Kommunikation im Medizinwesen Mission: KIMpossible

Von Chiara Maurer Lesedauer: 7 min

Anbieter zum Thema

Der Daten- und Informationsaustausch zwischen medizinischen Leistungserbringern gestaltet sich oft kompliziert. Das müsste er jedoch nicht. Warum der KIM-Dienst noch nicht in der Praxis angekommen ist.

Der KIM-Dienst ermöglicht den Austausch von Daten und Informationen zwischen medizinischen Leistungserbringern
Der KIM-Dienst ermöglicht den Austausch von Daten und Informationen zwischen medizinischen Leistungserbringern
(© NanoStockk – Getty Images via Canva.com)

Während ein kaputter DVD-Brenner früher dafür sorgte, dass das Video vom Familienurlaub nicht an alle Verwandten verschickt werden konnte, haben E-Mails, WhatsApp, Social Media und Co. dieses Problem mittlerweile verdrängt. Im Gesundheitswesen sorgt ein solches Szenario, das eigentlich der Vergangenheit angehört, jedoch noch immer für Chaos.

Mal eben Befunde oder Arztbriefe verschicken? Fehlanzeige. Denn die meisten Mediziner arbeiten immer noch mit Brennern, DVDs und Briefpost. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch unsicher, was gerade hinsichtlich der Sensibilität medizinischer Daten nicht mehr zeitgemäß ist. Aus diesem Grund hat die Gematik einen Standard zum Empfangen und Versenden solcher Inhalte definiert.

Kommunikation im Medizinwesen (KIM) erlaubt es Behandlern aller Sektoren, medizinische Information und Dokumente zielgerichtet und sicher auszutauschen. Als Anwendung der Telematikinfrastruktur soll KIM die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben. Benötigt werden dazu, als Eintrittskarte zur TI, die Institutionskarte beziehungsweise Praxiskarte (SMC-B beziehungsweise SMCB-ORG) oder der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) sowie eine spezielle E-Mail-Adresse (KIM-Adresse), die die Anwender bei einem zugelassenen KIM-Anbieter registrieren. So wird sichergestellt, dass der Dienst ausschließlich von registrierten, authentifizierten Nutzern der TI, also Leistungserbringern im Gesundheitswesen, wie Krankenhäusern, Ärzten, Hebammen, Apothekern oder Pflegeeinrichtungen, genutzt werden kann.

Mit der Registrierung der KIM-Adresse wird ein KIM-Postfach auf die eindeutige Identifikationsnummer in der Telematikinfrastruktur (Telematik-ID) der SMC-B oder des elektronischen Heilberufsausweises erstellt und der Kontakt im Verzeichnisdienst der TI eingetragen. In diesem Verzeichnis sind so alle Nutzer hinterlegt, sodass alle Leistungserbringer die Möglichkeit haben, mit jedem anderen KIM-Nutzer in Kontakt zu treten.

Auf wen die KIM-Adresse registriert wird, kann dabei variieren. So gibt es in Arztpraxen meist nur eine einzige, einrichtungsbezogene KIM-Adresse, die eng im Primärsystem der Praxis verwoben ist. In Krankenhäusern hingegen finden sich oftmals verschiedene fachabteilungs- oder funktionsbezogene Postfächer. Den Grund dafür, erklärt Janos Frank, Berater für die Telematikinfrastruktur bei Akquinet: „Krankenhäuser haben eine völlig andere, stark heterogene Organisationsstruktur als Arztpraxen mit verschiedenen Instanzen wie leitenden Ärzten, der Krankenhausleitung, Chefärzten, Fachabteilungsärzten und so weiter. Dort ist also die Herausforderung, zunächst ein Modell zu finden, wie sie KIM-Adressen verteilen und nutzen wollen. Weil es aber bisher keine Blaupausen dafür gibt, müssen die Zuständigen – in Krankenhäusern ist das meist die eigene IT-Abteilung – selbst zunächst bewerten, wo ein KIM-Postfach sinnvoll einen Prozess unterstützen kann. Das variiert aber momentan noch sehr stark zwischen verschiedenen Kliniken, da jedes Krankenhaus ganz eigene Prozesse hat und KIM sozusagen noch in der Integrationsphase ist.“

Da eine KIM-Adresse immer auf eine SMC-B oder einen HBA registriert ist, gestaltet sich die Um- und Neuregistrierung der Postfächer kompliziert. Aus diesem Grund findet man eher selten personenbezogene KIM-Adressen, da diese Postfächer wenig dynamisch sind und ein Fachbereichs- oder Klinikwechsel des entsprechenden Arztes mit erheblichem Aufwand verbunden ist. „In der Praxis ist das deutlich einfacher. Denn ein Arzt hat seine Praxis inne und selbst wenn sich der Besitzer ändert, kann die Betriebsstättennummer die gleiche bleiben; das heißt, die SMC-B kann übernommen werden. Und auch wenn in diesem Kontext eine neue SMC-B für die Betriebsstätte ausgestellt wird, kann dann die KIM-Adresse umgezogen werden. Das ist dann nicht ganz so kompliziert wie das im Klinikalltag der Fall ist“, erklärt Frank.

Bei der Kommunikation über KIM spielt es dabei jedoch keine Rolle, ob ein Postfach abteilungs-, funktions-, oder personenbezogen ist. Frank dazu: „Das Ziel von KIM ist schließlich, dass man die Leistungserbringer untereinander vernetzt. Sie können sich deswegen auch auch alle gegenseitig im KIM-Umfeld finden und so über den gleichen Prozess – also den gleichen Transportweg – Nachrichten austauschen.

Auf der nächsten Seite: KIM – und jetzt?

(ID:49590126)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung