Strahlentherapie

Wie präzises Tumortracking neue Perspektiven erschließt

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Die Kombination aus thermaloberflächen- und röntgenbasierter Überwachung ermöglicht präzisere Bestrahlung

Die eingesetzte Thermaloberflächen-Kameratechnologie basiert auf einer 4D-Thermalkamera, die die Wärmesignatur der behandelten Patient:innen mit der rekonstruierten 3D-Oberflächenstruktur korreliert. Zu diesem Zweck erfasst sie 300.000 3D-Oberflächenpunkte und ergänzt sie mit dem zeitgleich erzeugten Wärmesignal. Dies erweitert die Positionsüberwachung um eine neue Dimension.

Daneben kommt Echtzeit-Röntgen-Tracking zum Einsatz, das die innere Anatomie der Patient:innen visualisiert und eine genaue Positionsverifizierung ermöglicht. Hierbei setzt die Lösung jetzt auf größere Detektoren als Vorgängermodelle, wodurch mehr anatomische Strukturen erfasst werden können. Dies erleichtert den behandelnden Ärzt:innen die Orientierung. Im Vergleich zu den Vorgängergenerationen profitiert die Röntgenüberwachung von ExacTrac Dynamic zudem von einem optimierten Weichgewebe-Kontrast und einer verbesserten Auslesegeschwindigkeit. Bei beweglichen Zielen, wie etwa in der Lunge befindlichen Tumoren, verhindert dies Unschärfeeffekte. Die eingesetzten Röntgenröhren verfügen des Weiteren über eine höhere Wärmekapazität und unterstützen dadurch eine stärker automatisierte Hochfrequenz-Bildgebung.

Anhand der kombinierten Daten aus Thermaloberflächen- und Röntgentracking kann die verwendete Software die Position des Tumors in Echtzeit bestimmen. Auf diese Weise lässt dieser sich submillimetergenau bestrahlen.

Schonendere Bestrahlung bei Brustkrebspatientinnen

ExacTrac Dynamic lässt sich im Rahmen verschiedener indikationsspezifischer Workflows einsetzen. Dazu zählt auch Deep Inspiration Breath Hold (DIBH). Dieses Verfahren hat sich bei der Behandlung von Brustkrebspatient:innen bewährt und basiert darauf, dass sich der Abstand zwischen Brustwand und Herz während der tiefen Einatmung vergrößert. Wird nur in dieser Atemphase bestrahlt, sinkt das Kardiotoxizitätsrisiko. Da die Atmung jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich ausfällt, ist es für die Effektivität dieses Vorgehens essenziell, die innere Anatomie während der Atemanhaltephase zu verifizieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Herz auch tatsächlich weit genug von der Brustwand entfernt ist. Die vierdimensionale Thermaloberflächen-Kameratechnologie von ExacTrac Dynamic ermöglicht dies, indem sie Körperoberfläche und Atmung der Patient:innen in Echtzeit erfasst. So ist eine herzschonendere Bestrahlung möglich und das Risiko für Spätfolgen sinkt.

Präzise Technologie für effizientere Behandlung

Bei der Behandlung von Lungentumoren dürfte es die erzielte Präzision erlauben, wesentlich höhere Strahlendosen zu nutzen und zugleich umliegendes Gewebe zu schonen. Die Behandlung wäre dadurch effektiver, sodass weniger Sitzungen möglich wären – teils nur noch eine einzige. Zugleich würde sich die damit verbundene Belastung für die Patien:tinnen verringern, was dazu beitragen kann, die Lebensqualität zu verbessern. Aufgrund der schonenderen Bestrahlung kann die Methode diese Therapieform auch für Menschen mit Vorerkrankungen möglich machen. Bei alledem verspricht sie, den Workflow für Ärtz:innen und Klinikpersonal zu vereinfachen, da der automatisierte Prozess weniger fehleranfällig wäre und aufgrund der effektiveren Behandlung weniger Termine koordiniert werden müssen. Dies würde es darüber hinaus ermöglichen, mehr Patient:innen im Rahmen der vorhandenen Kapazitäten zu behandeln.

Neue Relevanz der Strahlentherapie

Nicht zu unterschätzen sind darüber hinaus die Chancen der neuen Technologie für den Stellenwert der Strahlentherapie in der Krebsbehandlung insgesamt. War die Bestrahlung in der Vergangenheit für viele Ärzt:innen Mittel zur palliativen Symptomlinderung, wird sie dank moderner, präziser Technologien wie der geschilderten zu einer vielgenutzten Behandlungsmethode mit guten Heilungschancen avancieren. Bei gutartigen Hirntumoren etwa kommt Radiochirurgie bereits in mindestens jedem zweiten Fall zum Einsatz. Über 1.000 Krebszentren weltweit verwenden die ExacTrac-Technologie bereits zur Behandlung von Tumoren.

Daten und Technologien bestmöglich nutzen

Potenzial liegt auch im Bereich der Vorsorge. So könnte es die präzisere Bestrahlung ermöglichen, bereits sehr kleine Tumore in frühen Stadien zu behandeln. Dies dürfte die Heilungschancen steigern und könnte in Verbindung mit entsprechender Aufklärungsarbeit dazu beitragen, mehr Menschen dazu zu motivieren, Vorsorgeuntersuchungen wie Lungenscreenings wahrzunehmen.

Einsatz des Systems in der Berliner Charité

Strahlentherapie-Workflow bringt Vorteile für Brustkrebspatientinnen und Klinikbetrieb der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Die Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin nutzt als eine der ersten den Deep Inspiration Breath Hold-Workflow (DIBH) von Brainlab mit dem ExacTrac Dynamic System. Der DIBH-Workflow ermöglicht eine herzschonende Bestrahlung von Patientinnen mit linksseitigem Brustkrebs. „Die Vermeidung von Spätfolgen der Bestrahlung bei linksseitigem Brustkrebs ist aufgrund der sehr guten Prognose der Patientinnen besonders relevant, weshalb Präzision und Schonung der gesunden Organe als Qualitätsanforderung einen immer größeren Stellenwert einnehmen“, sagt Prof. Dr. med. Daniel Zips, Direktor der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Vor allem Herz und Lunge sind teilweise von Spätfolgen betroffen.

Mithilfe einer vierdimensionalen Kameratechnologie bildet der DIBH-Workflow die konkreten Formen der Körperoberfläche ab. Kombiniert mit der Röntgen-Verifikation stellt er auch die innere Anatomie submillimetergenau dar. Mit den meisten Linearbeschleunigern umfassend integrierbar, ermöglicht ExacTrac Dynamic zudem Thermaloberflächen-gesteuertes Beam Gating. Dabei wird der Behandlungsstrahl nur aktiviert, wenn sich die Patientin in der vorgesehenen Position und Atemanhaltephase befindet. Das System zeigt ihr außerdem eine abstrakte Darstellung ihrer Atemkurve an, was ihr hilft, das Atemlevel während der Behandlung besser zu steuern.

Die durch den Workflow ermöglichte Präzision macht Farbmarkierungen auf der Haut ebenso überflüssig wie die Positionierung eines Markerblocks auf dem Oberkörper, der die Atembewegungen über Infrarot verfolgt. Bei adipösen Patientinnen führte letzteres oft zu Problemen. Zudem verkürzt DIBH die Liegezeit der Patientinnen auf deutlich weniger als 15 Minuten. Im Alltagsbetrieb bewährt sich die integrierte Lösung zudem dadurch, dass sie robust und schnell umsetzbar ist. Auch die schnelle Installation und Inbetriebnahme überzeugten das Klinikteam.

Dipl.-Inf. Claus Promberger
ist Vice President Research And Development Radiation Oncology bei Brainlab

Bildquelle: Deutscher Zukunftspreis Ansgar Pudenz

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