Personalie Kabinett Özdemir: Ein Psychologe soll das Gesundheitswesen reformieren

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Der neue baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat am 13. Mai 2026 sein Kabinett vorgestellt. Als Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit übernimmt der 38-jährige Oliver Hildenbrand – ein Psychologe ohne klassische gesundheitspolitische Laufbahn. Er folgt auf Manfred Lucha, der das Ressort seit 2016 verantwortet hatte.

Oliver Hildenbrand ist Psychologe, Innenpolitiker und seit Mai 2026 Gesundheitsminister von Baden-Württemberg im Kabinett Özdemir.(Bild:  Roland Geiger)
Oliver Hildenbrand ist Psychologe, Innenpolitiker und seit Mai 2026 Gesundheitsminister von Baden-Württemberg im Kabinett Özdemir.
(Bild: Roland Geiger)

Baden-Württembergs neuer Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand bringt eine ungewöhnliche Biografie für das Amt mit. Der gebürtige Wertheimer studierte Psychologie in Bamberg und Bonn, bevor er sich ganz der Politik widmete. Von 2013 bis 2021 führte er die Grünen in Baden-Württemberg als Landesvorsitzender. Seit 2021 sitzt er als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Stuttgart III im Landtag – dort allerdings als innenpolitischer Sprecher und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, nicht als Gesundheitsexperte.

In der Fraktion galt Hildenbrand vor allem als Netzwerker mit integrativem Stil. Sein politisches Profil prägten bislang Themen wie innere Sicherheit, Demokratieförderung sowie der Kampf gegen Rechtsextremismus. Zum Gesundheitswesen sind von ihm bisher kaum öffentliche Positionierungen dokumentiert.

Was der Koalitionsvertrag vorgibt

Der Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Regierung unter dem Titel „Aus Verantwortung fürs Land. Gemeinsam stark in stürmischen Zeiten“ definiert den Rahmen, in dem sich Hildenbrand bewegen wird. Für das Gesundheitsressort setzt das Papier mehrere Schwerpunkte. Darunter fallen etwa die Umsetzung der Krankenhausreform mit Leistungsgruppen und Vorhaltefinanzierung, der Ausbau telemedizinischer Angebote vor allem im ländlichen Raum sowie die Überführung digitaler Leuchtturmprojekte wie der Gesundheitsplattform MEDI:CUS in die Regelversorgung.

Auch die sektorenübergreifende Vernetzung von Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen sowie die Nutzung von Gesundheitsdaten unter strikten Datenschutzstandards finden sich im Vertrag. Hildenbrand übernimmt damit eine bereits angelegte Digitalagenda – muss sie aber politisch umsetzen und gegenüber Kassen, Klinikträgern und Ärzteschaft durchsetzen. Und die Aufgabenliste ist lang. Baden-Württemberg muss den neuen Krankenhausplan 2026 umsetzen, der erstmals auf Leistungsgruppen statt klassischen Fachabteilungen basiert. Gleichzeitig kämpfen die Krankenhäuser und Kliniken im Land mit wirtschaftlichen Schieflagen sowie akutem Personalmangel. Ab August 2026 greift zudem der EU AI Act für Hochrisiko-KI-Systeme in der Medizin – ein Thema, zu dem sich Hildenbrand bislang nicht positioniert hat.

Kommentar

Einen Innenpolitiker auf den Posten des Gesundheitsministers zu setzen ist in den meisten Fällen als mindestens gewagt zu bezeichnen. Im Kabinett Özdemir könnte eine Personalie wie die des Oliver Hildenbrand aber das entscheidende Puzzle-Teilchen darstellen, um die propagierten stürmischen Zeiten sicher zu bewältigen. Vielleicht muss Hildenbrand erst noch in seine Rolle hineinwachsen; ein alter Polit-Haudegen wie Özdemir wird dieses wichtige Ministeramt jedenfalls nicht leichtfertig vergeben haben. Und vielleicht muss Hildenbrand auch nicht mehr die großen planerischen Details der baden-württembergischen Gesundheitspolitik herausarbeiten. Doch in deren Umsetzung wird er einiges an Arbeit hineinstecken müssen. Dafür wünscht ihm die gesamte Redaktion viel Erfolg.

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