Brainlab Spine Symposium

Mensch und Maschine müssen sich ergänzen

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„Technik ist wichtig – Menschen sind wichtiger“

Im Gespräch mit Healthcare Digital berichten zwei Professoren über ihre Erfahrungen mit moderner Technik im Operationssaal, ihre Prioritäten und ihre Erwartungen an die Zukunft.

Professor Dr. Maria Wostrack ist leitende Oberärztin am Münchener Klinikum rechts der Isar. Die Neurochirurgin, deren Spezialität hochkomplexe Eingriffe an der Wirbelsäule sind, schätzt die Erleichterung, die die Digitalisierung im Klinikalltag mit sich bringt. „Zunächst benötigt man eine gewisse Lernkurve für den Umgang mit neuen Technologien – im Nachgang profitiert man allerdings immens davon, insbesondere zeitlich.“ Auch die Tatsache, dass bereits während des Medizinstudiums stets mit dem neuesten Stand der Technik gearbeitet werde und die Lehrinhalte rasch an medizintechnische Innovationen angepasst werden können, spiele dem Healthcare-Sektor in die Karten.

Die gebürtige Moskauerin, die bereits zum Einsatz von Augmented Reality im Gesundheitswesen geforscht und veröffentlicht hat, geht zwar nicht davon aus, dass im Laufe der Dekade jeder Arzt, jede Ärztin mit einer AR/VR-Brille operieren wird, für gewisse Operationen stelle die Technik bereits jetzt ein „erfreuliches Add-On“ dar, das den Leistungserbringern die Arbeit erleichtere. Ihrer Meinung nach können zwei Bereiche des Gesundheitswesens zukünftig besonders stark von Digitalisierungsmaßnahmen profitieren. Zum einen wäre das das Zusammenspiel verschiedener digitaler Module, sodass ein standardisiertes interoperables digitales Netzwerk entstehe. Anderseits müsse man – laut Dr. Wostrack – den Hemmschuh Datenschutz abstreifen. Dadurch könnten erleichterte und ineinander verzahnte Kommunikationskanäle zwischen verschiedenen Organen des Healthcare-Sektors stattfinden und die gesamte Patientjourney sowie das generelle Outcome positiv beeinflusst werden.

Professor Dr. Roger Härtl ist Lehrstuhlinhaber am New Yorker Weill Cornell Medical College, welche über eine der renommiertesten medizinischen Fakultäten in den Vereinigten Staaten verfügt. Der gebürtige Deutsche weiß um die Sonderstellung der Wirbelsäulenchirurgie. Im Gegensatz zu anderen medizinischen Fachbereichen, wie etwa der Herz-, oder Gehirnchirurgie, bei denen oftmals Operationen unabdingbar und meist lebensentscheidend sind, stehe man als Wirbelsäulenchirurg oft vor der schwierigen Abwägung zu operieren. In der Vergangenheit waren die Erfolgschancen bei bestimmten Krankheitsbildern maximal als mittelmäßig zu bewerten. Dank neuer Technologien, wie sie etwa von Brainlab in München entwickelt und vertrieben werden, könne viel häufiger mit positivem Ausgang operiert werden. Insbesondere bei degenerativen Krankheitsbildern, bei denen die Patientinnen und Patienten Schmerzsymptome aufweisen, die allerdings nicht lebensbedrohlich und durch eine Medikation theoretisch zu behandeln wären, sei die Indikation hin zur Operation nun häufiger gegeben, meint Härtl.

Möglich hätten dies insbesondere die technischen Fortschritte der letzten 20 Jahre gemacht. Vor allem das flächendeckende Aufkommen von bildgebenden Verfahren sei in seinen Augen ein echter „Game-Changer“ gewesen. Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz sieht Härtl Parallelen. Ob automatische Protokollierung von Arbeitsschritten, das Erkennen von komplexen Mustern oder die tatsächliche Unterstützung während einer Operation. Die Anwendungsmöglichkeiten seien schier unbegrenzt, und seiner Meinung nach befindet sich die Digitalisierung im Bereich Healthcare noch in den Kinderschuhen. Bei allen Möglichkeiten und aller Technikaffinität möchte Härtl allerdings betonen, dass das wertvollste Kapital des Gesundheitswesens nicht die technischen Gerätschaften sondern das Personal sind. „Es ist wichtig, dass man seine Prioritäten klar verteilt“, sagt Härtl. „Letztendlich geht es um die Menschen, die in der Pflege arbeiten, die sich um die alte Generation kümmern, die Rehabilitationsmaßnahmen begleiten. Und um die Ausbildung einer neuen Generation von Ärztinnen und Ärzten.“

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