehmende Wunsch von Ärztinnen und Ärzten angestellt tätig zu sein, ein echter USP ist, um sich für die ambulante Versorgung zu entscheiden.“

KV-Praxen und SANA-Gesundheitszentren

Eine weitere Möglichkeit zur Stärkung der ambulanten Versorgung bieten schließlich die Gesundheitszentren der SANA-Kliniken, in denen – ähnlich wie früher in den Polikliniken – haus- und fachärztliche Praxen mit angestellten oder niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, Sanitärbetrieben, Apotheken, Physiotherapien und weitere Disziplinen unter einem Dach arbeiten. Hier zeigte sich die Ina Czyborra besonders durch die kurzen Wege für die Patientinnen und Patienten und Arbeitsmodelle, darunter auch Jobsharing, beeindruckt.

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