Zitiert oder ignoriert Sichtbarkeit in KI-Suchen wird zur Überlebensfrage

Ein Gastbeitrag von Oliver Struckmeier 6 min Lesedauer

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KI-Tools helfen zunehmend bei der geschäftlichen Entscheidungsfindung, mit folgender Konsequenz: Wer nicht in KI-generierten Antworten auftaucht, wird auch nicht wahrgenommen. Generative Engine Optimization, kurz GEO, soll dem entgegenwirken.

Das mit dem Einzug generativer KI veränderte Such- und Rechercheverhalten kann für Unternehmen zum Problem werden.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Das mit dem Einzug generativer KI veränderte Such- und Rechercheverhalten kann für Unternehmen zum Problem werden.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

62 Prozent der Business-Entscheider nutzen inzwischen KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity als Sparringspartner für ihre geschäftlichen Entscheidungen. Diese Zahl aus einer aktuellen britischen Studie dürfte jede Kommunikationsabteilung aufhorchen lassen – auch und gerade im Gesundheitswesen. Denn sie markiert einen fundamentalen Wandel: Die Art, wie Menschen nach Informationen suchen, Anbieter vergleichen und Entscheidungen treffen, hat sich grundlegend verändert.

Wir alle kennen noch die gute alte Google-Welt. Man wollte möglichst auf der ersten Seite erscheinen, möglichst weit oben gerankt sein. Was einen als Nutzer erwartete, war ein bunter Strauß an Optionen, durch die man sich klicken konnte. Das Ziel der Unternehmen: möglichst viel Traffic auf die eigene Website ziehen. Dafür wurde viel Energie, Zeit und Geld in SEO investiert.

Heute sieht es anders aus. Nutzerinnen und Nutzer wollen keine Auswahl mehr – sie wollen eine Antwort. Eine konkrete, relevante Antwort auf eine drängende Frage. Idealerweise in ein oder zwei Prompts. Der Klick auf die Unternehmenswebsite? Findet oft gar nicht mehr statt.

Das neue Paradigma: Teil der Antwort sein

Für Unternehmen hat das weitreichende Konsequenzen. Wenn ich in den Antworten der KI nicht auftauche, nicht referenziert werde, nicht präsent bin – dann existiere ich in der Wahrnehmung des oder der Nutzenden schlichtweg nicht. Das klingt drastisch, ist aber die neue Realität. Wer nicht zitiert wird, wird ignoriert.

Hier kommt ein Konzept ins Spiel, das in der Kommunikationsbranche zunehmend an Bedeutung gewinnt: Generative Engine Optimization, kurz GEO. Der Begriff beschreibt, wie Inhalte so aufbereitet werden, dass sie in KI-basierten Suchsystemen sichtbar und als Quelle herangezogen werden können. Anders als bei der klassischen Suchmaschinenoptimierung gilt es nicht mehr, einen Algorithmus mit Keywords zu füttern. Es geht darum, von einer KI als glaubwürdige, relevante Quelle erkannt zu werden.

Wie KI-Suchsysteme ihre Antworten zusammensetzen

Um besser nachvollziehen zu können, wie GEO funktioniert, muss man zunächst verstehen, woher KI-Systeme ihre Informationen beziehen. Die verschiedenen KI-Tools greifen auf ganz bestimmte Quellen zurück, um ihre Antworten zu generieren. Dazu gehören:

  • Nachrichtenwebsites und Fachmedien: Klassische journalistische Quellen, die auch in der bisherigen Medienwelt relevant waren, spielen weiterhin eine zentrale Rolle.
  • Wissenschaftliche Publikationen: Studien, Whitepapers und Forschungsergebnisse von Instituten, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen werden besonders stark gewichtet. Das liegt daran, dass die großen Sprachmodelle ursprünglich mit öffentlich zugänglichen, vor allem universitären Informationen trainiert wurden. Sie haben gewissermaßen gelernt, wissenschaftlich strukturierten Inhalten zu vertrauen.
  • Enzyklopädische Quellen: Plattformen wie Wikipedia dienen als Referenz für Basisinformationen.
  • Foren und Bewertungsportale: Je nach Suchkontext fließen auch Nutzerbewertungen und Diskussionen in die Antworten ein.
  • Professionelle Netzwerke: LinkedIn-Artikel und -Beiträge werden zunehmend als Quellen herangezogen – ein Aspekt, der viele überrascht.
  • Die eigene Website: Allerdings mit einer klaren Einschränkung. Es müssen Inhalte sein, die von der KI als redaktionell hochwertig identifiziert werden. Blogartikel, Fachbeiträge, inhaltlich tiefgehende Texte sind gut. Klassische Marketing- oder Werbeaussagen dagegen schlecht.

Ein wichtiges Detail dabei: KI rekonstruiert eine Wirklichkeit aus Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Mustern. Für Unternehmen bedeutet das, dass ihre Botschaften Wiederholung brauchen, stringent sein müssen und eine gewisse Konsistenz aufweisen sollten. Und ganz entscheidend: Sie brauchen Bestätigung durch Dritte. Wenn unabhängige Quellen die eigene Positionierung bestätigen, steigt die Wahrscheinlichkeit, von der KI als relevante Antwort ausgespielt zu werden, erheblich.

Warum das für die Gesundheitsbranche besonders relevant ist

Im Digital-Health-Bereich ist die Entwicklung besonders dynamisch. Entscheiderinnen und Entscheider in Kliniken, Krankenkassen und Gesundheitsunternehmen nutzen KI-Tools zunehmend, um sich über neue Technologien, Anbieter und Lösungen zu informieren. Wer in diesem Moment nicht als Teil der Antwort erscheint, verliert nicht nur Sichtbarkeit – sondern potenziell Geschäft.

Dabei zeigt sich ein klares Muster: Die sichtbarsten Unternehmen sind nicht zwangsläufig die größten, sondern die kommunikativ stärksten. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch strategische Kommunikation. Unternehmen, die kontinuierlich relevante, glaubwürdige und redaktionell hochwertige Inhalte veröffentlichen, trainieren diese Systeme mit – und werden von ihnen bevorzugt ausgespielt.

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