Bilanz und Ausblick Ein Jahr Nina Warken

Von Stephan Augsten 4 min Lesedauer

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Vor einem Jahr haben wir Expertinnen und Experten aus der Healthcare-Branche gefragt, was sie von der neuen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erwarten. Ein Jahr später, fragen wir: Was ist eingetreten, inwiefern wurde geliefert – und wo bleibt eine Lücke?

Seit nunmehr einem Jahr bekleidet Nina Warken das Amt der Bundesgesundheitsministerin – hat sie die Erwartungen der Wirtschaft erfüllt?(Bild:  BMG/Jan Pauls)
Seit nunmehr einem Jahr bekleidet Nina Warken das Amt der Bundesgesundheitsministerin – hat sie die Erwartungen der Wirtschaft erfüllt?
(Bild: BMG/Jan Pauls)

Nikolay Kolev ist Geschäftsführer bei Doctolib Deutschland.(Bild:  Doctolib GmbH)
Nikolay Kolev ist Geschäftsführer bei Doctolib Deutschland.
(Bild: Doctolib GmbH)

Nikolay Kolev, Geschäftsführer Doctolib Deutschland: „Prävention gelingt dann, wenn der Weg zur Vorsorge so einfach ist wie ein Klick. Das ist keine Vision, sondern Realität: Mehr als 25 Millionen Patientinnen und Patienten in Deutschland nutzen Doctolib, um schneller und einfacher zur Versorgung zu gelangen.

Mit digitalen Gesundheitserinnerungen setzen wir das Vorhaben, Prävention zu stärken, direkt um: Patientinnen und Patienten lassen sich an individuelle Vorsorgeuntersuchungen erinnern und buchen direkt. So entsteht Gesundheitskompetenz – vor allem, wenn sie es leicht haben, selbst aktiv zu werden.“

Kerstin Wagner, Co-CEO & COO bei United Robotics Group.(Bild:  United Robotics Group)
Kerstin Wagner, Co-CEO & COO bei United Robotics Group.
(Bild: United Robotics Group)

Kerstin Wagner, Co-CEO & COO, United Robotics Group (Holding): „Positiv ist, dass Themen wie Digitalisierung, KI und Dateninfrastruktur im Gesundheitswesen unter Nina Warken deutlich stärker politisch priorisiert werden. Dadurch entstehen erstmals die Voraussetzungen, neue Technologien schneller in die Versorgung zu integrieren. Gleichzeitig hat Robotik im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie reale Probleme im Gesundheitswesen lösen kann, durch messbare Entlastung bei Personalengpässen, effizientere Prozesse und zunehmende Integration in den klinischen Alltag.

Jetzt braucht es den nächsten Schritt: strategisch geführte Technologiepartnerschaften zwischen Gesundheitswesen, Industrie und Politik, damit Deutschland bei KI und Robotik im Gesundheitswesen international wettbewerbsfähig bleibt.“

Jörg Weise ist Geschäftsführer bei Medgate.(Bild:  Jörg Weise)
Jörg Weise ist Geschäftsführer bei Medgate.
(Bild: Jörg Weise)

Jörg Weise, Geschäftsführer Medgate GmbH: „Wer sparen will, muss steuern – das ist die Lektion, die das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bisher nicht gelernt hat. Die Kopplung der Gesamtvergütung an die Grundlohnsumme ist die Budgetierung der 90er Jahre in neuem Gewand: Ärzte erbringen mehr Leistung für gleiches Geld, niemand im System wird belohnt, wenn er richtig steuert. Dabei liegt der wirksamste Hebel am Eingang des Systems. Wer dort qualifiziert behandelt statt nur weiterleitet, vermeidet Doppeluntersuchungen, entlastet Praxen und Notaufnahmen und stärkt die Gesundheitskompetenz der Menschen.

Die Schweiz zeigt seit über 25 Jahren, dass das funktioniert: Telemedizin schließt dort rund die Hälfte der Fälle ab. Nina Warken hat mit dem GeDIG gezeigt, dass sie die Richtung kennt. Jetzt braucht es den Mut, die Steuerungslogik auch ins Finanzierungsgesetz zu übersetzen.“

Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer bei The Medical Network.(Bild:  The Medical Network GmbH)
Oliver Struckmeier ist Geschäftsführer bei The Medical Network.
(Bild: The Medical Network GmbH)

Oliver Struckmeier, Geschäftsführer The Medical Network: „Nina Warken hat mit den Entwürfen zum GeDIG und dem Beitragsstabilisierungsgesetz gezeigt, dass sie die strukturellen Baustellen kennt. Aber Gesetze allein verändern keine Versorgung. Entscheidend ist, was davon im Behandlungszimmer, am Empfangstresen oder auf dem Smartphone einer 74-Jährigen ankommt. Und da sehe ich nach einem Jahr zu wenig.

Der nächste Schritt darf deshalb kein weiteres Gesetz sein. Er muss mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme beginnen: Warum schöpfen wir die Vorteile der Digitalisierung nicht voll aus – wie es andere europäische Länder tun? Uns fehlt es nicht an Technik, sondern an wirksamen Anreizen sowie niedrigschwelliger Umsetzung.”

Christoph Neumeier, Managing Director der CKM Group(Bild: ©  CKM Group)
Christoph Neumeier, Managing Director der CKM Group
(Bild: © CKM Group)

Christoph Neumeier, CEO und Gründer CKM Group: „Ein Jahr Warken, null Innovation. Die Gesetzgebungsmaschine im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat an Zugkraft verloren. Aus diesem Haus kam in den letzten zwölf Monaten vor allem eines: Kürzen. Wir sparen ein System kaputt, das schon vorher zu den teuersten und gleichzeitig ineffizientesten in Europa gehörte.

Wer das als Haushaltsdisziplin bezeichnet, verschiebt die Probleme nur nach hinten, anstatt die strukturellen Probleme endlich anzupacken.Jeder Euro, der in Prävention, Gesundheitskompetenz und digitale Versorgungsprozesse investiert wird, spart dem System ein Vielfaches. Im Sparpaket tauchen diese Posten trotzdem nicht als Investitionen auf, sondern als Streichposten. Der Engpass sitzt nicht im Wartezimmer, sondern in einem Ministerium, das Stillstand mit Sorgfalt verwechselt.“

Peter Blassnigg, Geschäftsführer Aterima Care(Bild:  Aterima Care)
Peter Blassnigg, Geschäftsführer Aterima Care
(Bild: Aterima Care)

Peter Blassnigg, Geschäftsführer Aterima Care: „Ich nehme Nina Warken als eine Gesundheitsministerin wahr, die notwendige Themen anpackt und mehrere längst überfällige Maßnahmen auf den Weg gebracht hat – das verdient Anerkennung. Bislang nimmt sie aber eher kurzfristig Druck aus dem System, statt strukturelle Probleme der Pflege anzugehen; statt eines Systemumbaus sehe ich vor allem kosmetische Korrekturen, ausgebremst durch Koalitionskompromisse, die fachlich zu kurz greifen.

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Ich begrüße Reformen, die Pflege entbürokratisieren, Angehörige entlasten und digitale Innovationen stärken, sehe aber reine Sparmaßnahmen kritisch, wenn sie Pflegebedürftige zusätzlich belasten. Eine zukunftsfähige Pflegepolitik muss finanzielle Stabilität mit gutem Zugang zu Leistungen und verlässlicher Beratung verbinden. Dafür braucht es jetzt mutige, langfristige Entscheidungen statt weiterer Übergangslösungen.“

Christine Oltmann, GKV & Public Health bei der ]init[ AG(Bild:  ]init[ AG)
Christine Oltmann, GKV & Public Health bei der ]init[ AG
(Bild: ]init[ AG)

Christine Oltmann, GKV & Public Health bei der ]init[ AG: „Nach einem Jahr Nina Warken ist klar: Die richtigen Themen liegen auf dem Tisch. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz adressiert die Finanzierungsfrage. Das GeDIG setzt Impulse bei Daten und digitaler Steuerung. Aber Gesetze allein stabilisieren noch kein System. Entscheidend ist, ob daraus für Versicherte eine einfachere, schnellere und besser koordinierte Versorgung wird.

Der Erfolg misst sich daran, wenn aus Regulierung konkrete digital unterstützte Versorgungspfade werden: nutzerzentriert, datenbasiert und end-to-end gedacht – von Prävention über Orientierung bis zur Nachsorge. Wer das Gesundheitssystem wirklich entlasten will, muss Finanzierung, Steuerung und Digitalisierung konsequent zusammendenken.“

Dr. Wafa Enayati, Geschäftsführer FomF GmbH(Bild:  FomF)
Dr. Wafa Enayati, Geschäftsführer FomF GmbH
(Bild: FomF)

Dr. Wafa Enayati, Geschäftsführer Forum für medizinische Fortbildung – FomF GmbH: „Wir begrüßen die Chancen der Digitalisierung und des verantwortungsvollen Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Damit diese Innovationen Patientinnen und Patienten tatsächlich zugutekommen, brauchen Ärztinnen und Ärzte in Praxis und Krankenhaus Raum für Fortbildung, KI-Kompetenz und aktive Mitgestaltung der neuen Abläufe.

Digitale Transformation ist eine gemeinsame Wachstumsaufgabe. Sie gelingt dort am besten, wo technische Innovation, ärztliche Erfahrung und organisatorische Realität zusammengeführt werden.“

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