Telematikinfrastruktur Next Step: ePA

Das Gespräch führte Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Dr. Florian Hartge, Geschäftsführer der gematik, erläutert im Interview den Status quo und die Pläne rund um die Telematikinfrastruktur (TI).

(©  j-mel - stock.adobe.com)
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Wie sieht es aktuell mit der Performance und Zuverlässigkeit der TI aus?

Hartge: Wir haben in den letzten Monaten intensiv mit den Herstellern an der Stabilität der TI gearbeitet. Die TI ist ein komplexes System, das aus vielen Komponenten und Akteuren besteht, die alle aufeinander abgestimmt sein müssen. Dadurch gibt es viele verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die Stabilität haben. Auch die Qualität der Angebote der vielen verschiedenen Hersteller und Dienstleister zählt dazu.
Wir versuchen, dieses System so zu flexibilisieren, dass wir als gematik schneller reagieren können. Zudem sind durch das Bundesgesundheitsministerium Maßnahmen geplant, um die Performance der TI weiter zu verbessern und die Governance der ­Gematik zu stärken.
Zwei Anwendungen der TI sind mittlerweile fester Bestandteil in der täg­lichen Gesundheitsversorgung: Das zeigen rund 260 Millionen eingelöste E-Rezepte und rund 240 Millionen gesendete eAU über den Kommunikationsdienst KIM. Bei zurückliegenden Beeinträchtigungen haben wir mit den betroffenen Anbietern Maßnahmen eingeleitet, um die Stabilität zu verbessern. Die Anbieter sind verpflichtet, die Dienste zu betreiben und deren Stabilität sicherzustellen. Die gematik überwacht das durch Audits und Tests und greift ein, wenn es zu Problemen kommt.

Ist das TI-Gateway der nächste logische Schritt in der Entwicklung der TI?

Hartge: Ja, absolut. In Zukunft sollen alle Leistungen der TI über Online-Dienste erbracht werden. Das TI-Gateway ist ein wichtiger Baustein, um die TI 2.0 zu realisieren. Es ermöglicht den Professionals im Gesundheitssystem, TI-Anwendungen zu nutzen, ohne dafür einen Hardware-Konnektor in der Praxis, Apotheke oder einer anderen medizinischen Einrichtung zu installieren. Stattdessen werden anpassungsfähige, nur noch virtuell vorhandene Konnektoren über TI-Gateways bereitgestellt. Das macht auch mobile Einsatzszenarien leichter möglich.

Wird das TI-Gateway im Vorfeld ausreichend in der Praxis getestet?

Hartge: Ja, natürlich werden umfangreiche Praxistests durchgeführt. Das passiert sowohl in Form von „Friendly User Tests“ im Zuge der Zulassungsverfahren als auch bei Kontrollierten Inbetriebnahmen und in den TI-Modellregionen. Es ist uns ein zentrales Anliegen, dass die Lösungen von Anfang an funktionieren und Mehrwerte schaffen. Die ersten Anbieter testen bereits ihre TI-Gateways unter realen Bedingungen und verbessern dadurch ihre Produkte. Die finalen Zulassungen sind bis Ende des Jahres geplant.

Dr. Florian Hartge, Geschäftsführer der Gematik.(©  Jan Pauls/gematik)
Dr. Florian Hartge, Geschäftsführer der Gematik.
(© Jan Pauls/gematik)

Welche weiteren Entwicklungen rund um die TI werden in den kommenden Monaten auf die Leistungserbringer zukommen?

Hartge: Unser nächster wichtigster Schritt ist die Einführung der „ePA für alle“. Alle gesetzlich ­Versicherten bekommen, ohne selbst aktiv werden zu müssen, eine Patientenakte angelegt, ­solange sie nicht widersprechen. Dadurch wird die Nutzung der ePA sprungartig ansteigen. Außerdem gibt es dann neben KIM und E-Rezept eine weitere Anwendung, die flächendeckend genutzt wird. E-Rezept und „ePA für alle“ werden beim Medikationsprozess auch ineinandergreifen und beispielhaft zeigen, wie verzahnte Anwendungen die Versorgung stärken. Weitere Angebote, die für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, bereitgestellt werden sollen, sind zum Beispiel die Fernsignatur oder die TI-Messenger.

Auch für die Patienten und Patientinnen wird sich durch die TI-Anwendungen einiges verändern. Wie sieht eine optimale Patient Journey im Jahr 2025 aus?

Hartge: Uns ist wichtig, dass alle, nicht nur die Patienten und Patientinnen, die Anwendungen einfach und gerne nutzen können. Mit der GesundheitsID können die Versicherten künftig verschiedene Prozesse im Gesundheitswesen digital steuern – also auf die ePA zugreifen, auf das E-Rezept oder auch auf digitale Gesundheitsanwendungen. Für die Versicherten, die kein Smartphone nutzen wollen oder können, bleibt die elektronische Gesundheitskarte auch in Zukunft ein wichtiges Zugangsmittel.

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