Patientendaten Mobile Systeme für Rettungsdienste absichern

Ein Gastbeitrag von Michael Fertig 5 min Lesedauer

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Technische Resilienz und Datensicherheit sind im Gesundheitswesen besonders wichtig. Auch im Rettungsdienst, der zunehmend Vitaldaten zum Telenotarztdienst überträgt.

Austauschbare Akkus sorgen dafür, dass mobile Endgeräte im Rettungseinsatz auch bei langen oder kritischen Einsätzen zuverlässig einsatzbereit bleiben.(Bild:  Zebra Technologies)
Austauschbare Akkus sorgen dafür, dass mobile Endgeräte im Rettungseinsatz auch bei langen oder kritischen Einsätzen zuverlässig einsatzbereit bleiben.
(Bild: Zebra Technologies)

Rettungsdienste und Behörden mit Sicherheitsaufgaben in Deutschland durchlaufen derzeit einen grundlegenden digitalen Wandel. Damit entstehen neue Standards für die medizinische Versorgung direkt am Einsatzort. Initiativen wie das bayerische Telenotarzt-System ermöglichen es Rettungskräften inzwischen, Vitaldaten von Patienten live zu übertragen und unmittelbar die Freigabe für die Verabreichung von Medikamenten einzuholen.

Um diese datenintensiven Abläufe zu unterstützen, stellt die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) die Kommunikation der Einsatzkräfte schrittweise vom bisherigen schmalbandigen TETRA-Netz auf ein 5G-basiertes MVNO-Modell (Mobile Virtual Network Operator) um. Damit sollen Rettungs- und Einsatzkräfte priorisierten Zugang zu breitbandiger Mobilfunkkommunikation erhalten.

Um dieses zunehmend vernetzte Ökosystem zu schützen, sollten IT-Verantwortliche im Bereich der öffentlichen Sicherheit auf ein Konzept setzen, bei dem Resilienz von Anfang an mitgedacht wird und Sicherheit ein grundlegender Bestandteil ist. Dafür braucht es einen Perspektivwechsel: Statt Risiken lediglich zu managen, gilt es, echte operative Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Das Ziel ist eine technologische Umgebung, in der die digitalen Werkzeuge der Rettungskräfte auch unter extremem Druck sicher, einsatzfähig und zuverlässig bleiben. So können sich die Einsatzkräfte auf die Technik verlassen, von der ihre Arbeit abhängt.

Wenn viel auf dem Spiel steht und neue Schwachstellen entstehen

Der Arbeitsalltag moderner Rettungskräfte verlangt nach einer entsprechend robusten Infrastruktur. Im Einsatz nutzen hochqualifizierte Notfallsanitäter integrierte digitale Plattformen, um hochauflösende Videokonsultationen mit Ärzten aus der Ferne einzuleiten. Dabei werden Echtzeitdaten, darunter mehrkanalige EKGs, direkt von der Diagnosetechnik im Rettungswagen an eine entfernte medizinische Einrichtung übertragen.

Gibt ein Arzt eine medizinische Maßnahme frei, müssen die entsprechenden Anweisungen unverzüglich auf dem Tablet des Notfallsanitäters erscheinen. Jede Verzögerung, jede Verbindungsunterbrechung und jeder Geräteausfall innerhalb dieser Kette kann sich unmittelbar auf die Versorgung des Patienten auswirken.

Der Wechsel zu breitbandiger 5G-Konnektivität ermöglicht zwar solche anspruchsvollen digitalen Abläufe im Einsatz, bringt jedoch zugleich neue und komplexe Schwachstellen mit sich. Mit der Abkehr von einem vollständig geschlossenen, dedizierten Funknetz verlagert sich die Sicherheitsgrenze unmittelbar auf die mobilen Geräte der Einsatzkräfte. Diese Tablets und robusten mobilen Handheld-Geräte übertragen hochsensible Einsatzdaten und werden damit zu einem vorrangigen Angriffsziel.

Resilienz beginnt beim Chip

Eine Strategie, bei der Resilienz von Anfang an mitgedacht wird, setzt auf ein vertrauenswürdiges technologisches Ökosystem, das drei zentrale operative Anforderungen erfüllt:

Sicherheit auf Hardwareebene: Die Sicherheitsstrategie muss bereits in der Gerätearchitektur ansetzen. Dazu gehört ein physisch isoliertes, manipulationsgeschütztes Secure Element. Dieser separate digitale Tresor für kryptografische Schlüssel bietet einen höheren Schutz vor physischen Angriffen und Softwareattacken als Lösungen, bei denen lediglich ein Bereich des Hauptprozessors entsprechend abgeschottet wird.

Schnelle Authentifizierung: Im hohen Zeitdruck eines Notfalleinsatzes dürfen Sicherheitsmechanismen kein Hindernis sein, sie müssen die Arbeit unterstützen. Rettungskräfte teilen sich mobile Geräte häufig über verschiedene Schichten hinweg. Der sichere Zugriff muss deshalb sowohl schnell als auch personenbezogen möglich sein. Durch moderne biometrische Authentifizierungsverfahren wie eine sichere Gesichtserkennung können Notfallsanitäter ihre Tablets innerhalb von Sekundenbruchteilen entsperren. Ein solcher reibungsloser Zugriff schützt sensible Einsatzdaten, ohne dass sich Rettungskräfte komplexe Passwörter merken oder mit Handschuhen Eingaben auf einem Bildschirm vornehmen müssen. Gerade in kritischen Situationen lässt sich damit die mentale Belastung reduzieren.

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Kompromisslose Zuverlässigkeit: Notfallsanitäter benötigen Geräte, die hochauflösende Videoübertragungen und EKG-Telemetrie in Echtzeit gleichzeitig und ohne Verzögerungen verarbeiten können. Zugleich müssen die Geräte Stürze auf Beton, starken Regen und intensive Reinigungschemikalien verkraften. Ebenso entscheidend ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, beispielsweise durch im laufenden Betrieb austauschbare Akkus. So lässt sich verhindern, dass sich ein Tablet während einer kritischen Patientenkonsultation abschaltet. Auf Softwareseite ist wiederum eine nahtlose Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Diagnosegeräten, Kommunikationsplattformen und Anwendungen erforderlich. Nur so erhält der zugeschaltete Arzt jederzeit ein vollständiges und lückenloses Bild der Einsatzsituation.

Proaktives Management für langfristige Zuverlässigkeit

Echte Resilienz bedeutet auch, vorausschauend dafür zu sorgen, dass ganze Geräteflotten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sicher und funktionsfähig bleiben. Organisationen der öffentlichen Sicherheit sollten deshalb auf ein proaktives Lifecycle-Management und prädiktive Analysen setzen. Werden Zustandsdaten der Geräte kontinuierlich im Hintergrund überwacht, können IT-Teams beispielsweise einen nachlassenden Akku erkennen und austauschen, lange bevor er während eines Notfalleinsatzes ausfällt. Ebenso lassen sich kritische Sicherheitsupdates nahtlos per Funk einspielen, ohne laufende Einsätze zu beeinträchtigen.

Jedem Einsatzmittel eine digitale Identität geben

Resilienz beschränkt sich nicht auf digitale Daten, sondern umfasst auch die physischen Einsatzmittel des Rettungsdienstes. Wird ein Defibrillator, ein spezielles Medikamentenset oder ein robustes Tablet verlegt, kann dies die Patientensicherheit gefährden und zugleich erhebliche operative Belastungen verursachen. Jede Minute, die Einsatzkräfte mit der Suche nach fehlender Ausrüstung verbringen, fehlt ihnen für ihre eigentlichen Aufgaben.

Mit RFID-Technologie (Radio Frequency Identification) lassen sich diese physischen Einsatzmittel mit einer eindeutigen digitalen Identität versehen und tägliche Fahrzeugkontrollen automatisieren. Durch diese vergleichsweise einfache Veränderung können Besatzungen innerhalb von Sekunden statt Minuten überprüfen, ob ein Rettungswagen vollständig ausgestattet und die kritischen Geräte geladen sind. So bleibt mehr wertvolle Zeit für die Versorgung der Menschen vor Ort.

Im Einsatz können zudem Geofencing und automatische Warnmeldungen das mobile Gerät eines Notfallsanitäters darauf hinweisen, wenn ein gekennzeichnetes Ausrüstungsteil versehentlich am Einsatzort zurückbleibt. Damit lässt sich sicherstellen, dass wichtige Geräte wieder mitgenommen werden und für den nächsten Einsatz bereitstehen.

Ein ganzheitlicher Ansatz für den Rettungseinsatz

Die Modernisierung des Rettungswesens erfordert einen ganzheitlichen und zugleich zukunftsgerichteten Blick auf die zugrunde liegende Infrastruktur. Durch die Kombination sicherer Breitbandnetze, speziell für den Einsatz entwickelter mobiler Geräte und intelligenter Systeme zur Nachverfolgung von Einsatzmitteln können Organisationen der öffentlichen Sicherheit robuste Strukturen von Grund auf schaffen. Eine solche strukturelle Resilienz sorgt dafür, dass Technologie als sicherer und verlässlicher Partner funktioniert – und ermöglicht es Notfallsanitätern, sich vollständig auf ihre entscheidenden Aufgaben im Einsatz zu konzentrieren.

Der Autor
Michael Fertig, Senior Manager, Public Safety, Zebra Technologies

Bildquelle: Zebra Technologies

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