Deutsche Gesellschaft für Chirurgie zum Welt-Sepsis-Tag KI zur Sepsis-Früherkennung nutzen

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Die DGCH plädiert für den Einsatz von KI, um Sepsen schneller zu erkennen und Todesfälle zu vermeiden. Erste Anwendungen würden bereits erfolgreich erprobt.

Als besonders wertvoll dürften sich aus Sicht der DGCH langfristig Systeme erweisen, die auf vorliegende elektronische Daten zugreifen, permanent im Hintergrund laufen und Alarm schlagen. (Bild: ©  forenna - stock.adobe.com / KI-generiert)
Als besonders wertvoll dürften sich aus Sicht der DGCH langfristig Systeme erweisen, die auf vorliegende elektronische Daten zugreifen, permanent im Hintergrund laufen und Alarm schlagen.
(Bild: © forenna - stock.adobe.com / KI-generiert)

Sepsis gehört zu den häufigsten Notfällen und Todesursachen. In Deutschland hängt fast jeder fünfte Todesfall mit einer Sepsis zusammen, wie die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V. (DGCH) unter Berufung auf eine aktuelle Auswertung festhält. In anderen Ländern wie Norwegen, der Schweiz oder Dänemark hätten Betroffene deutlich bessere Chancen, eine Sepsis zu überleben.

Bei Sepsis, landläufig auch Blutvergiftung genannt, denken viele zunächst an verunreinigte äußere Wunden, doch spielen diese nicht die Hauptrolle. Weit häufiger seien Blutvergiftungen, „die sich aus inneren Erkrankungen wie einer Lungenentzündung oder einem einfachen Harnwegsinfekt entwickeln“, erklärt DGCH-Präsident Professor Dr. med. Jens Werner.

Erste Anzeichen wie Fieber, Schüttelfrost und starke Abgeschlagenheit sind noch unspezifisch. „Symptome wie Benommenheit, Verwirrung, Herzrasen und Atemnot sollten aber definitiv als Warnsignale ernst genommen werden“, so der DGCH-Präsident. Eine Sepsis sei immer ein Notfall. Die schnelle Behandlung ist entscheidend, um das Leben der Patienten zu retten und bleibende Schäden abzuwenden, doch oft wird die Gefahr zu spät erkannt. Und zwar nicht nur durch Laien; auch in den Krankenhäusern funktioniert die Sepsis-Früherkennung nicht zuverlässig. Dieses Manko sei lange bekannt, eine Trendwende bislang jedoch ausgeblieben, so Werner.

KI-Tools werden bereits erprobt

Das könnte sich nun ändern – durch den Einsatz von KI. Die DGCH verweist hier auf KI-Tools zum Aufspüren typischer Muster in Patientendaten wie Körpertemperatur, Blutwerten oder Vitalparametern, die etwa in mehreren Krankenhäusern der USA oder in Wien bereits erprobt würden, aber auch auf Lösungen in Deutschland:

  • wie das AMPEL-Projekt am Universitätsklinikum Leipzig, bei dem KI das Sepsis-Risiko anhand des kleinen Blutbildes berechne und in 80 bis 84 Prozent der Fälle richtig liege, oder
  • den Ansatz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg, bei dem eine Spezialkamera das Abstrahlungsspektrum der Haut auch jenseits des sichtbaren Lichtes erfasst. So lässt sich die Durchblutung der kleinsten Blutgefäße in der Haut, die sich bereits in einem sehr frühen Sepsis-Stadium verändert, sichtbar machen. Die entsprechend trainierte KI konnte anhand dieser Daten 80 Prozent der Sepsis-Fälle erkennen. Wurden weitere klinische Daten einbezogen, stieg der Wert auf 94 Prozent.

Als besonders wertvoll werden Systeme eingeschätzt, die auf vorliegende elektronische Daten zugreifen, permanent im Hintergrund laufen und Alarm schlagen: „Damit wird das Problem umgangen, dass eine Sepsis viel zu selten überhaupt in Betracht gezogen wird“, verdeutlicht DGCH-Präsident Werner. Die durch den KI-Einsatz gewonnene Zeit kann für die schnellere Diagnostik genutzt werden: „Bei einer Sepsis ohne Schock sollen unter anderem rasch angesetzte Blutkulturen oder entsprechende Bildgebung eine gezieltere Therapie ermöglichen und unnötige Antibiotikagaben vermeiden helfen.“

Eine Sepsis kann sich aus nahezu jeder Infektion entwickeln, ausgelöst durch Bakterien, aber auch durch Viren, Pilze oder Parasiten. Infolge einer überschießenden Reaktion des Immunsystems kann es zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch und Multiorganversagen kommen. Rund 75 Prozent der Überlebenden einer Sepsis leiden unter teils schweren Langzeitfolgen.

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