Digitale Transformation des Gesundheitswesen Gematik 2.0: Was Krankenkassen fordern

Von Agnes Panjas 3 min Lesedauer

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Für die Weiterentwicklung der Gematik, die die Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur im deutschen Gesundheitswesen verantwortet, wünschen sich die Krankenkassen klare Spielregeln. Ein gemeinsames Positionspapier zeigt die Wünsche auf.

Für Weiterentwicklung der Gematik wünschen sich Krankenkassen klare Spielregeln. Wie diese aussehen, haben verschiedene Krankenkassen in einem Forderungspapier festgehalten.(Bild:  Canva / KI-generiert)
Für Weiterentwicklung der Gematik wünschen sich Krankenkassen klare Spielregeln. Wie diese aussehen, haben verschiedene Krankenkassen in einem Forderungspapier festgehalten.
(Bild: Canva / KI-generiert)

Die Digitalisierung eröffnet enorme Potenziale und Chancen für eine moderne, effiziente Gesundheitsversorgung. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung die digitale Transformation im Gesundheitswesen vorantreibt. Hier nimmt die Gematik eine zentrale Rolle ein. Sie soll zu einer modernen Agentur transformiert werden, die einheitliche Standards setzt und die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen verbessert.

Forderungen für eine zukunftsfähige Gematik 2.0

Um diese Aufgabe zu erfüllen, sind jedoch klare Spielregeln und Verantwortlichkeiten notwendig. Wie die Gematik zukünftig aufgestellt werden sollte, haben der AOK-Bundesverband, Barmer, Bitmarck, der BKK-Dachverband, die DAK-Gesundheit, die HEK, die IKK e.V., die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse und die Techniker Krankenkasse in einem kassenübergreifenden Positionspapier mit dem Titel „Gematik 2.0 – Zukunftsfähig, effektiv und nutzerzentriert die digitale Transformation gemeinsam gestalten“ formuliert. Darin fordern die genannten Krankenkassen unter anderem einen klaren Handlungsrahmen, eine partnerschaftliche Beteiligung der Krankenkassen und mehr Mitbestimmung, Einfluss und Transparenz auf die Entscheidungen.

Klarer Handlungsrahmen: Aufgaben und Befugnisse

Die Gematik soll sich auf die Telematikinfrastruktur konzentrieren und eine klar definierte Verantwortung für neue Anwendungen übernehmen, ohne selbst als Wettbewerber aufzutreten. Die Gematik übernimmt die Zulassungsprozesse und stellt sicher, dass diese einfach und einheitlich sind.

Wichtig sei es dabei, dass die Gematik keine Doppelrolle übernimmt. Die Gematik darf nicht als Marktteilnehmer auftreten und soll nur Zulassungen durchführen. Die Entwicklung von Anwendungen für Versicherte muss den Krankenkassen vorbehalten bleiben. Die Gematik muss als Dienstleister der Krankenkassen und Leistungserbringer sicherstellen, dass die Praxisverwaltungssysteme die Nutzung von Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte oder des E-Rezepts sinnvoll unterstützen. Dabei darf sie als Zulassungsinstitution nicht selbst mit eigenen Produkten oder Anwendungen in den Wettbewerb eintreten. Die Entwicklung von Anwendungen für Versicherte muss den Krankenkassen vorbehalten bleiben.

Fachliche Partizipation: Partnerschaft der Krankenkassen

Krankenkassen wollen aktiv an der Digitalisierung des Gesundheitswesens beteiligt sein und Handlungsspielräume haben, um Mehrwert-Services für die elektronische Patientenakte zu bieten. Krankenkassen nehmen für ihre Versicherten eine aktive und gestaltende Rolle bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens ein. Dafür brauchen sie Handlungsspielräume, um für ihre Versicherten Mehrwert-Services für die elektronische Patientenakte zu entwickeln und individuelle Unterstützungsangebote machen zu können. Der eingeschlagene kooperative Ansatz der Gematik, der alle relevanten Akteure einbindet, sollte fortgeführt und weiter vertieft werden. Krankenkassen und ihre Dienstleister sollten zum Beispiel frühzeitig beteiligt werden, etwa an der Konzeption und Weiterentwicklung von Anwendungen sowie an der Erarbeitung von Spezifikationen.

Fair Governance: Mitbestimmung und Finanzierung

Durch die Ausweitung der Aufgaben der Gematik steigen auch die Ausgaben für die Agentur stetig. Derzeit belaufen sich die Kosten auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Diese tragen zu einem Großteil (93 Prozent) die gesetzlich Versicherten. In diesem Zusammenhang sei es konsequent, dass der GKV-Spitzenverband als Vertretung der Kostenträger der Gematik dann auch ein Mitbestimmungsrecht in der Gesellschafterversammlung erhält, um Transparenz und Einfluss auf Entscheidungen zu gewährleisten. Beitragszahlende sollten Einblick in die Entscheidungen der Gematik haben und ein Mitspracherecht bei kostenrelevanten Entscheidungen erhalten.

Da von der digitalen Infrastruktur und der Arbeit der Gematik alle Akteure im Gesundheitswesen profitieren, sei es fair, wenn die Kosten solidarisch getragen werden. Die GKV darf nicht allein für die Kosten aufkommen, deshalb sollte die Gematik zusätzlich aus Steuermitteln finanziert werden.

Gematik 2.0

Das sind die Kernbotschaften des Positionspapiers der Krankenkassen

  • Die Gematik setzt den Rahmen (einheitliche Standards, nutzenstiftende Spezifikationen, funktionierende Telematikinfrastruktur und TI-konforme Zulassung).
  • Die Gematik stellt sicher, dass die Praxisverwaltungssysteme die Nutzung der TI-Anwendungen (elektronische Patientenakte und elektronisches Rezept) sinnvoll unterstützt.
  • Versichertennahe Anwendungen stellen ausschließlich Krankenkassen und ihre Dienstleister bereit.
  • Krankenkassen und ihre Dienstleister erhalten mehr Freiraum, um ePA-Mehrwertservices bereitzustellen.
  • Die Digitalisierung von Versorgungsprozessen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Gematik bindet die GKV und relevante Stakeholder über den community-based-Ansatz von Beginn an in die Entwicklung ein.
  • Finanzierende Gesellschafter der Gematik erhalten eine wirksame Mitbestimmung.

Quelle: Kassenübergreifendes Forderungspapier

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