Migräne-App von TK und Schmerzklinik Kiel Mit dem Schmerztagebuch in die Sprechstunde

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Nach einer Hochrechnung der TK führt Migräne in Deutschland jährlich zu rund vier Millionen Fehltagen. Eine Nutzerbefragung von TK und der Schmerzklinik Kiel zeigt, wie digitale Kopfschmerztagebücher Abhilfe schaffen können.

Schwankende Östrogenspiegel können mitverantwortlich für eine Migräneepisode sein. (Bild:  Gemini / KI-generiert)
Schwankende Östrogenspiegel können mitverantwortlich für eine Migräneepisode sein.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Seit zehn Jahren gibt es die Migräne-App von TK und Schmerzklinik Kiel. Zum Jubiläum haben die Herausgeber Anfang Oktober eine Nutzerbefragung veröffentlicht. Diese zeigt, dass für viele Betroffene die digitale Dokumentation fest zum Arztgespräch gehört und in Therapieentscheidungen einbezogen wird.

Volkskrankheit mit hohen Folgekosten

Wie verbreitet die Erkrankung ist, zeigen aktuelle ambulante Versorgungsdaten der TK. 2025 waren demnach 10,4 Prozent der weiblichen und 3 Prozent der männlichen TK-Versicherten wegen Migräne in ärztlicher Behandlung. Im TK-Gesundheitsreport steht Migräne auf Platz acht der Diagnosen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitsfällen. Auf 100 Versicherte kommen 3,17 AU-Fälle mit durchschnittlich 3,8 Fehltagen je Fall.

Insgesamt zählten die Techniker im vergangenen Jahr rund 662.000 Fehltage wegen Migräne. Nach Berechnungswerten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) entspricht das einem Ausfall an Bruttowertschöpfung von rund 171 Millionen Euro. Auf alle Erwerbsfähigen in Deutschland hochgerechnet wären das etwa eine Milliarde Euro pro Jahr.

App-Daten fließen in Therapieentscheidungen ein

Gemäß der Befragung dokumentieren beinahe alle Nutzerinnen und Nutzer (98 Prozent) ihre Kopfschmerztage digital. 89 Prozent erfassen ihre Akutmedikation, 87 Prozent nutzen die Verlaufsauswertungen der App. Knapp drei Viertel geben an, durch die App bewusster darauf zu achten, wie oft sie Medikamente einnehmen. Medizinisch ist das insbesondere deswegen relevant, weil ein zu häufiger Gebrauch von Schmerzmitteln selbst Kopfschmerzen auslösen kann. 63 Prozent fühlen sich mit der App besser auf Arztgespräche vorbereitet.

Für die Versorgung seien vor allem zwei Werte von Bedeutung, so die TK. 55 Prozent der Befragten zeigten die App-Daten regelmäßig beim Arzttermin vor; weitere 29 Prozent würden dies gelegentlich tun. 59 Prozent berichteten, dass die App schon einmal dazu beigetragen habe, eine Behandlung ärztlich zu besprechen, anzupassen oder sogar neu zu beginnen. Prof. Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel betont, wer seinen individuellen Verlauf kenne und diesen dokumentiere, könne Veränderungen besser einordnen und die Behandlung gezielter mit der Ärztin oder dem Arzt abstimmen.

Neue KI-Funktion beantwortet Fragen

Die App ging im Herbst 2016 an den Start und wurde seitdem mehr als 1,2 Millionen Mal heruntergeladen. Sie ist kostenlos, ohne Rezept und unabhängig von der Krankenkasse nutzbar. Inzwischen enthält sie auch eine Aura-Simulation und physiotherapeutische Übungen für die Halswirbelsäule. Neu ist eine KI-gestützte Fragefunktion, deren Ausgaben auf Leitlinien, Fachinformationen sowie Lehrbüchern beruhen.

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