Healthtech-Expansion Doctolib drängt durch Medicus-Übernahme auf britischen Markt

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Mit der Akquisition des NHS-Softwareanbieters Medicus wagt Doctolib den nächsten Schritt seiner europäischen Expansionsstrategie. Dabei trifft es im Vereinigten Königreich auf einen Gesundheitsmarkt, der sich mitten im Umbruch befindet.

Mit der Akquisition des britischen Unternehmens Medicus erschließt Doctolib einen Gesundheitsmarkt mit rund 67 Millionen Versicherten.(Bild:  Docolib)
Mit der Akquisition des britischen Unternehmens Medicus erschließt Doctolib einen Gesundheitsmarkt mit rund 67 Millionen Versicherten.
(Bild: Docolib)

Nach dem heimischen Frankreich sowie Deutschland, Italien und den Niederlanden erschließt das Pariser Healthtech-Unternehmen Doctolib nun Großbritannien als fünften europäischen Markt. Kern des Vorstoßes ist die Übernahme von Medicus, einem Unternehmen, das bereits seit rund 25 Jahren Software-Lösungen für den britischen Healthcare-Bereich entwickelt. Im Jahr 2019 dann gelang dem Unternehmen ein großer Wurf, als es eine cloudbasierte elektronische Patientenakte (ePA) für Hausarztpraxen auf den Weg brachte, die vom NHS als neues klinisches Kernsystem angenommen und freigegeben wurde.

Laut Anbieter erfüllt Medicus sämtliche britischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards, darunter ISO 27001, Cyber Essentials Plus und die UK-DSGVO. Weil die Plattform in enger Zusammenarbeit mit dem englischen Gesundheitsdienst entwickelt wurde, ist sie vollständig interoperabel mit nationalen NHS-Angeboten einschließlich der NHS App. Das System wird in 75 Prozent der britischen Versorgungsregionen, den sogenannten Integrated Care Boards, erprobt oder bereits aktiv eingeführt.

Strukturelle Parallelen, unterschiedliche Ausgangslage

Nikolay Kolev, CEO von Doctolib Deutschland und Mitglied des globalen Vorstands, beschreibt die Übernahme als konsequente Übertragung eines erprobten Ansatzes: „In Deutschland zeigen wir seit fast zehn Jahren, dass der gezielte Einsatz innovativer Technologien konkret entlastet und die Versorgung verbessert. Diesen Ansatz tragen wir jetzt in einen der größten Gesundheitsmärkte Europas.“ Hierzulande ist die Praxissoftware des Unternehmens vollständig in die Telematikinfrastruktur integriert – inklusive elektronischer Patientenakte, E-Rezept und elektronischer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Die britische Strategie folgt demselben Muster: vollständige Anpassung an nationale Standards und NHS-Anforderungen. Patientendaten sollen auch künftig ausschließlich auf britischer Infrastruktur verarbeitet werden. Der dortige Markt bietet dafür günstige Bedingungen: Der NHS-„10 Year Health Plan“ der britischen Regierung zielt auf drei strategische Verschiebungen – weg von der Krankenhausversorgung, von analog zu digital, von reaktiv zu präventiv. In der Primärversorgung bedeutet das unter anderem den Ausbau digitaler Triage, KI-gestützter Dokumentation und vernetzter Patientenakten.

Investitionen und Wachstumspläne

Über finanzielle Details der Transaktion schweigen beide Unternehmen. Doctolib kündigte aber bereits an, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Pfund im Vereinigten Königreich zu investieren, 150 Mitarbeitende in London einzustellen und ein eigenständiges Forschungs- und Entwicklungszentrum aufzubauen. Das bestehende Führungsteam von Medicus bleibt vollständig erhalten. Emile Axelrad, Gründer und CEO von Medicus, formuliert das gemeinsame Ziel knapp: „Als britisches Team wollen wir den Standard für Hausarzt-Technologie im gesamten Vereinigten Königreich anheben.“

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