Der Weg zur KI-Sichtbarkeit: Ein strukturierter Ansatz
Wie wird man also Teil der Antwort und bleibt es auch? Aus der Praxis heraus haben sich vier Schritte bewährt:
1. Analyse des Ist-Zustands
Der erste Schritt klingt banal, wird aber häufig übersprungen: Fragen Sie die KI. Stellen Sie die Fragen, auf die Sie die Antwort sein wollen, und schauen Sie, ob Sie Teil der Ergebnisse sind. Prüfen Sie dabei auch, welche Quellen die jeweilige KI-Plattform für ihre Antwort heranzieht. Wichtig: Nutzen Sie dafür kein eingeloggtes Firmenprofil, sondern einen neutralen Zugang – idealerweise mit einer definierten Persona im Prompt. Und vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit denen des Wettbewerbs. Ohne ehrlichen Ist-Zustand ist jede weitere Maßnahme blind.
2. Leerstellen identifizieren
Aus der Analyse ergibt sich eine Art Landkarte der Lücken: Wo tauche ich nicht auf, obwohl ich sollte? Fehlt eine wissenschaftliche Validierung, die der Wettbewerb hat? Sind die Inhalte auf der eigenen Website zu werblich und werden deshalb nicht als Quelle erkannt? Schneidet man in relevanten Bewertungsportalen schlecht ab? Nur wer seine Schwachstellen kennt, kann gezielt gegensteuern.
3. Einen konkreten Maßnahmenplan erstellen
Auf Basis der identifizierten Lücken lässt sich ein konkreter Plan ableiten. Dieser kann beispielsweise beinhalten: Die Website um redaktionelle Inhalte ergänzen, die genau die Fragen beantworten, auf die man die Antwort sein möchte. Ein Whitepaper oder eine Studie veröffentlichen, um wissenschaftliche Glaubwürdigkeit aufzubauen. Gezielt Fachmedienarbeit betreiben, um Drittbestätigung zu generieren. Thought Leadership über LinkedIn und Fachbeiträge aufbauen.
4. Kontinuierlich am Ball bleiben
Der vielleicht wichtigste Punkt: GEO ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Die KI-Sichtbarkeit muss regelmäßig überprüft und die „Maschine" kontinuierlich mit frischem Treibstoff versorgt werden. Konkret bedeutet das: regelmäßige Medienberichterstattung sicherstellen, den Thought-Leadership-Aufbau konsequent vorantreiben, die Website mit relevantem Content aktuell halten und etwa halbjährlich für neue wissenschaftliche Validierung sorgen. Erfahrungsgemäß zeigen sich erste messbare Ergebnisse nach zwei bis drei Wochen konsequenter Umsetzung.
Die fünf Zahnräder der KI-Sichtbarkeit
Zusammengefasst lässt sich KI-Sichtbarkeit als System verstehen, in dem verschiedene Zahnräder ineinandergreifen. Nur wenn alle bespielt werden, entfaltet sich die volle Wirkung. Das Fundament bildet die eigene Website: Sie muss kontinuierlich mit frischem, redaktionellem Content bespielt werden, der konsistente Botschaften transportiert und die relevanten Fragen der Zielgruppe beantwortet. Eng damit verknüpft ist die wissenschaftliche Validierung durch Whitepapers, Studien und strukturierte Fachpublikationen, die den Sprachmodellen als besonders vertrauenswürdige Quelle dienen.
Das dritte Zahnrad ist die kontinuierliche Medienberichterstattung in Fach- und Leitmedien, die als Drittbestätigung der eigenen Positionierung wirkt und den KI-Systemen signalisiert, dass die eigenen Botschaften auch von unabhängiger Seite gestützt werden. Hinzu kommt die Präsenz in relevanten Bewertungsportalen und Diskussionsforen, die je nach Suchkontext ebenfalls in die KI-Antworten einfließen. Und schließlich spielt der Aufbau von Thought Leadership eine zentrale Rolle: Personengebundener Expertenstatus, der über LinkedIn-Artikel und Fachbeiträge entsteht, ist deshalb so wirkungsvoll, weil Menschen Menschen vertrauen – und Maschinen sich an dem orientieren, was Menschen tun.
Ein Paradigmenwechsel, der Chancen bietet
Die gute Nachricht: GEO folgt nachvollziehbaren Prinzipien. Es ist eine strukturierte Herangehensweise, die den Charme hat, schlichtweg machbar und umsetzbar zu sein. Und sie bietet gerade für kleinere, innovative Unternehmen eine echte Chance. Denn in der KI-Suche zählt nicht das größte Marketingbudget, sondern die klügste Kommunikation.
Gleichzeitig wird GEO zunehmend zur Pflicht. KI-Suchsysteme sind die neuen Gatekeeper für Sichtbarkeit – und damit auch für Umsatz. Unternehmen, die das Thema heute ignorieren, riskieren, morgen nicht mehr so einfach auffindbar zu sein. Oder kurz und knapp ausgedrückt: GEO ist die neue Währung der Sichtbarkeit. Wer heute kommuniziert, trainiert gleichzeitig die KI und wird so zum Teil der Antwort, die sie auf die Fragen ihrer Nutzer liefert. Die Frage ist also nicht, ob man sich mit GEO beschäftigen sollte. Die Frage ist, ob man es sich leisten kann, es nicht zu tun.
Stand: 08.12.2025
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Der Autor Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer der auf Digital Health und Zukunftsmedizin spezialisierten Kommunikationsberatung The Medical Network (TMN) in Hamburg. Er berät Unternehmen aus den Bereichen Medtech, Pharma und Digital Health bei der strategischen Positionierung und Sichtbarkeit – zunehmend auch im Kontext KI-basierter Suchsysteme.