Real World Data

Wie Kliniken im EU-Datenraum von Versorgungsdaten profitieren können

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Real World Data als Umsatzfaktor

Das wirtschaftliche Potenzial ist erheblich. Würden Kliniken ihre Versorgungsdaten systematisch nutzen, könnten sie durch bessere Planbarkeit Betriebskosten senken. Schon eine geringfügige Verkürzung der durchschnittlichen Liegezeiten, dort wo es sinnvoll wäre, hätte spürbare Effekte: Betten wären schneller wieder für neue Patienten verfügbar und unnötige Kosten für Überversorgung ließen sich vermeiden. Auch eine optimierte Auslastung von OP-Sälen könnte dazu beitragen, Kosten zu reduzieren und wertvolle Ressourcen effizienter einzusetzen, etwa indem Personal, Räume und Geräte vorausschauend eingeplant werden, anstatt kurzfristig reagieren zu müssen.

Neben diesen Effizienzgewinnen eröffnen sich für Kliniken auch neue Erlösmodelle, wie das Beispiel aus den USA zeigt. Kliniken können ihre Daten, rechtssicher aufbereitet und anonymisiert bzw. pseudonymisiert, für Kooperationen mit Forschung und Industrie bereitstellen. So entstehen Einnahmen durch Beteiligung an Studien oder KI-Projekten. Plattformmodelle, die den Zugang zu strukturierten Daten organisieren, ermöglichen eine faire Vergütung für Einrichtungen, die hochwertige Daten liefern. Die Einwilligung der Patienten zur Nutzung ihrer Daten vorausgesetzt.

Für die Häuser bedeutet das eine doppelte Wertschöpfung: bessere Versorgung und zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven. Mehr noch: Datenkompetenz wird künftig ein Wettbewerbsvorteil sein – bei der Vergabe von Fördermitteln, in Forschungskooperationen und in der Wahrnehmung durch Patienten, die zunehmend erwarten, dass moderne Technologien Teil ihrer Versorgung sind. Daten sind damit kein Nebenprodukt mehr, sondern ein strategisches Kapital.

Allerdings setzt der regulatorische Rahmen klare Grenzen. Zwar unterstützt der EHDS die Sekundärnutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke, gleichzeitig stellt er aber klar, dass Dateninhaber mit der Bereitstellung keinen Gewinn erzielen sollen, sondern sich auf die Deckung der anfallenden Kosten beschränken müssen. Der Rechtsrahmen bringt zudem eine Reihe von Verpflichtungen mit sich – so sind etwa Datennutzende verpflichtet, ihre Forschungsergebnisse innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu veröffentlichen.

Deutschland hat jedoch die Chance, auf dem durch den EHDS angestoßenen Schwung aufzubauen und eine Gesetzgebung zu schaffen, die es Kliniken ermöglicht, Daten in wertvolle Vermögenswerte zu verwandeln. Das Vertrauen in die Versorgungsqualität und die in Deutschland erzeugten Daten ist bereits hoch – ein Vorteil, der dafür sorgt, dass aggregierte, bereinigte und standardisierte Datensätze aus deutschen Einrichtungen nicht nur national, sondern auch international für Forschungseinrichtungen äußerst attraktiv sind.

Schritt für Schritt zur vernetzten Datenlandschaft

Der erste Schritt dorthin ist nicht nur ein technischer, sondern vielmehr auch ein organisatorischer. Kliniken müssen ihr Datenmanagement einheitlich gestalten, am besten in einer einrichtungsweit tätigen Organisation. Sie müssen die Verantwortlichkeiten klar regeln, einheitliche Prozesse zur Qualitätssicherung schaffen und das Zuständigkeitswirrwarr zwischen IT, ärztlichen Abteilungen und Verwaltung beenden.

Datenplattformen wie die von InterSystems spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung dieses Prozesses, der Teil der übergeordneten Digitalisierungsstrategien von Krankenhäusern ist. Die Lösungen ermöglichen es den Häusern nicht nur, ihre Daten in der aktuellen Form teilbar zu machen, sondern auch weiterführende Funktionen wie Aggregation, Deduplikation und Normalisierung zu unterstützen. In jüngerer Zeit umfasst dies zudem komplexe Transformationen, etwa die Umwandlung von FHIR-Daten-Modellen in OMOP-Formate. Studien zeigen, dass Krankenhäuser durch den Einsatz von Interoperabilitätsplattformen die Effizienz ihres Datenaustausches erheblich steigern können. So dauert es durchschnittlich etwa sechs Monate, bis ein Krankenhaus seine Real-World-Daten für Forschungspartner aufbereitet hat, mit einer Interoperabilitätsplattform kann dieser Zeitraum jedoch auf weniger als einen Monat verkürzt werden.

Um dies zu bewerkstelligen, empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen. Zunächst sollten Kliniken Pilotprojekte starten, die konkrete Mehrwerte zeigen – etwa eine bessere OP-Planung oder die Optimierung von Intensivkapazitäten. So lässt sich Vertrauen aufbauen und das Potenzial greifbar machen. Parallel müssen Datenstandards eingeführt und Schnittstellen konsequent genutzt werden. Auch die Einbindung der Beschäftigten ist entscheidend, denn sie liefern mit strukturierter Dokumentation und einem disziplinierten Umgang mit Daten die Grundlage für jede Analyse.

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Mit einem klaren Einführungsplan kann die Vernetzung schrittweise auf weitere Abteilungen oder Standorte ausgeweitet werden. Ziel ist eine integrierte Datenlandschaft, die Versorgung und Forschung gleichermaßen unterstützt. Wer diesen Weg jetzt geht, schafft nicht nur die Basis für innovative KI-Projekte, sondern positioniert sich auch wirtschaftlich besser – in einem Umfeld, in dem regulatorische Vorgaben und Wettbewerbsdruck steigen.

Ausblick: Von der Pflicht zur Kür

Der Weg zur datengetriebenen Klinik ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Doch die Richtung ist klar: Wer heute in Datenqualität, Integration und Kompetenzen investiert, verschafft sich nicht nur Vorteile bei der Nutzung von KI, sondern stärkt auch seine Wettbewerbsfähigkeit im Gesundheitsmarkt von morgen. Für Ärzte und Pflegekräfte bedeutet das, dass ihre Dokumentation nicht im Nirwana verschwindet, sondern echten Mehrwert schafft – für die Versorgung, für die Forschung und für die Patienten selbst. Kliniken, die jetzt handeln, gestalten nicht nur ihre eigene Zukunft, sondern auch den digitalen Gesundheitsraum Europas aktiv mit.

Dr. Erion Dasho
ist Arzt und Clinical Advisor bei InterSystems.

Bildquelle: InterSystems

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