Telematikinfrastruktur 2.0 Eine neue Ära der vernetzten Gesundheitsversorgung

Ein Gastbeitrag von Oliver Neufuß 6 min Lesedauer

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Die Telematikinfrastruktur 2.0 verspricht massive Fortschritte im Gesundheitswesen – unter anderem durch effizientere Abläufe und verbesserte Patientenversorgung in der Pflege und Therapie. Sie stellt diese Berufsgruppen aber auch vor komplexe technische und organisatorische Herausforderungen.

Der Begriff „Telematik“ ist eine Kombination aus „Telekommunikation“ und „Informatik“.(©  fotohansel – stock.adobe.com)
Der Begriff „Telematik“ ist eine Kombination aus „Telekommunikation“ und „Informatik“.
(© fotohansel – stock.adobe.com)

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet unaufhaltsam voran, und mit der Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) durch die gematik steht das deutsche Gesundheitssystem vor einem bedeutenden Wandel. Diese Neuausrichtung verspricht nicht nur eine Optimierung bestehender Prozesse, sondern auch die Integration bisher weniger berücksichtigter Berufsgruppen in das digitale Gesundheitsnetzwerk. Insbesondere die Pflege, Geburtshilfe, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sollen von den Neuerungen profitieren.

Anforderungen und Potenziale für neue Nutzergruppen

Im Pflegebereich kann die TI 2.0 durch mobile Nutzbarkeit einen entscheidenden Beitrag leisten. Pflegekräfte erhalten die Möglichkeit, unabhängig von ihrem Einsatzort – sei es in einer stationären Einrichtung oder in der ambulanten Pflege – auf Patientendaten zuzugreifen und Dokumentationen vorzunehmen. Ein zentraler Aspekt ist die Einbindung einer sicheren Echtzeit-Kommunikation zwischen allen an der Versorgung Beteiligten, einschließlich Ärzten, Apotheken und anderen Gesundheitsdienstleistern. Dies ermöglicht eine schnellere Abstimmung bei der Patientenversorgung und reduziert potenzielle Fehlerquellen durch Informationslücken.

Darüber hinaus kann die TI 2.0 die Integration von Telemonitoring-Lösungen erleichtern, was besonders in der ambulanten Pflege von Vorteil ist. Die kontinuierliche Überwachung von Vitalparametern ermöglicht eine frühzeitige Intervention, etwa bei Verschlechterungen des Gesundheitszustands. Auch die Ressourcenplanung in Pflegeeinrichtungen kann durch die digitale Erfassung und Analyse von Arbeitsabläufen optimiert werden, was zur Entlastung der Pflegekräfte beiträgt, und die Effizienz steigert. Nicht zuletzt verbessert die TI 2.0 die Einbindung pflegender Angehöriger durch sichere Kommunikationskanäle.

Für die Geburtshilfe bietet die TI 2.0 die Chance, eine lückenlose Dokumentation von der Schwangerschaft über die Geburt bis zur Nachsorge zu realisieren. Die sichere Speicherung und der schnelle Austausch von Ultraschallbildern, Laborbefunden und Geburtsverläufen zwischen verschiedenen Fachkräften wird dadurch erheblich erleichtert. Besonders wertvoll ist hier die verbesserte Interoperabilität zwischen Praxen, Geburtshäusern und Kliniken, die eine nahtlose Versorgung der werdenden Mütter und Neugeborenen gewährleistet.

Bei Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie kann die TI 2.0 die Dokumentation und Visualisierung von Therapiefortschritten verbessern. Durch den Einsatz spezialisierter digitaler Anwendungen wird es möglich, Behandlungsverläufe anschaulich darzustellen und mit behandelnden Ärzten zu teilen. Dies fördert nicht nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit, sondern erlaubt auch eine präzisere Anpassung der Therapiepläne an die individuellen Fortschritte der Patienten. Darüber hinaus kann die TI 2.0 administrative Prozesse wie die Abrechnung und Verwaltung von Heilmittelverordnungen vereinfachen, wodurch mehr Zeit für die eigentliche therapeutische Arbeit bleibt.

Im Bereich der Podologie schafft die TI 2.0 durch spezialisierte Diagnostiktools einen bedeutenden Mehrwert. Die Einbindung digitaler Fußscanner und Druckmessplatten in die Infrastruktur ermöglicht es, diagnostische Daten direkt in die elektronische Patientenakte einzuspeisen und nahtlos mit Diabetologen oder Orthopäden zu teilen. Diese verbesserte Datenintegration und -verfügbarkeit kann zu einer präziseren Diagnosestellung und effektiveren Behandlungsplanung führen, insbesondere bei komplexen Fußproblemen oder im Rahmen der diabetischen Fußversorgung.

Auf der nächsten Seite: Technische Herausforderungen & Lösungsansätze.

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