Digitale Assistenzsysteme Die Pflege-Qualität verbessern

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

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„Wir wollen die Pflegekraft nicht kontrollieren, sondern die Pflegequalität durch gesicherte Dokumentation verbessern.“ Neue digitale Assistenzsysteme wurden speziell für Pflegekräfte entwickelt, um den Arbeitsalltag zu entlasten und die Pflegequalität zu verbessern.

Das Fraunhofer IGD, die Technische Universität und der Caritasverband Darmstadt sowie andere Partner sind Teil des Vereins „Team Innovative Pflege“ zur Förderung lösungsorientierter und praxisnaher Forschung in Pflegeeinrichtungen.(©  Fraunhofer IGD)
Das Fraunhofer IGD, die Technische Universität und der Caritasverband Darmstadt sowie andere Partner sind Teil des Vereins „Team Innovative Pflege“ zur Förderung lösungsorientierter und praxisnaher Forschung in Pflegeeinrichtungen.
(© Fraunhofer IGD)

Viele Wege führen zum Ziel: Um den Hürden des Fachkräftemangels, steigenden Kosten und einer Überlastung der Pflegefachkräfte auszuweichen, hat sich das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) mit der Forschung digitaler Helfer beschäftigt. Genau genommen: mit digitalen Assistenzsystemen, die zur Verbesserung der Pflege-Qualität beitragen sollen. Darunter ist eine Anwendung für Smartwatches – speziell für Pflegekräfte.

Denn ein Zeitfresser des Pflegealltags ist die Dokumentation verschiedener Tätigkeiten: Mit den speziell entwickelten Smartwatches für Pflegefachkräfte werden einfache Aktivitäten aufgezeichnet. Das geschieht mithilfe von Lagesensoren, der Beschleunigung und Bewegungsrichtung der Hand sowie dem Puls der Pflegekraft. Fallbeispiele zeigen sich beim Heben eines Patienten oder einer Patientin, beim Beziehen eines Bettes oder beim Waschen eines Bewohners bzw. einer Bewohnerin.

Florian Kirchbuchner, Abteilungsleiter Smart Living & Biometric Technologies, ergänzt zum besseren Verständnis: „Wir wollen die Pflegekraft nicht kontrollieren, sondern die Pflegequalität durch gesicherte Dokumentation verbessern.“ Aktuell wird die Anwendung in einer Demenzeinrichtung und in einer Pflegeeinrichtung des Caritas Darmstadt e.V. evaluiert.

Ein weiteres Tool, das zur Entlastung von Pflegekräften entwickelt wurde, ist eine Kamera zur Medikamentenkontrolle: Eine Kamera erfasst dabei Bilder von Tabletten in ihrer Größe, Form, Farbe und Beschaffenheit. Eine KI-basiertes System gleicht dabei das verwendete Medikament mit einer Datenbank von verschriebenen Arzneimitteln ab und warnt Pflegekräfte, wenn versehentlich nach dem falschen Medikament gegriffen wurde. So will man laut Kirchbuchner vor allem die Fehlerquote bei der Medikamentenvergabe minimieren. Denn Fehler passieren: Je nach Studie sterben 25.000 oder mehr Menschen an den Wechsel- oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln.

Auch die ePA soll dies verhindern, denn eine fehlende und zentral gelegene Einsicht für alle in Patientendaten erschwert bislang die Vergabe von Medikamenten unter Berücksichtigung von bereits eingenommenen Medikamenten und Vorerkrankungen. Die richtige Medikamentenvergabe spielt also auch in der kommenden ePA eine wichtige Rolle.

Pflegefachkräfte werden in ihrer Arbeitet entlastet – das Tool muss nämlich nicht unbedingt stationär verwendet werden. Besonders in der ambulanten Pflege wird das System hilfreich sein und kann sogar von Angehörigen genutzt werden. „Wir wollen auch Angehörigen die Möglichkeit geben, die Medikamentenkontrolle durchzuführen und zu dokumentieren, um sicherzustellen, dass die richtigen Medikamente in der richtigen Dosierung vorliegen“, erklärte Kirchbuchner.

Im Laufe ihrer Forschung entwickelte das Fraunhofer IGD diverse Systeme. Neben den bisher aufgeführten Möglichkeiten gibt es eine weitere kamerabasierte Technologie, die den Puls, die Temperatur, das Bewegungsverhalten und die Emotionen eines Patienten oder einer Patientin erfasst und auf diese Weise unterstützt, den Pflegebedarf zu steuern. Das System weist das Pflegepersonal auf ein ungewöhnliches Verhalten hin, wie vermehrte Toilettengänge in der Nacht oder, wenn jemand nach einem Sturz auf dem Boden liegen bleibt. Vor allem für kommunikativ eingeschränkte Patienten und Patientinnen soll das eine große Hilfe sein. Zum Schutz der Daten werden die Kamerabilder lokal verarbeitet und gespeichert, das heißt, die Daten bleiben innerhalb der Einrichtung.

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