Cybercrime traf Deutschland 2025 hart. Das BKA vermeldet 333.922 Fälle, davon 1.041 Ransomware-Angriffe und 36.706 DDoS-Attacken. Während KI die Einstiegshürden senkt und Attacken verstärkt, setzt das BKA auf einen erfolgversprechenden Ansatz.
Deutschland steht 2025 im Cyberraum unter massivem Druck. Das BKA verzeichnete 333.922 Delikte und deutliche Zuwächse bei Ransomware, DDoS und Hacktivismus.
2025 registrierte das BKA 333.922 Cybercrime-Fälle in Deutschland, davon 126.034 im Inland und 207.888 mit Auslandsbezug. Der wirtschaftliche Schaden lag bei 202,4 Milliarden Euro, rund 4,5 Prozent des BIP.
DDoS und Hacktivismus nahmen mit 36.706 DDoS-Angriffen und über 700 Ankündigungen zu. Die Gruppe „NoName057(16)“ war besonders aktiv und zielte vor allem auf Behörden, Verwaltungen sowie Verkehrs- und Logistikunternehmen.
Ransomware blieb mit 1.041 Anzeigen die zentrale Bedrohung. 96 Prozent der Betroffenen waren Unternehmen und Behörden vor allem KMU. Nur sieben Prozent zahlten Lösegeld, dennoch waren es rund 15,5 Millionen US-Dollar, bei durchschnittlich etwa 456.335 US-Dollar pro Zahlung.
Künstliche Intelligenz verstärkt die Bedrohungslage, da sie die Einstiegshürden senkt, Phishing glaubwürdiger macht und das Auffinden sowie Ausnutzen von Schwachstellen erleichtert.
Das BKA setzt auf einen Vier-Ebenen-Ansatz gegen Cybercrime und meldet Erfolge wie die Operationen Endgame, Eastwood und PowerOFF. Das Amt erwartet für 2026 jedoch eine weiter steigende Bedrohung und fordert internationale Koordination.
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat sein Bundeslagebild Cybercrime 2025 veröffentlicht. Darin erfasst das Amt jedes Jahr die aktuellen Erkenntnisse und Entwicklungen im Bereich der Cyberkriminalität in Deutschland. Die Daten beruhen auf der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).
Deutschland zählt als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt laut BKA weiterhin zu den wichtigsten Angriffszielen im Cyberraum. Besonders schwere Cyberdelikte sowie Angriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen würden weiter zunehmen:
2025 gab es 333.922 Cybercrime-Delikte, davon 126.034 Inlandsfälle und 207.888 mit Auslandsbezug.
1.041 Ransomware-Angriffe wurden deutschlandweit angezeigt.
Die Ransomware-Zahlungen in Deutschland liegen bei umgerechnet 15.515.377 Mio. US-Dollar.
36.706 DDoS-Angriffe wurden im Netz der Deutschen Telekom AG gemessen. Das sind plus 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Mehr als 700 Angriffsankündigungen und -meldungen durch hacktivistische Akteure auf Ziele in Deutschland wurden veröffentlicht.
Der durch den Bitkom e. V. festgestellte Schaden durch Cyberattacken beträgt 202,4 Mrd. Euro. Das sind rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
So haben sich die erfassten Cybercrime-Fälle in Deutschland seit 2020 verändert. Wobei die absoluten Zahlen bei den Auslandstaten für die Jahre 2020 bis 2023 nicht genannt wurden.
Jahr
Inlandsfälle
Auslandsfälle
Gesamtfälle
2020
130.477
2021
146.363
2022
136.865
2023
134.407
2024
131.391
201.877
333.268
2025
126.034
207.888
333.922
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: „Cyberkriminelle greifen Deutschland jeden Tag an – unsere Unternehmen, unsere Behörden und unsere Infrastruktur. Darauf geben wir eine klare Antwort: mehr Härte, mehr Befugnisse, mehr Schlagkraft für unsere Sicherheitsbehörden. Der Staat darf im digitalen Raum nicht Zuschauer sein. Wir sorgen dafür, dass unsere Ermittler technisch und rechtlich auf Augenhöhe mit den Tätern handeln und zurückschlagen können.“
Ransomware bleibt zentrale Bedrohung
2025 wurden 1.041 Ransomware-Angriffe angezeigt, ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind dem Bundeslagebild nach mit 96 Prozent Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Davon würden sich rund 90 Prozent der Angriffe gegen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) richten. Die durchschnittlichen Lösegeldzahlungen stiegen deutlich an, die Gesamtsumme lag bei rund 15,5 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig würden immer weniger Betroffene Lösegeld zahlen, was auf eine höhere Resilienz vieler Unternehmen hindeute. 2025 haben nur sieben Prozent der Geschädigten Lösegeld gezahlt. Im Mittel wurden umgerechnet circa 456.335 US-Dollar bezahlt.
Mit der internationalen „Operation Endgame“ gelang es dem BKA im November 2025 wesentliche Malware-Familien, die als Einfallstor für Ransomware-Angriffe genutzt wurden, unschädlich zu machen und die Tatverdächtigen zu identifizieren.
Als die häufigsten Ransomware-Varianten nennt das Bundeslagebild:
1. Akira
2. SafePay
3. INC/Lynx
4. LockBit
5. Qilin
6. DragonForce
7. Medusa Locker
8. Sarcoma
9. Makop
10. RansomHub
Distributed Denial-of-Service und Hacktivismus
Die Zahl der Überlastungsangriffe (DDoS-Angriffe) stieg 2025 um 25 Prozent auf 36.706 Fälle und es gab über 700 Ankündigungen von Angriffen auf deutsche Ziele. DDoS-Angriffe sind dem BKA zufolge der bevorzugte Modus Operandi hacktivistischer Akteure. Eine zentrale Rolle spiele die hacktivistische Gruppierung „NoName057(16)“, die insbesondere im Zusammenhang mit der Unterstützung Deutschlands für die Ukraine, Angriffe auf deutsche Einrichtungen ausführte. Besonders betroffen von DDoS-Angriffen seien Behörden, Verwaltungen sowie Verkehrs- und Logistikunternehmen, durchschnittlich gab es 3.059 Attacken pro Monat, die im Schnitt 41 Minuten dauerten und eine Bandbreite von 705 MBit/s aufwiesen.
Geopolitische Konflikte führen in Deutschland zu einem massiven Anstieg an hacktivistischen Kampagnen.
Ein Erfolg der Ermittlungsbehörden im Jahr 2025: Im Rahmen der „Operation Eastwood“ konnten Teile der Infrastruktur von NoName057(16) zerschlagen und internationale Haftbefehle erwirkt werden. Auch mit der „Operation PowerOFF“ gingen Sicherheitsbehörden erfolgreich gegen sogenannte „Stresserdienste“ vor, die gezielt für Überlastungsangriffe genutzt wurden.
KI verändert die Cyberbedrohungslage
Nicht nur hacktivistische Attacken und Ransomware haben 2025 zugenommen. Auch Cyberangriffe mithilfe von künstlicher Intelligenz nahmen zu. KI-basierte Werkzeuge gewinnen im Bereich Cybercrime zunehmend an Bedeutung und Cyberkriminelle nutzen KI, um Angriffe schneller, gezielter und professioneller durchzuführen, schreibt das BKA. Zwar würden bislang keine polizeilichen Kennzahlen zum konkreten KI-Einsatz in Cybercrimedelikten vorliegen, dennoch seien Veränderungen in der Kriminalitätsentwicklung auch in den verschiedenen Phänomenbereichen des Cybercrime zu beobachten. Dabei sei KI als solche erst einmal neutral zu bewerten, denn ihr Einsatzzweck hänge vor allem vom jeweiligen Nutzungsmotiv ab. Dieselben Fähigkeiten, die zur Verbesserung der digitalen Sicherheit beitragen, könnten auch für cyberkriminelle Aktivitäten genutzt werden. KI-Entwickler wie OpenAI und Google hätten auf Basis ihrer Nutzungsaktivitäten bereits seit 2024 bestätigt, dass ihre Modelle für cyberkriminelle Aktivitäten missbraucht würden. Generell sei klar, dass KI die Durchführung von Cyberangriffen erleichtert und die Angriffsquantität und -qualität steigen.
Stand: 08.12.2025
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Das BKA identifizierte drei zentrale Bedrohungen durch künstliche Intelligenz:
KI senkt die technischen Einstiegshürden für Cybercrime.
Phishing-Mails wirken durch KI authentischer und sind dadurch gefährlicher.
Schwachstellen sind durch KI leichter zu identifizieren und auszunutzen.
Ausblick
Das Bundeslagebild Cybercrime 2025 bestätigt die Trends der Vorjahre: Alle relevanten Fallzahlen für Ransomware, DDoS und Hacktivismus nahmen zu und zeigen eine sich weiter zuspitzende Bedrohungslage. Darüber hinaus führen die weiter fortschreitenden Entwicklungen im Bereich der KI zu einer erhöhten Skalierbarkeit bestehender Angriffsmuster, verbunden mit einer Steigerung der Angriffsqualität.
Auch im Jahr 2026 ist dem BKA nach mit einer quantitativen und qualitativen Steigerung der Bedrohungslage zu rechnen. Relevante Einflussfaktoren für eine wachsende Anzahl an Cyberangriffen seien neben den steigenden technischen Fähigkeiten der cyberkriminellen Akteure die Weiterentwicklung von KI-Tools und deren missbräuchliche Nutzung. Auch die Nutzung von Quantencomputing werde perspektivisch die Cyberkriminalität beeinflussen, da damit beispielsweise sensible Daten schneller entschlüsselt werden können. Zudem sei weiterhin mit einer schnellen Anpassungsfähigkeit von Cyberkriminellen zu rechnen, was sich bereits 2025 unter anderem im Bereich Ransomware beim Wechsel des Modus Operandi hin zu einer verstärkten Nutzung von Data Extortion gezeigt habe.
Um dieser erhöhten Bedrohungslage im Cyberraum effektiv zu begegnen, setze das BKA auf einen Vier-Ebenen-Ansatz mit dem Ziel, die böswilligen Cybergruppierungen zu zerschlagen. Die Bekämpfungsstrategie basiere auf einem personenbezogenen Ansatz, der Zerschlagung technischer Infrastrukturen, dem Entzug finanzieller Mittel sowie einer disruptiven Kommunikation mit dem Ziel von Reputationsschäden in der cyberkriminellen Szene. Der Erfolg dieses Ansatzes habe sich bereits in der vom BKA koordinierten Operation Endgame widergespiegelt. BKA-Vizepräsidentin Martina Link: „Unsere erfolgreichen Maßnahmen gegen Cybercrime zeigen, dass polizeiliches Handeln wirkt – sie dürfen jedoch nicht über die weiterhin hochdynamische Bedrohungslage im Cyberraum hinwegtäuschen. Cyberkriminelle passen ihre Methoden kontinuierlich an und erhöhen damit den Druck auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts dessen ist es von entscheidender Bedeutung, dass auch wir uns ständig weiterentwickeln. Als BKA sind wir bereit, unsere Fähigkeiten auch im Bereich der Gefahrenabwehr einzubringen, um die Sicherheit im Cyberraum zu erhöhen und die Bevölkerung zu schützen.“
Ausschlaggebend für die zukünftige Entwicklung der Bedrohungslage im Cyberraum werde angesichts der aktuellen geopolitischen Lage insbesondere die Reaktionsfähigkeit Deutschlands auf laufende oder bevorstehende Cyberangriffe sein. Solche Angriffe würden sich in vielen Fällen nicht örtlich begrenzt realisieren, sondern länderübergreifend oder gar bundesweit, weshalb insbesondere bei schwerwiegenden Cyberangriffen eine internationale Koordination und Reaktionsmöglichkeit auf Bundesebene erforderlich sei.