Healthcare Digitalisierung im Gesundheitswesen – ein Vergleich zwischen Irland und Deutschland

Ein Gastbeitrag von Rory Mullen 3 min Lesedauer

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In den vergangenen Jahren hat die Digitalisierung das Gesundheitswesen weltweit grundlegend verändert und verspricht eine Steigerung von Effizienz, Zugänglichkeit und Innovation. Die Umgestaltung erfolgt jedoch je nach Land unterschiedlich und wird von politischen Rahmenbedingungen, Ressourcen und kultureller Bereitschaft geprägt.

Irland ist ein kleiner, aber agiler Akteur im Bereich Technologie und Gesundheitsinnovation.(©  MNStudio - stock.adobe.com)
Irland ist ein kleiner, aber agiler Akteur im Bereich Technologie und Gesundheitsinnovation.
(© MNStudio - stock.adobe.com)

Irland, ein kleiner, aber agiler Akteur im Bereich Technologie und Gesundheitsinnovation, bietet einen interessanten Vergleich zu Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas. Irland hat die Digitalisierung im Gesundheitsbereich mit einer klaren Vision und strategischen Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Akteuren vorangetrieben. Der Health Service Executive (HSE), das irische Pendant zu deutschen öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, hat Initiativen wie „eHealth Ireland“ ins Leben gerufen, um eine effiziente und vernetzte digitale Gesundheitsinfrastruktur aufzubauen. Im Mai 2024 stellte die irische Regierung das „Digital for Care: A Digital Health Framework for Ireland 2024-2030“ vor, das einen Plan für die digitale Transformation des Gesundheitssystems und die Verbesserung des Zugangs für Patientinnen und Patienten festlegt.

Neben öffentlichen Initiativen spielt auch das National Institute for Bioprocessing Research and Training (NIBRT) eine zentrale Rolle in Irlands Gesundheitsökosystem. NIBRT, bekannt für die Ausbildung im Bereich Biopharmazeutika, unterstützt die digitale Weiterbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen und in der Life-Science-Branche – ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Einführung neuer Technologien. Diese spezialisierten Ausbildungsangebote stärken Irlands Fähigkeit, datenbasierte Lösungen zu integrieren und das digitale Gesundheitsökosystem des Landes zu festigen.

Die Regierung von Irland legte großen Wert darauf, die digitale Kompetenz sowohl der Fachkräfte als auch der breiten Bevölkerung zu fördern und zu entwickeln. Unterstützt durch die Biopharma-Branche des Landes werden digitale Gesundheitsinnovationen schnell eingeführt und erfreuen sich einer breiten Akzeptanz. Des Weiteren beherbergt Irland 14 der 15 führenden MedTech-Firmen weltweit und beschäftigt über 50.000 Menschen.

Deutschlands Ansatz: strukturiert, aber vorsichtig

Deutschland gilt aufgrund seiner Präzision und hohen Qualitätsstandards im Gesundheitsbereich als zurückhaltend bei der Digitalisierung. Diese Zurückhaltung wird teilweise durch die Komplexität des föderalen Systems und Datenschutzbedürfnisse beeinflusst. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) sowie das Gesetz für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) stellen wichtige Schritte zur Modernisierung des Gesundheitssystems dar, beispielsweise durch die Einführung digitaler Gesundheitsanwendungen und die Förderung von Telemedizin. Die Umsetzung gestaltete sich jedoch langsamer als erwartet, auch aufgrund strenger Datenschutzrichtlinien wie der DSGVO. Der Zugang zu Gesundheitsdatensätzen gestaltet sich schwierig, ebenso wie deren Weitergabe.

Gemäß einer McKinsey-Analyse könnten digitale Gesundheitsangebote im deutschen Gesundheitssystem pro Jahr einen Zusatznutzen von 42 Milliarden Euro generieren, was etwa 12 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht.

Im Gegensatz zu Irland übernimmt die HSE eine zentrale Führungsrolle im Gesundheitssystem des Landes. Deutschland hingegen ist stark dezentral organisiert, mit verschiedenen Ansätzen von Bundesländern und Krankenkassen. Diese Vielfalt führt zu fragmentierten Strukturen und erschwert eine Vereinheitlichung. Trotzdem bleibt Deutschlands Schwerpunkt auf Sicherheit und Schutz von Patientendaten ein entscheidender Vorteil angesichts der zunehmenden weltweiten Datenverletzung. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2018 wurde die Digitalisierungsaktivität im Gesundheitsbereich verschiedener Länder verglichen, und Deutschland belegte den 16. Platz unter 17 untersuchten Staaten.

Was beide Länder voneinander lernen können

Beide Länder können wichtige Lehren aus ihren jeweiligen Herangehensweisen ziehen. Irlands Flexibilität in der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren könnte Deutschland dazu inspirieren, Partnerschaften mit Technologieunternehmen und lokalen Innovatoren zu fördern, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen. Gleichzeitig könnte Irland von Deutschlands strengen Datenschutzbestimmungen profitieren, besonders im Hinblick auf die zunehmende Menge an gesammelten Gesundheitsdaten.

Irlands ganzheitlicher Ansatz zur digitalen Weiterbildung von Fachkräften könnte für Deutschland ein Modell sein, um digitale Kompetenzlücken im Gesundheitswesen zu schließen. Deutschlands weit verzweigtes Netzwerk von Gesundheitsdienstleistern könnte zudem von den schlankeren Entscheidungsstrukturen der HSE profitieren, um eine einheitlichere und zugänglichere Patientenversorgung zu ermöglichen.

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Fazit

Während die Digitalisierung die Zukunft des Gesundheitswesens prägt, zeigen die Erfahrungen Irlands und Deutschlands, wie wichtig es ist, Geschwindigkeit und Sicherheit, Zusammenarbeit und Datenschutz in Einklang zu bringen. Indem beide Länder voneinander lernen und ihre jeweiligen Herausforderungen angehen, können sie hohe Standards für digitale Gesundheitsinnovationen in Europa setzen – zum Nutzen ihrer Bürger und als Vorbild für den Rest der Welt.

Der Autor: Rory Mullen, Leiter Biopharma und Ernährung bei IDA Ireland

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