Gesundheitswesen Quo vadis, Telematikinfrastruktur?

Von Susanne Ehneß 4 min Lesedauer

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Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das Grundgerüst der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Hier werden Leistungserbringer und Krankenkassen miteinander vernetzt, um den sicheren Austausch von Patientendaten zu gewährleisten.

Der Anschluss zur TI wird künftig auch serverbasiert möglich sein.(©  MQ-Illustrations - stock.adobe.com)
Der Anschluss zur TI wird künftig auch serverbasiert möglich sein.
(© MQ-Illustrations - stock.adobe.com)

Der Begriff „Telematik“ ist eine Verschmelzung der beiden Wörter „Telekommunikation“ und „Informatik“. Der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur – die Telematikinfrastruktur, kurz: TI – hat bereits eine lange Reise hinter sich. Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und das Bundes­gesundheitsministerium haben im Jahr 1998 das ­Potenzial und die Perspektiven der Telematik im Gesundheitswesen untersuchen lassen. Die Ergebnisse flossen schließlich in das „Aktionsforum Telematik im Gesundheitswesen“ ein, das sich im Jahr 2000 auf eine gemeinsame Plattform für ­Telematik einigte. Zum ersten Mal gesetzlich ­erwähnt wurde die TI 2004 im „Modernisierungsgesetz der gesetzlichen Krankenversicherung“. In diesem Gesetz wurde auch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen, die letztlich erst einige Jahre später – 2011 – umgesetzt wurde. Seither wurde die TI in vielen weiteren ­Gesetzen verankert, beispielsweise im E-Health-Gesetz, das die ersten Weichen für den Aufbau ­einer sicheren TI und die Einführung medizinischer digitaler Anwendungen gestellt hat. Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken sind verpflichtet, sich an die TI anzubinden.

Die TI dient als Basis für verschiedene digitale ­Anwendungen. Dazu zählen zum Beispiel

  • das elektronische Rezept,
  • die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung,
  • die elektronische Patientenakte,
  • der elektronische Heilberufsausweis,
  • der elektronische Arztbrief und
  • Kommunikation im Medizinwesen (KIM).

Verantwortlich für den Betrieb und die Entwicklung der TI ist die gematik, die 2005 unter dem Namen „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH“ gegründet wurde. Das Bundesgesundheitsministerium hält 51 Prozent und damit die Mehrheit der Gesellschafteranteile. Für die Sicherheit der technischen Komponenten innerhalb der TI ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zuständig.

Hürden: Technik und Akzeptanz

Seit dem Start hatte die TI mitsamt ihrer stetig wachsenden Anwendungen immer wieder mit Problemen zu kämpfen, auch die Akzeptanz bei den Leistungserbringern war nicht immer gegeben. Die Praxen scheuten den Kostenaufwand bei gleichzeitig überschaubarem Nutzen, und die technischen Schwierigkeiten – Probleme mit den Konnektoren, der Software sowie den Anwendungen selbst, aber auch mit der Performance – trugen sicherlich ihr Scherflein dazu bei.

Den Hauptärger zog gerade in der Anfangszeit die Hardware auf sich. „Wenn etwas nicht funktioniert hat, war immer der Konnektor schuld“, sagt Markus Linnemann von secunet, einem der zugelassenen Konnektoren-Hersteller. „Das ist verständlich, denn der Konnektor ist das, was physisch zu sehen ist. Selbst wenn eine Fehlermeldung auf dem Konnektor zu sehen war, dass die TI nicht erreichbar ist – der Konnektor war schuld.“ Zudem sorgten abgelaufene Zertifikate für Unruhe.

TI-Gateway

Doch die Zeit der klassischen Hardware-Konnektoren geht ihrem Ende entgegen, künftig wird es den TI-Anschluss parallel als serverbasierte Variante geben, die sich „TI-Gateway“ nennt. Die Anbieter rechnen mit den ersten Zertifizierungen noch im dritten Quartal 2024. Die klassische Box braucht es dann nicht mehr, sie kann aber trotzdem verwendet werden. „Wir müssen uns weiterhin an die Spezifikationen halten, aber werden viel flexibler in der Ausgestaltung des TI-Gateways, um den Kundennutzen exakt zu treffen und ein gutes Produkt zu bauen“, sagt Linnemann.

Das TI-Gateway biete für jeden einen einfachen Einstieg in die Telematikinfrastruktur und ermögliche den Anschluss beliebig vieler und unterschiedlich anspruchsvoller Leistungserbringer an die TI. Linnemann: „Zudem unterstützt das TI-Gateway alle Anwendungen der TI wie z. B. die elektronische Patientenakte (ePA), CardLink, den TI-Messenger (TIM) sowie Kommunikation im Medizinwesen (KIM).“

„Die Vorbereitungen laufen gut und die Entwicklungsleistungen beim Highspeedkonnektor sind bereits abgeschlossen“, so Linnemann. „Herausforderungen bei neuen Produkten für die gematik liegen darin, dass auch alle notwendigen Rahmensysteme rechtzeitig zur Verfügung stehen müssen.“ Dazu gehören zentrale Anschlüsse an die TI, Testsysteme, Testressourcen oder die Verfügbarkeit der verwendeten Hardware.

Auf der nächsten Seite: ehex & TI-Lagebild.

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