E-Health Monitor 2022 Digitalisierung bleibt Mammutaufgabe

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eHealth kommt in der Bundesrepublik nur langsam voran und vergleichbare EU-Nationen sind mit der Umsetzung bereits deutlich weiter. Ein Bericht zum Stand der Dinge ist der E-Health Monitor 2022. Healthcare Computing stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.

Abgehorcht: Die McKinsey-Studie untersucht den Stand von eHealth in Deutschland
Abgehorcht: Die McKinsey-Studie untersucht den Stand von eHealth in Deutschland
(© ronstik – stock.adobe.com)

Die Lebenserwartung in den Industrienationen steigt fast mit jedem Jahr. Doch das Mehr an Lebenszeit und Lebensqualität hat auch seinen Preis – und das ist hier einmal ganz wörtlich gemeint: Das Gesundheitswesen ist mit einem Umsatz von über 92 Milliarden Euro im Jahr 2022 (Quelle: Statista) einer der größten Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik. Und Jahr für Jahr steigen nicht nur die prognostizierten Umsätze, sondern auch oft die Beiträge für die Krankenkassen. Sicher ist jedoch, dass auch entwickelte Gesellschaften die Kosten der High-Tech-Medizin nicht in beliebiger Höhe schultern können.

Doch es gibt einen Ausweg. So hat das Beratungsunternehmen McKinsey in seinem seit 2019 erscheinenden eHealth Monitor das Einsparpotenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen auf die gigantische Summe von 42 Milliarden Euro beziffert. Einen Haken hat die Sache allerdings: Von diesem Potenzial wurden bislang 1,4 Milliarden Euro auch erschlossen. Der Grund: Trotz messbarer Erfolge klemmt es nach wie vor bei eHealth.

Kurz zusammengefasst lassen sich die wichtigsten Erkenntnisse des E-Health Monitors in etwa mit folgenden Worten beschreiben:

Zwar sind mittlerweile 90 Prozent der der Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen, aber 50 Prozent der angeschlossenen Praxen melden mindestens wöchentlich einen Fehler. Zudem sehen 65 Prozent der Arztpraxen das Kosten-Nutzen-Verhältnis als Hürde für die Digitalisierung.

Bei den Apotheken liegt der Prozentsatz der an die Telematikinfrastruktur angeschlossenen Unternehmen sogar noch höher, nämlich bei 96 Prozent. Diese erfüllen damit eine Grundvoraussetzung für das eRezept. Und immerhin 67 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben 2021 zumindest schon einmal vom eRezept gehört, was angesichts der oft zurückhaltenden Informationspolitik der Krankenversicherungen als sehr guter Wert gelten darf. Allerdings wurden bis Juli 2022 in Deutschland nur 44.000 eRezepte verschickt, das sind 0,01 Prozent aller Rezepte, die pro Jahr ausgestellt werden. Um die Relationen besser einschätzen zu können: Laut Wldo-Report vom Wissenschaftlichen Institut der AOK wurden allein 2020 760,5 Millionen Rezepte ausgestellt.

Auch bei den Krankenhäusern steht es um die digitale Reife nicht zum Besten. Sie erreichen in diesem Bereich durchschnittlich 33 von 100 Punkten. Das am besten bewertete Krankenhaus erreicht 64 Punkte. Laut Monitor richten sich die Hoffnungen nun vor allem auf das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG), dessen Fördergelder jetzt helfen sollen, messbare Fortschritte zu erzielen.

Fortschritte konnten indessen bei der digitalen Kommunikation zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern erzielt werden. Diese hat sich binnen eines Jahres auf 12 Prozent verdreifacht.

Inzwischen bieten auch immer mehr niedergelassene Ärztinnen und Ärzte digitale Services für ihre Patienten an. Tummelten sich in diesem exklusiven Kreis 2018 39 Prozent der Ärzte, waren es 2021 schon 61 Prozent. Spitzenreiter bei den digitalen Services sind mit 37 Prozent die Videosprechstunden beziehungsweise die Online-Terminvereinbarung, die es immerhin noch auf 21 Prozent bringt.

Als großes Problem für die weitere Digitalisierung im Gesundheitswesen könnte sich das immer noch große Misstrauen der Ärzteschaft herausstellen. Immerhin 51 Prozent fürchten, dass das Patientenverhältnis durch die Digitalisierung leiden könnte und nur 14 Prozent glauben, dass damit der Therapieerfolg verbessert werde.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Angebot und Nachfrage nach digitalen Services im Gesundheitswesen langsam ansteigen. Da erstaunt es nicht, dass die Autoren des eHealth-Monitor die Digitalisierung im Gesundheitswesen immer noch als Mammutaufgabe bezeichnen.

Über den E-Health Monitor

Ergänzend zu den McKinsey-Analysen bietet der E-Health Monitor auch in diesem Jahr wieder in zahlreichen Gastbeiträgen eine mehrdimensionale Sicht auf das Thema eHealth in Deutschland, auf die vielfältigen Chancen, aber auch auf die Herausforderungen, die mit dem digitalen Wandel verbunden sind. Zu Wort kommen Institutionen wie AOK Bayern, BITMARCK, gematik, die Stiftung Gesundheit in Kooperation mit dem Bundesverband Gesundheits-IT, der Bundesverband Managed Care oder das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, und Perspektiven von eHealth-Anbietern, Patienten, Forschenden und Ärzte.

Der „E-Health Monitor 2022“ erscheint auch in diesem Jahr wieder in Buchformat bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft: ISBN 978-3-95466-759-8.

ePA und eRezept sind entscheidend für den Digitalisierungserfolg

Als absolut erfolgskritisch für den Erfolg von eHealth sehen die Autoren die elektronische Patientenakte (ePA) und das eRezept. Dazu heißt es unter anderem: „Seit Januar 2021 bieten alle gesetzlichen Krankenversicherungen (GKVen) eine ePA an. Derzeit befindet sich die ePA in der Ausbaustufe 2.0: Seit 2022 können Versicherte zentrale Dokumente wie Notfalldatensatz, Impfpass, Mutterpass, Kinderuntersuchungsheft oder Zahnbonusheft digital abspeichern und für jedes Dokument spezifische Berechtigungen erteilen. Bis Mitte 2023 werden die Daten der ePA dann auch für Ärzte im EU-Ausland in der jeweiligen Landessprache zugänglich. Eine entsprechende nationale eHealth-Kontaktstelle soll bis dahin eingerichtet werden (§ 219d SGB V).“

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Damit, so die Autoren, seien die wichtigsten Fundamente für eine flächendeckende Nutzung der ePA gelegt. Dennoch sei der Durchbruch noch nicht geglückt, wie die geringen Nutzerzahlen zeigten. Beim eRezept sieht es vergleichbar aus. Die Autoren fordern daher dringend die Entwicklung einer eHealth-Strategie für Deutschland. „Während in verschiedenen anderen europäischen Ländern wie Österreich, Dänemark oder Estland die Planungen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens im Rahmen einer eHealth-Strategie konkretisiert wurden und schrittweise weiterentwickelt werden, fehlt eine solche Strategie für Deutschland bislang. Klar definierte Ziele einschließlich Zuständigkeiten, Haftung, Interoperabilität, Finanzierung und Erstattung von eHealth-Anwendungen sowie deren zeitnahe Umsetzung in die entsprechenden Regelwerke können schließlich Handlungssicherheit, Verbindlichkeit und langfristige Planbarkeit für die Akteure im Gesundheitswesen schaffen.“

Zur Entwicklung einer eHealth-Strategie raten die Autoren zur Implementierung eines interdisziplinär besetzten Expertengremiums, das das Spektrum der Akteursgruppen im Gesundheitswesen abbildet, unter der Leitung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und unter Einbeziehung weiterer Ministerien wie dem Bundeswirtschafts- (BMWi) und Bundesforschungsministerium (BMBF). Eine solche Strategie sollte:

  • übergeordnete, langfristige Ziele für die Gesundheitsversorgung definieren, zu denen die Digitalisierung beitragen soll,
  • Regeln, welche noch zu benennende Institution die Umsetzung der Strategie koordinieren wird,
  • Zeithorizonte für Aktionspläne zur Umsetzung der Strategie definieren,
  • geeignete Partizipationsformate wählen, um die verschiedenen Stakeholdergruppen aktiv einzubeziehen,
  • ein kontinuierliches Monitoring des Umsetzungsfortschritts und die regelmäßige Veröffentlichung des aktuellen Stands fest vereinbaren.

Den vollständigen E-Health Monitor können Sie hier herunterladen.

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