Interoperabilität entscheidet

Wie Krankenhäuser 2026 ihre datengetriebene Zukunft sichern

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Struktureller Wandel durch den European Health Data Space

Während KHZG und KHTF vor allem die nationale Infrastruktur stärken sollen, entsteht parallel auf europäischer Ebene ein noch umfassenderer Rahmen für den Umgang mit Gesundheitsdaten: der European Health Data Space (EHDS). Er fordert nicht nur die Digitalisierung von Daten, sondern ihre interoperable, standardisierte Nutzung. Informationen sollen nicht nur lokal, sondern zwischen Systemen, Kliniken und sogar Ländern austauschbar sein und für Analyse‑, Versorgungs‑ und Forschungszwecke genutzt werden können. Diese Anforderungen markieren einen strukturellen Wandel: Prozesse lassen sich nicht einfach von analog auf digital übertragen, sondern müssen in eine ganzheitliche, prozessorientierte Datenlandschaft integriert werden, die alle Akteure entlang der Versorgungskette einbezieht. Im Klinikalltag bedeutet das: Ärzte und Pflegekräfte können in Echtzeit auf alle relevanten Patientendaten zugreifen, unabhängig davon, wo sie ursprünglich erfasst wurden.

Zugleich birgt der EHDS auch ökonomisches Potenzial: Die EU-Kommission schätzt, dass durch eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten Einsparungen und wirtschaftlicher Nutzen in Milliardenhöhe entstehen könnten, darunter rund elf Milliarden Euro über zehn Jahre, insbesondere durch Effizienzgewinne, Datenzugriff und innovative datengetriebene Services. Für Kliniken bedeutet das, dass interoperable Systeme nicht nur medizinische Qualität und Versorgung verbessern, sondern auch erheblich zur Wirtschaftlichkeit beitragen können.

Anschauliche Praxisbeispiele aus dem internationalen Umfeld untermauern diese Perspektive: Bei Northwell Health, einem der größten US‑Gesundheitsdienstleister, werden Daten aus mehr als zwei Dutzend Akutkliniken und ambulanten Einrichtungen zentral zusammengeführt. Teams können sektorenübergreifend arbeiten, was die Koordination von Behandlungspfaden erheblich verbessert. Ähnlich arbeiten Netzwerke wie Healthix, die Daten aus verschiedenen Trägerschaften und Systemen verknüpfen, sodass Patienten auch bei Versorgungsübergängen digital begleitet werden.

Wie deutsche Kliniken international aufholen können

Vernetzte Systeme können redundante Arbeit reduzieren, Dokumentationsprozesse beschleunigen und Ressourcen effizienter nutzen, wodurch langfristig Betriebskosten gesenkt werden. Ein Beispiel dafür ist die Teleradiologie, bei der Bildgebungsdaten zentral verarbeitet und radiologische Befunde über mehrere Kliniken hinweg bereitgestellt werden. Kliniken müssen so keine eigene Radiologieeinheit betreiben, was Personal, Kosten und Infrastruktur entlastet. Gleichzeitig erhöht die verbesserte Datenintegration die Qualität und Sicherheit der Versorgung und spart indirekt Kosten durch Fehlerreduktion sowie optimierte Patientenpfade.

Klinikentscheider, die Interoperabilität vorantreiben, den Ressourceneinsatz optimieren und die Chancen des KHTF nutzen, können nun den Grundstein für eine nachhaltige, interoperable, wirtschaftlich stabile und datengestützte Klinikzukunft legen. So sichern sie nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kliniken im internationalen Vergleich.

Ausblick: Interoperabilität als Chance für die Zukunft

2026 markiert für deutsche Kliniken nicht nur das Jahr weiterer Fördermittel, sondern den Beginn einer Phase, in der Interoperabilität zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Der European Health Data Space (EHDS) macht deutlich, dass es künftig nicht mehr reicht, einzelne digitale Systeme isoliert zu betreiben. Kliniken müssen Daten sektorenübergreifend standardisieren und nutzbar machen, um Patienten besser zu versorgen, Prozesse effizienter zu gestalten und Innovationen für Forschung und Versorgungsanalyse zu ermöglichen.

Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Häuser diesen Schritt konsequent gehen. Kliniken, die strategisch in vernetzte Datenlandschaften investieren und gleichzeitig ihre wirtschaftliche Stabilität sichern, können nicht nur operative Effizienzgewinne realisieren, sondern auch neue Kooperations- und Geschäftsmodelle erschließen – von sektorenübergreifender Versorgung bis zu datengetriebenen Services.

afür braucht es mehr als einzelne Digitalprojekte. Entscheidend ist eine tragfähige, interoperable Struktur, die bestehende Systeme verbindet, Daten konsistent nutzbar macht und neue Anforderungen flexibel integriert. Ein digitales Rückgrat bildet eine solche Grundlage: Es bündelt Daten aus unterschiedlichen Systemen, standardisiert sie und macht sie konsistent nutzbar. Auf dieser Basis lassen sich sektorenübergreifende Patientensichten, Versorgungssteuerung, Telemedizin, Forschung oder KI-gestützte Analysen zuverlässig realisieren.

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Investitionen in eine solche skalierbare Infrastruktur schaffen nicht nur die Voraussetzungen für regulatorische Anforderungen, sondern auch für eine langfristig effiziente, innovationsfähige und datengetriebene Gesundheitsversorgung.

Der Autor
Volker Hofmann ist Healthcare Sales Director bei InterSystems.

Bildquelle: InterSystems

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