Interview mit Fraunhofer IGD zur CareCam medical Eine Kamera am Krankenbett

Von Serina Sonsalla 5 min Lesedauer

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Das „digitale Auge“ für die Pflege: Kameras am Krankenbett versprechen mehr Sicherheit für Patienten und Entlastung für Pflegekräfte. Doch sie schaffen auch eine permanente Überwachungssituation. Das Fraunhofer IGD präsentiert mit der CareCam eine intelligente Sensorik zur Risikofrüherkennung. Im Interview erklärt Dr. Mario Aehnelt, wie es durch smarte Anonymisierung die Privatsphäre von Patienten und Personal schützt.

Dr. Mario Aehnelt, stv. Standortleiter am Fraunhofer IGD, präsentierte auf der DMEA 2026 eine neue Assistenztechnologie für Pflegefachkräfte. (Bild:  © Serina Sonsalla)
Dr. Mario Aehnelt, stv. Standortleiter am Fraunhofer IGD, präsentierte auf der DMEA 2026 eine neue Assistenztechnologie für Pflegefachkräfte.
(Bild: © Serina Sonsalla)

Kameras sollen Patienten überwachen, Stürze verhindern, Pflegekräfte entlasten. Dabei galten Kameras im Patientenbereich lange als Tabu – als unzulässige Überwachung. Insbesondere wenn Technologie auf menschliche Verletzlichkeit im Patientenzimmer trifft, entstehen ethische Grauzonen. Doch die Grenze verschiebt sich: Auf der DMEA stellte Dr. Mario Aehnelt, stellvertretender Standortleiter am Fraunhofer IGD, fest, dass die Kamera am Krankenbett gefragt ist.

Der Druck unter den Fachkräften wächst. Die Zeiten hätten sich grundlegend geändert, betonte Aehnelt. Viele Menschen verstehen mittlerweile, dass Technologien die Arbeit wesentlich erleichtern. Besonders im gesundheitlichen Sektor wird dieser Fortschritt sichtbar: Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD hat eine KI-gestützte Sensorik zur kontaktlosen Vitaldatenerfassung entwickelt – eine Assistenztechnologie, die Pflegefachkräfte gezielt entlasten soll.

Die CareCam – Contactless Vital Sign Measurement.(Bild:  © Serina Sonsalla)
Die CareCam – Contactless Vital Sign Measurement.
(Bild: © Serina Sonsalla)

Die CareCam als digitales Auge

Die Carecam medical ist ein KI-gestütztes und kontaktloses Überwachungssystem für Kliniken, Pflegeeinrichtungen und für Zuhause. Die integrierte Multispektralkamera erkennt relevante Vitaldaten sowie Verhaltensmuster wie Unruhe, Schmerz, Stress, Bettflucht oder Delir-Hinweise.

Im Mittelpunkt steht die Risikofrüherkennung: Verhält sich eine Patientin oder ein Patient auffällig? Verändert sich der Gesundheitszustand drastisch? Technische Entwicklungen wie die Carecam medical können auf akute Notfälle wie Brustschmerzen und drohende Herzinfarkte hinweisen. Sie zeigen auch an, wenn Medikamente nicht wie erhofft wirken. Dabei erfasst das System verschiedene Warnsignale – etwa wenn jemand friert und zittert, weil die Körpertemperatur sinkt, oder wenn Spätwirkungen einer Operation auftreten. Denn Eigenschaften wie Temperaturanstieg, blasse Haut oder apathisches Verhalten lassen sich nicht immer aus den Daten klassischer Messgeräte und Monitore ableiten. Bei der Carecam unterstützt allerdings künstliche Intelligenz bei der Auswertung von Sensordaten. Einzelne Messsignale zeigen charakteristische Muster auf, die extrahiert und miteinander kombiniert werden.

Auf diese Weise entlastet es Fachkräfte, erhöht die Patientensicherheit und ermöglicht ein frühes Eingreifen bei kritischen Situationen. Angesichts des Personalmangels schafft die Lösung mehr Überblick und verbessert die Pflegequalität: Routine-Messungen entfallen, die Reaktionsgeschwindigkeit steigt, und das Personal wird frühzeitig alarmiert. Es eröffnet Pflegefachkräften die Möglichkeit zu reagieren, wenn der Patient nicht in der Lage ist zu agieren – zum Beispiel, weil der Notruf nicht erreicht werden kann. Durch diese Form der Überwachung können Probleme erkannt werden, die zwischen den Kontrollzeitpunkten auftreten. Außerdem ist es möglich mit der CareCam zu kommunizieren – ähnlich wie mit Alexa oder Siri.

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