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DiGA: Von der Forschung in die Versorgung

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Weniger Politik, mehr Versorgung

Die Kritik des GKV-SV ist für sie daher nicht nachvollziehbar. Der Verband wisse, dass viele vorläufig gelistet DiGA enorm viel Geld in Evidenznachweise gesteckt haben. „Wenn man sich den DiGA-Leitfaden anfangs durchgelesen hat, dann konnte man auf die Idee kommen, dass man nur eine kleine Vorstudie mit einigen Vorher-Nachher-Messungen braucht, um vorläufig gelistet zu werden. In der Praxis wird das vom BfArM aber nicht so gelebt. Das Institut hat zu Recht sehr hohe Ansprüche – auch an vorläufige DiGA.“

„Die Blockade-Haltung des GKV kann dazu führen, dass solche Innovationen nie richtig in die Versorgung kommen und dann hat, glaube ich, niemand was gewonnen“, so Horvath. Die Zahlen sprechen aktuell zumindest dafür, dass DiGA durchaus mit herkömmlichen Arzneimitteln mithalten können. „Wenn man das Wachstum auf dem Markt in den ersten zwei Jahren anschaut, dann sieht man ein vergleichbares auf dem DiGA-Markt. Das ist sehr erstaunlich, da dieser nicht von großen Pharmafirmen getrieben ist. Die Mehrzahl sind kleinere Unternehmen und Start-ups, die nicht über 100-Mann-starke Vertriebsteams verfügen.“

Daher sei auch die Kritik an den Kosten unverständlich. „Wir verdienen aktuell noch nichts“, stellt die Unternehmerin fest. „Eine DiGA ist ein Medizinprodukt, ein digitales, aber ein sehr komplexes Medizinprodukt“, erklärt sie. Nicht nur deren Entwicklung und die Evidenznachweise kosteten, es sei auch unheimlich teuer diese in die Versorgung zu bringen und dort zu halten. „Da wünsche ich mir vom GKV-Spitzenverband etwas weniger politisches Taktieren, sondern einen Blick auf die Patienten beziehungsweise Patientinnen und den Kosten-Nutzen digitaler Medizinprodukte.“ Das Problem sei für manche Krankenkassen, dass eine DiGA theoretisch on top zu einer weiteren teuren Behandlung kommen kann, ohne dass die Kasse dies steuern kann, und diese Kosten wolle der Verband nicht tragen. „Bei der Auswertung ihrer Daten würden sie allerdings sehen, dass wir durch Digitale Gesundheitsanwendungen auch Kosten sparen können.“

Keine Konkurrenz, sondern Hilfe

Digitale Gesundheitsanwendungen gibt es als App oder browserbasierte Anwendung(Bild:  HelloBetter)
Digitale Gesundheitsanwendungen gibt es als App oder browserbasierte Anwendung
(Bild: HelloBetter)

Die Stärke der digitalen Gesundheitsanwendungen liegt schließlich darin, dass sie jedem Patienten ohne lange Wartezeit eine hochwertige, leitliniengerechte Versorgung bieten kann. „Wir stehen vor der Herausforderung, dass Patienten oft lange auf eine Behandlung warten müssen, Schlafstörungen und andere Erkrankungen, wenn sie unbehandelt bleiben, aber weitere Krankheiten nach sich ziehen können – etwa vaskuläre Erkrankungen wir Depressionen“, so Horvath. Dadurch entstünden dem Gesundheitssystem weitere Kosten. Digitale Gesundheitsanwendungen können diese Versorgungslücke schließen. „Gerade Probleme wie Depressionen und Schlafstörungen werden immer häufiger. Da müssen wir für neue Möglichkeiten offen sein. Es darf nicht sein, Patienten und Patientinnen auf lange Wartelisten zu vertrösten.“

Dabei ginge es jedoch keineswegs darum, den Leistungserbringern die Hoheit über die Behandlung zu nehmen. „Im Gegenteil, sie können die DiGA nutzen, um den Patienten noch besser zu behandeln. Sie ist ihr Arm in den Alltag der Patienten und Patientinnen“, erklärt die Psychologin. Hausärzte würden zudem davon profitieren, zur Überbrückung nicht mehr nur Medikamente verschreiben zu können. „Oder der Psychotherapeut verschreibt sie Menschen auf der Warteliste, die er wegen fehlender Plätze wieder wegschicken muss.“

„Natürlich müssen wir darauf achten, dass Ärzte und Psychotherapeuten vernünftig für den Aufwand, den sie mit einer Verschreibung und der Erklärung des Produktes haben, entlohnt werden“, so Horvath weiter. Zudem müssten die Anwendungen sinnvoll mit der herkömmlichen Versorgung verzahnt und logisch in die Versorgungsketten eingebaut werden, so dass ich als Therapeut zum Beispiel auch innerhalb dieser Plattform eine Patientin begleiten kann.“ Die Anwendungen dürften keine Insellösungen sein, sondern müssten sich mit anderen Lösungen in die Versorgung integrieren. „Aber das ist etwas, das in den nächsten Jahren immer mehr kommen wird.“

Über HelloBetter Schlafen

Mit der Digitalen Gesundheitsanwendung HelloBetter Schlafen soll die Versorgungslücke bei Insomnie angegangen werden. Aktuell erhält lediglich weniger als ein Prozent der Betroffenen eine leitliniengerechte Therapie. Das zwölfwöchige Online-Therapieprogramm ist daher so ausgelegt, dass es entweder als eigenständige Therapieoption oder begleitend zu anderen Therapieformen eingesetzt werden kann.
Das Programm setzt sich aus acht Kurs- und sechs Zusatzeinheiten zusammen. Faktoren wie die Schlafeffizienz und das Schlafverhalten werden dabei durchgehend berücksichtigt. Die Teilnehmenden müssen dafür nur kontinuierlich das integrierte Tagebuch nutzen. So können sie auch ihren Verlauf beobachten, Zusammenhänge erkennen und Änderungen vornehmen.
Der Clou: Während des Programms werden die Teilnehmenden von geschulten Psychologen begleitet. Nach jeder Kurseinheit erhalten sie von diesen ein persönliches, schriftliches Feedback.
Sowohl Ärzte als auch Psychotherapeuten können die DiGA bei den Diagnosen „Nichtorganische Insomnie (F51.0)“ und „Ein- und Durchschlafstörungen (G47.0)“ verschreiben.

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