Digitale Transformation Wie die Telematikinfrastruktur die Pflege modernisiert

Ein Gastbeitrag von Markus Linnemann 4 min Lesedauer

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Die Digitalisierung und insbesondere die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) wird die Zusammenarbeit der Pflegeeinrichtungen mit anderen Leistungserbringern erleichtern – umso mehr, wenn der Zugang per TI-Gateway erfolgt, wie unser Gastautor Markus Linnemann erläutert.

Die TI vernetzt Leistungserbringer im Gesundheitssystem: Künftig können auch Pflegeeinrichtungen medizinische Informationen mit Arztpraxen oder Apotheken austauschen.(© DigitalArt Max - stock.adobe.com / KI-generiert)
Die TI vernetzt Leistungserbringer im Gesundheitssystem: Künftig können auch Pflegeeinrichtungen medizinische Informationen mit Arztpraxen oder Apotheken austauschen.
(© DigitalArt Max - stock.adobe.com / KI-generiert)

Der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamts zufolge waren im Jahr 2021 in Deutschland rund fünf Millionen Menschen pflegebedürftig – Tendenz steigend. Um die Gesundheitsversorgung pflegebedürftiger Menschen zukünftig sicherzustellen, muss die Branche sich weiterentwickeln und die digitale Transformation in Angriff nehmen – Das sieht auch der Gesetzgeber.

Und so müssen gemäß DVPMG (Digitale–Versorgung–und–Pflege–Modernisierungs–Gesetz) bis zum 01. Juli 2025 alle Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur, kurz TI, angebunden sein. Die Versprechen sind vielfältig, zielen jedoch vor allem auf eines ab: Zeitersparnis im Pflegealltag.

Entlastung und bessere Gesundheitsversorgung: der Mehrwert von Digitalisierung

Das DVPMG ist ein wichtiger Schritt hin zur Digitalisierung der Branche, die stark von den neuen Arbeits- und Organisationsprozessen profitieren kann. Denn sie ermöglichen eine qualitative Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Pflegebedürftige und die Entlastung von Pflegenden durch eine ressourcenschonende Arbeitsorganisation. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Leistungserbringern lässt sich mit den Mitteln der Digitalisierung wesentlich effizienter gestalten. Grundlage für all diese Projekte ist ein sicheres sowie sektorenübergreifendes digitales Netzwerk: die Telematikinfrastruktur (TI).

Telematikinfrastruktur: die Datenautobahn im Gesundheitswesen

Die TI vernetzt alle Leistungserbringer von Ärzten über Krankenhäuser und Apotheken bis hin zu Krankenkassen – und spätestens ab Juli 2025 auch Pflegeeinrichtungen. Durch die zuverlässige Vernetzung mit den zahlreichen Schnittstellen wird eine effiziente Kommunikation ermöglicht. Im Pflegealltag bedeutet das: Pflegepersonal kann medizinische Informationen mit Hilfe digitaler TI-Anwendungen schnell abrufen oder mit Arztpraxen, Apotheken, Rehaeinrichtungen und Co. austauschen – etwa mit Hilfe des TI-Messengers (TIM).

Die langfristige Effektivität solcher TI-Anwendungen kommt unter anderem bei der elektronischen Patientenakte (ePA) zum Tragen, die ab dem 16. Januar 2025 sukzessive für alle Versicherten angelegt wird, sofern diese nicht widersprechen Diese ermöglicht im Zusammenspiel mit der elektronischen Pflegedokumentation, dass medizinische Informationen wie Befunde oder Therapiemaßnahmen für die Behandlung schnell zur Verfügung stehen und die Krankengeschichte vollständig abgebildet werden kann. Im Idealfall beginnt die ePA daher bei der Geburt und wird kontinuierlich fortgeführt. Doch auch ab einem späteren Zeitpunkt hilft eine strukturierte Dokumentation dabei, ein ganzheitliches Profil der Patienten oder Patientinnen zu erstellen und so beispielsweise verschollene Röntgenbilder zu vermeiden.

Das Herzstück, auf dem diese Anwendungen aufbauen, ist der Konnektor. Dieser steht wahlweise physisch lokal oder als serverbasierte Softwarelösung im Rechenzentrum zur Verfügung und ermöglicht die Nutzung aller TI-Anwendungen – inklusive des sicheren Zugriffs auf die ePA.

Die Weiterentwicklung der TI: TI-Gateway und Highspeedkonnektor

Mit der Weiterentwicklung der TI wird der Zugang für alle Leistungserbringer nochmal vereinfacht. Das sogenannte TI-Gateway löst dann als „as-a-Service“-Angebot die stationären Konnektoren ab und ermöglicht einen zentralen TI-Zugang für alle ambulanten und stationären Versorgungszenarien – eben auch für Pflegeeinrichtungen. Basis dafür ist der im TI-Gateway (TIG) eingesetzte Highspeedkonnektor (HSK).

Entscheidend bei der Anbindung an das TIG ist ein sogenannter Client. Der Zugriff auf das TIG kann über eine Software erfolgen, eine Netzwerkkomponente oder bei secunet auch über eine Weiterverwendung der vorhandenen Konnektor-Hardware. Die Hardware wird dabei mit einer völlig neuen Software bespielt, die nahezu mit einem Klick den Zugriff auf das TIG ermöglicht und zusätzliche Dienste wie Monitoring, Fernzugriff oder Firewall aufnehmen kann.

Das TIG macht den Zugang zur TI zu einem zentralen Dienst und dient bereits als Basis und Brücke zur nächsten Entwicklungsstufe, der TI 2.0, die in den kommenden Jahren an den Start gehen soll.

Mit der Checkliste Schritt für Schritt in die TI

Der technische Anschluss selbst wird mit dem TI-Gateway immer einfacher. Für eine reibungslose Integration empfiehlt es sich jedoch, rechtzeitig einen Dienstleister zu kontaktieren, der unterstützt und beratend zur Seite steht. Sind dann alle Vorbereitungen besprochen und geplant, müssen Pflegeeinrichtungen sich auf den Installationstag vorbereiten. Eine Checkliste der gematik, der Nationalen Agentur für Digitale Medizin, kann hierbei unterstützen. Für die operative Anbindung an die TI benötigen Pflegeeinrichtungen demnach:

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  • einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA)
  • eine Institutionskarte (SMC-B)
  • einen Konnektor (physisch) oder einen Anschluss an das TI-Gateway (serverbasiert)
  • ein E-Health Kartenterminal
  • einen TI-Dienstleister
  • eine Internetverbindung
  • einen Zugangsdienst zum virtuellen privaten Netzwerk (VPN) bei Nutzung eines lokalen Konnektors. Beim TI-Gateway wird lediglich der TI-Gateway-Client benötigt.
  • Vermutlich ein Systemupdate der Pflegesoftware
  • und einen Vertrag mit einem KIM-Anbieter (Kommunikation im Gesundheitswesen)

Digitalisierung gelingt nur, wenn sie für die Nutzende funktioniert

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist in vollem Gange und wird in den kommenden Monaten weiter Fahrt aufnehmen. Inzwischen steht mit der TI-Finanzierungsvereinbarung für die Pflege auch ein Konzept zur tatsächlichen Realisierung zur Verfügung. Kurzfristig bedeutet die Transformation zwar einen erhöhten Zeitaufwand, langfristig jedoch profitieren alle Einrichtungen von der Effizienzsteigerung und der Zeitersparnis.

Um das Gesundheitswesen erfolgreich auf das nächste Level zu heben, gilt es deshalb, alle allgemeinen Rahmenbedingungen angemessen zu definieren und die Nutzer des Systems in den Vordergrund zu stellen – denn sie sind Dreh- und Angelpunkt aller Entwicklungen.

Markus Linnemann

ist Vice President Division eHealth bei secunet.

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