Interoperabilität entscheidet Wie Krankenhäuser 2026 ihre datengetriebene Zukunft sichern

Ein Gastbeitrag von Volker Hofmann 6 min Lesedauer

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In deutschen Krankenhäusern eröffnet sich 2026 eine einmalige Chance: Nach Jahren der digitalen Aufbauarbeit im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) stehen Kliniken an einem Punkt, an dem sie nicht nur einzelne Prozesse digitalisieren, sondern echte, vernetzte Datenlandschaften schaffen können.

Ganz im Sinne des European Health Data Space (EHDS) sollten Kliniken bereits jetzt ihre Daten sektorenübergreifend standardisieren und nutzbar machen.(Bild: ©  greenbutterfly - stock.adobe.com)
Ganz im Sinne des European Health Data Space (EHDS) sollten Kliniken bereits jetzt ihre Daten sektorenübergreifend standardisieren und nutzbar machen.
(Bild: © greenbutterfly - stock.adobe.com)

Noch nie zuvor hatte der deutsche Gesundheitsmarkt eine vergleichbare Ausgangssituation: Fördermittel, technische Standards, gesetzliche Vorgaben und politische Unterstützung treffen auf digitale Bausteine, mit denen sich eine digitalisierte Zukunft errichten lässt. Und zwar eine, die den Patienten ins Zentrum stellt und eine bestmögliche Versorgung gewährleistet.

Was nun aber ansteht, ist nichts weniger als der Schritt von den Bausteinen zum kompletten Haus, von isolierten digitalen Tools hin zu echter Interoperabilität und einem funktionierenden Gesamtsystem. Nur so lassen sich die Potenziale für Patientenversorgung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit realisieren. Klinikentscheider stehen damit vor der Aufgabe, bestehende Prozesse zu hinterfragen und neu zu denken.

Von der Förderung zur echten Datenlandschaft

Viele Krankenhäuser haben die Fördermittel aus dem KHZG genutzt, um zentrale digitale Bausteine einzuführen: Patientenportale, Telemedizin‑Anbindungen, digitale OP‑Planungs‑Tools oder modernisierte IT‑Sicherheit. Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Nach Erkenntnissen der Reifegradmessung DigitalRadar Krankenhaus ist der digitale Status deutscher Kliniken von durchschnittlich etwa 33,3 Punkten im Jahr 2021 auf über 42 Punkte im Jahr 2025 gestiegen. Das ist ein Zuwachs von mehr als 27 Prozent, der direkt auf die KHZG‑Förderung zurückgeführt werden kann.

Regionale Unterschiede sind dabei deutlich erkennbar: Kliniken in Berlin erreichten im Schnitt 48 Punkte, deutlich über dem Bundesdurchschnitt, während Häuser in anderen Bundesländern wie Rheinland‑Pfalz oder Schleswig‑Holstein noch deutlich aufholen müssen.

Trotz messbarer Fortschritte bestehen jedoch weiterhin historisch gewachsene Insellösungen. Sie müssen integriert werden, um eine durchgängige, interoperable Datenlandschaft zu realisieren. Laborwerte, Radiologiebilder, Medikationslisten und Pflegeinformationen liegen zwar digital vor, sind aber häufig nur innerhalb einzelner Abteilungen nutzbar. Eine sektorenübergreifende Verwendung für koordinierte Versorgung oder weiterführende Analysen ist in vielen Häusern noch nicht möglich.

KHTF startet für mehr Digitalisierung und wirtschaftliche Stabilität

Hierzulande trifft das große Ziel allerdings auf eine sehr angespannte finanzielle Lage. Laut dem Beratungsunternehmen Roland Berger drohte Ende 2024 fast einem Drittel der rund 1.700 Kliniken in Deutschland eine Insolvenz. Auch das aktuelle Krankenhaus‑Barometer 2025 zeigt: Fast zwei Drittel der deutschen Kliniken schrieben 2024 Verluste. Für 2025 erwarten 71 Prozent ein negatives Jahresergebnis. Nur ein kleiner Anteil bewertet seine wirtschaftliche Lage als gut, während eine große Mehrheit mangelnde Planungssicherheit beklagt.

Diese Diskrepanz zwischen digitalem Fortschritt und wirtschaftlicher Realität stellt Klinikentscheider vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt sie, wie sehr gezielte digitale Investitionen die Wirtschaftlichkeit und Versorgung verbessern könnten. 2026 wird dafür ein wichtiges Jahr. Erstmals werden Gelder aus dem Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) ausgeschüttet. Sie sollen einen entscheidenden Impuls für die Modernisierung deutscher Krankenhäuser geben. Über einen Zeitraum von zehn Jahren stehen dafür insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro bereit, um strukturelle Anpassungen und Investitionen in digitale Infrastruktur, Kooperationen und Spezialisierung zu unterstützen – finanziert zur Hälfte aus Mitteln des Bundes und voraussichtlich aus Beitragsmitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Die Mittel sind nötig, wie ein internationaler Vergleich der Hochschule Osnabrück zeigt. Ihm zufolge investieren deutsche Kliniken nur etwa drei Prozent ihres Gesamtbudgets in digitale Infrastruktur und IT-Betrieb. Dänische Häuser liegen bei rund 3,9 Prozent und niederländische Kliniken sogar bei etwa 5,2 Prozent. Auch die laufenden IT-Kosten und IT-Personalaufwendungen liegen in Deutschland deutlich unter dem internationalen Niveau. Diese Unterschiede verdeutlichen, warum deutschen Kliniken trotz Fortschritten durch KHZG‑Förderung weitere Investitionen nötig sind, um im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten. Kliniken, die jetzt ihre Digitalisierungsstrategie konsequent umsetzen und KHTF‑Mittel gezielt einsetzen, können ihre wirtschaftliche Position stärken, Versorgungsprozesse optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kliniken im internationalen Kontext sichern.

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