KI in der Rheumatologie

Ärzte vs. ChatGPT

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Daraufhin wurde jeder Teilnehmer darüber informiert, dass jeweils eine der Antworten von der KI stammt und die andere von einem Arzt. Fast die Hälfte der Patienten konnte die Antworten korrekt der KI zuweisen. Auf Seiten der Ärzte waren es sogar 97 Prozent. Dabei war weder der Ärzteschaft noch den Patienten zuvor bewusst, dass eine Option KI-generiert war. Allerdings bewerteten Rheumatologen die KI-Antworten in Bezug auf die Vollständigkeit signifikant schlechter als die ärztlichen Antworten, während Patienten kaum einen Unterschied in der Qualität erkannten. Trotz der Nutzung von Bing, die die Textlänge bereits dem menschlichen Niveau anpasst, waren KI-Antworten im Schnitt sogar 30 Wörter kürzer als die der Rheumatologen. Dies führte die Forschenden zu der Annahme, dass dies zu den schlechteren Vollständigkeitsbewertungen beigetragen haben könnte.

Wie in früheren Studien auch, kann diese hier belegen, dass die Qualität von ChatGPT-4 bei Patientenfragen ganz gut ist, obwohl sie von Ärzten auf Vollständigkeit und Genauigkeit niedriger und von Patienten aber hoch bewertet wurde. Die Standard-Version von Bing ist nicht speziell auf rheumatologische Fragen trainiert. Auch kann noch nicht gesagt werden, ob KI zuverlässig genug ist, um eigenständig auf Patientenfragen zu reagieren, weil die Antworten auch nicht immer zu 100 Prozent korrekt sind. Doch da sich die Künstliche Intelligenz stetig weiterentwickelt und sie künftig auch mit quellenverifizierten rheumatologischen Informationen antrainiert werden kann, ist das in Zukunft nicht auszuschließen.

Auf ähnliche Ergebnisse kam auch die zweite Studie, die aber vielmehr darauf einging, wie empathisch generative KI auf Patientenfragen reagiert.

Die Ergebnisse der ChatSLE über die Empathie von LLM

Für eine der Rheuma-Erkrankungen – die Systemische Lupus Erythematodes (SLE) – hat der Verband Lupus Europe die Website lupus100.org ins Leben gerufen, die nun Teil der ChatSLE Studie wurde. Auch hier wurden Bewertungskriterien auf einer Likert-Skala gesetzt und Fragen/Antworten aus dem Forum entnommen. Ziel der Studie war die Beziehung zwischen qualitativen und empathischen Antworten zu analysieren. Die Methodik glich der zuvor angeführten Querschnittsbefragung. Dabei stellte sich auf Lupus100.org heraus, dass die Antworten der Experten um einiges kürzer ausfielen.

In dieser Studie konnte ChatGPT-4 mit den Antworten von Experten mithalten. Die Teilnehmer bevorzugten in den meisten Fällen aber die Antworten der KI. Zum Beispiel wurden Ratschläge der KI bezüglich sozialer Dilemmas, im Vergleich zu Experten als viel ausgeglichener, vollständiger, hilfreicher und empathischer wahrgenommen. Die Textlänge, die auch signifikant länger war als die der Rheumatologen, wurde mit den höheren Auswertungen in Qualität und Empathie in Zusammenhang gebracht.

Zusammenfassend lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass ChatGPT-4 die Fähigkeit besitzt, empathischer auf medizinische Fragen zu reagieren. Large Language Models können im Gegensatz zu Menschen auch innerhalb von Sekunden detaillierte Texte wiedergeben und Fachkräfte so bei der Patienteninformation unterstützen. Denn Zeit ist nach wie vor ein großer Faktor und ein Hindernis für Mediziner, gerade in Sprechstundenzeiten. Dabei ist eine einfühlsame und umfassende Kommunikation trotz Zeitmangel wichtig für das Arzt-Patienten-Verhältnis. Die KI punktet auch anderweitig, beispielsweise kann sie einfach und kosteneffizient in verschiedene Sprachen übersetzen, sodass es sich vorteilhafter auf Sprachbarrieren auswirkt. ChatGPT-4 hat das Potenzial in der Patienteninformation und kann schließlich umgekehrt, auch bei der Generierung von Fragen unterstützen. So können Arbeitsprozesse beschleunigt werden, die besonders für seltene Krankheiten von Bedeutung sind.

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