Weniger Papier, mehr Versorgung Wenn Bürokratie im Gesundheitswesen Behandlungszeit kostet

Ein Gastbeitrag von Kai Stübane 4 min Lesedauer

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Ärztinnen und Ärzte verbringen fast drei Stunden täglich mit Dokumentationspflichten. Formulare und manuelle Prozesse bremsen Kliniken und Pflegeeinrichtungen aus. Digitale Workflows zur Automatisierung der Vertragsprozesse können die Verwaltung spürbar entlasten.

Im Gesundheitswesen ist Dokumentation unabdingbar; doch erst das Wie entscheidet bei dieser Pflicht über Be- oder Entlastung.(Bild: ©  nenetus - stock.adobe.com)
Im Gesundheitswesen ist Dokumentation unabdingbar; doch erst das Wie entscheidet bei dieser Pflicht über Be- oder Entlastung.
(Bild: © nenetus - stock.adobe.com)

Ein typischer Arbeitstag im Krankenhaus beginnt selten mit einem leeren Kalender. Visite, Abstimmungen, Notfälle und dazwischen Dokumentation. Viel Dokumentation. Eine Befragung aus dem Jahr 2025 zeigt: Schon eine Stunde weniger Bürokratie pro Vollkraft und Tag setzt rein rechnerisch 123.000 Vollkräfte in den Krankenhäusern frei, darunter rund 22.100 Vollkräfte im ärztlichen und 48.900 Vollkräfte im pflegerischen Bereich.

Ein erheblicher Teil entfällt auf Anfragen des Medizinischen Dienstes und die dafür erforderliche Nachweisführung. Für viele Beteiligte entsteht dabei der Eindruck, dass Aufwand und Mehrwert nicht im Verhältnis stehen. Zumindest nicht für die unmittelbare Patientenversorgung.

Das Problem ist nicht neu, doch es wird mit jedem Jahr drängender. Der Fachkräftemangel nimmt zu, die bürokratische Last bleibt – und konzentriert sich auffällig oft auf Papierform.

Komplexe Strukturen, analoge Prozesse

Das Gesundheitswesen ist eines der komplexesten Systeme der öffentlichen Daseinsvorsorge. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Reha-Zentren, ambulante Dienste, Kostenträger und Behörden greifen ineinander. Entscheidungen betreffen sensible Gesundheitsdaten, rechtliche Verpflichtungen und oftmals existenzielle Situationen.

Diese Komplexität ist aber nicht das eigentliche Problem. Problematisch wird es dort, wo Prozesse nicht durchgängig gehandhabt werden. Aufnahmeformulare werden handschriftlich ausgefüllt, Einwilligungen mehrfach abgezeichnet, Dokumente kopiert, abgeheftet und später erneut angefordert. Informationen existieren parallel in Papierakten, E-Mails und unterschiedlichen IT-Systemen.

Gerade in Kliniken mit mehreren Fachabteilungen zeigt sich, wie stark fragmentierte Prozesse die Abläufe verlangsamen können. Patientinnen und Patienten wechseln Stationen, Dokumente wechseln mit oder gehen verloren. Jede Medienbruchstelle erhöht das Risiko von Verzögerungen und Fehlern. So fließt viel zu viel wertvolle Zeit in die Verwaltung statt in die Versorgung.

Dokumentationspflichten als strukturelles Thema

Dokumentation ist im Gesundheitswesen unverzichtbar. Sie sichert Qualität, Nachvollziehbarkeit und Abrechnung. Sie ist rechtliche Absicherung und Grundlage für Prüfverfahren. Doch die Art und Weise, wie dokumentiert wird, entscheidet darüber, ob sie entlastet oder belastet.

Viele Dokumentationsprozesse sind dabei historisch gewachsen. Formulare wurden ergänzt, Nachweispflichten ausgeweitet, Prüfschritte eingeführt, oft ohne die zugrunde liegenden Abläufe neu zu denken. Digitale Lösungen wurden meist nur punktuell implementiert, selten ganzheitlich.

Das Ergebnis ist kein durchgängiges digitales System, sondern eine Mischung aus Papier, E-Mail, eingescannten Dokumenten und einzelnen Fachanwendungen. Eine nachhaltige Entlastung kann nur gelingen, wenn diese Prozesse von Anfang bis Ende digital abgebildet werden, also von der Erstellung eines Dokuments über die Signatur bis zur revisionssicheren Archivierung.

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