Kommunikation im Medizinwesen

Mission: KIMpossible

< zurück

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Wie funktioniert KIM?

Der Versand einer KIM-Nachricht gestaltet sich für die Nutzer wie der einer herkömmlichen E-Mail. „Zunächst liegt die verfasste Nachricht lokal vor und wird dann von dem sogenannten KIM-Clientmodul entgegengenommen, einer Software-Komponente zwischen Sendersystem und E-Mail-Server. Über den TI-Konnektor wird die Nachricht dann mittels SMC-B oder eHBA asymmetrisch verschlüsselt – je nachdem, auf welche Smartcard das Postfach registriert ist“, erklärt Frank.

Nachrichten, die eine Einrichtung so verlassen, sind außerhalb dieser also nicht lesbar. Lediglich der als Empfänger angegebene Nutzer kann mit seiner Smartcard die Inhalte entschlüsseln. „Beim Nachrichtenabruf prüft das KIM-Clientmodul, ob eine Nachricht valide ist und entschlüsselt werden kann. Nur dann, wenn ein gültiges Zertifikat vorliegt, wird die Nachricht auch entschlüsselt“, so Frank.

Der Weg in die Praxis

Obwohl der KIM-Dienst spätestens seit dem 1. Januar 2022 verpflichtend und wesentliche Voraussetzung für die digitale Bereitstellung der AU-Daten für die Krankenkassen ist, scheint die Anwendung abseits dessen noch nicht in der Praxis angekommen zu sein. Mögliche Gründe dafür kennt auch Frank: „KIM stellt zwar eine sichere End-to-End-Verschlüsselung und Kommunikation zwischen den Leistungserbringern dar. Die wissen aber noch gar nicht unbedingt, warum sie diesen Dienst überhaupt einsetzen sollten und nutzen deshalb parallel dazu noch immer das Fax, um sich mit anderen Praxen auszutauschen.“ Dabei ist es mit KIM möglich, auch herkömmliche E-Mails, ohne spezifischen Anwendungskontext, wie beispielsweise eAU, sicher auszutauschen.

Und auch, dass der KIM-Dienst selbst keine für die Anwender erfahrbare Schnittstelle hat, sondern mit beliebigen (Thunderbird, Outlook, etc.) oder spezialisierten E-Mail-Clients genutzt werden kann, ist oft unbekannt. „Wenn ein Arzt anfangen muss, etwas außerhalb seines Systems anzulegen, um eine normale E-Mail als KIM-Nachricht zu versenden, wirkt das abschreckend. Er ist schließlich für die Behandlung von Patienten da und nicht dafür, sich darum zu kümmern, wie er KIM richtig konfigurieren kann. Das wiegt umso schwerer, wenn ihm eben auch der Nutzen der Anwendung nicht vollends bewusst ist“, gibt Frank zu bedenken.

Außerdem seien Mediziner bei der Integration des KIM-Dienstes auch stark abhängig von dem von ihnen verwendeten System und inwieweit die KIM-Implementierung möglich ist. Auch Janos Frank ist sich sicher: „Die Frage, die sich Hersteller von Primärsystemen hier stellen sollten, ist: Inwieweit wird der KIM-Dienst in die Prozesse im Primärsystem involviert und kann dabei unterstützen?“ Und weiter: „Häufig fehlen in diesen Systemen Funktionen und Oberflächen, welche den mit KIM bekannten Umgang mit E-Mails ermöglichen. Dabei setzt KIM auf die bekannten und bewährten Standards SMTPS und POP3S zum Austausch von E-Mails.“

Den KIM-Dienst außerhalb des Primärsystems anzulegen, sei wenig sinnvoll, wie Frank erklärt. „Ärzte können über ihr Primärsystem auf alle behandlungsrelevanten Daten zugreifen. Jeder Schritt, der außerhalb dieses Systems getan wird, ist deshalb einer zu viel.“ Es sei daher unwahrscheinlich, dass ein Mediziner, der den Dienst nicht in sein Primärsystem implementieren kann, diesen dennoch nutze. „Eine solche Anwendung muss in den Arbeitsablauf des Nutzers hineinpassen“, so Frank.

„Diese fehlenden Komponenten – die Sichtbarkeit des KIM-Postfaches und der Prozesse, die damit abzubilden wären –, sind für das noch sehr verhaltene Aufkommen an Nachrichten ausschlaggebend. Dabei könnte der Dienst eigentlich für die gesamte gerichtete Arztkommunikation und den Austausch zwischen Praxen genutzt werden. In der Realität sieht es aber so aus, dass die meisten Praxen ihn lediglich für das nutzen, wofür er eben auch verpflichtend ist, und das ist unter anderem die Versendung der eAU an die Krankenkassen. Arztkommunikation, auch wenn mit KIM einfach und analog zur E-Mail möglich, findet darüber in aller Regel kaum statt“, resümiert Frank.

Auf der nächsten Seite: von KIM 1.0 zu KIM 1.5.

(ID:49590126)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung im Gesundheitswesen

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung