Digital Health Conference 2025

Wie digital wird unser Gesundheitssystem?

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KI versus Ethik

KI und Big Data waren erwartungsgemäß die mit am meisten diskutierten Punkte. Unter anderem wurden konkrete Anwendungen, wie etwa KI-Programme, die Röntgenbilder auswerten, Algorithmen zur Früherkennung von Krankheiten oder Systeme, die bei der Medikamentenentwicklung helfen, näher beleuchtet. Allerdings gab es auch hier diverse kritische Stimmen. Wer haftet, wenn ein Algorithmus falsch liegt? Wie transparent arbeiten diese Systeme? Und werden Patientendaten ausreichend geschützt? Die ethischen Fragen seien längst nicht geklärt und wenn man „typisch deutsch“ überreguliere, dann verpasse man das „window of opportunity“, betonte ein Panelist mit Nachdruck.

Auch die „ePA für alle“ polarisierte. Die elektronische Patientenakte soll eigentlich Informationen bündeln und den Austausch zwischen Ärzten erleichtern. Doch viele Bürgerinnen und Bürger seien misstrauisch. Wer hat Zugriff auf meine Daten? Wie sicher sind sie? Und was habe man selbst konkret davon? Die Referenten betonten vielfach, dass Vertrauen nicht per Gesetz verordnet werden könne. Es brauche nachvollziehbare Sicherheitskonzepte und spürbare Vorteile im Alltag. Ein Vorteil etwa sei, dass Befunde nicht mehr mehrfach gemacht werden müssen. Dies käme auch verhältnismäßig gut bei seinen Patientinnen und Patienten an, berichtete ein Arzt.

Der letzte große inhaltliche Punkt war „beyond the pill“. Also Medizin, die weniger auf konventionellen denn auf digitalen Therapiemethoden fußt. Apps gegen Depression, Wearables zur Überwachung chronischer Krankheiten oder personalisierte Behandlungspläne basierend auf genetischen Daten sind nur einige der – auf der DHC gezeigten – Beispiele. Manche dieser Anwendungen haben bereits die Marktreife erreicht, andere stecken noch in der Entwicklung. Die Diskussionen führten zur Erkenntnis, dass nicht jede App einen Arztbesuch ersetzten, und nicht jede technische Neuerung halten kann, was sie verspricht. Die Bewertung digitaler Gesundheitsanwendungen bleibe daher schwierig. Nichtsdestotrotz würden immer mehr Herstellerfirmen den aufwendigen Weg der DiGA-Zertifizierung anstreben. Nicht zuletzt deshalb, um die teils horrenden Entwicklungskosten abfangen zu können.

Abseits der Vorträge und Workshops waren auf der 2025er Ausgabe der Digital Health Conference auch diverse Ausstellerfirmen mit ihren Produkten vertreten. Besonders eindrücklich war eine Kabine, welche es Patientinnen und Patienten ermöglicht, grundlegende medizinische Parameter – unter Anleitung – erfassen zu lassen, um gegebenenfalls das Aufsuchen einer „richtigen“ Arztpraxis oder gar eines Krankenhauses zu vermeiden. Diese Art von medizinischem Check-Up wird unter anderem in Filialen der Supermarktkette Kaufland erprobt. Das Feedback sei divers, so eine Unternehmenssprecherin. Viele Patientinnen und Patienten hätten gewisse Vorbehalte, wenn sie medizinische Details „mit einem Computer“ besprechen würden. Sobald sich eine Ärztin oder ein Arzt aus der Ferne telemedizinisch „dazuschalte“ würden diese Ressentiments jedoch häufig schnell ausgeräumt werden.

Dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen „ankommt“, bezweifelt wohl niemand mehr. Wie schnell und in welcher Form, das bleibt weiterhin eine offene Frage. Die nächste Ausgabe der DHC ist für den 24. November 2026 geplant. Höchstwahrscheinlich werden einige Fragen dort geklärt werden.

Digital Health Conference 2025
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