Kompetenzmanagement Charité pilotiert norwegische Lösung

Von Johannes Kapfer 2 min Lesedauer

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Mit jedem Renteneintritt verlässt hochspezialisiertes Wissen eine Klinik. Ersetzbar ist das nur, wenn früh klar ist, was zukünftig überhaupt fehlen wird. Die Charité startet deshalb eine Innovationspartnerschaft mit dem norwegischen Anbieter Dossier. Die Plattform soll Qualifikationen sichtbar machen und den sogenannten Brain-Drain stoppen.

Klinikabläufe und medizinische Fachkentnisse beherrschen altgediente Ärztinnen und Ärzte aus dem Stegreif. Oftmals ist dieses Wissen jedoch nirgends niedergeschrieben. Ein Pilot der Berliner Charité soll Abhilfe schaffen.(Bild:  Midjourney / KI-generiert)
Klinikabläufe und medizinische Fachkentnisse beherrschen altgediente Ärztinnen und Ärzte aus dem Stegreif. Oftmals ist dieses Wissen jedoch nirgends niedergeschrieben. Ein Pilot der Berliner Charité soll Abhilfe schaffen.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin erprobt seit September 2026 die Plattform Dossier des gleichnamigen norwegischen Anbieters für digitales Kompetenzmanagement. Die Innovationspartnerschaft umfasst fünf Anwendungsfelder und mehrere tausend Beschäftigte. Ziel sei es, Qualifikationen, Pflichtfortbildungen und Entwicklungswege zentral abzubilden, so Verantwortliche der Charité.

Qualifikationsdaten sind verstreut

In großen Kliniken wie der Charité verteilen sich Informationen zu Qualifikationen bislang über HR-Systeme, diverse Lernplattformen und Abteilungslisten. Wer den Überblick braucht, muss zusammensuchen und arbeitet häufig mit veralteten Datenbeständen und analogen Fortbildungsnachweisen .

An eben dieser Stelle setzt Dossier an. Führungskräfte sollen fortan einsehen können, welche Qualifikationen im Team vorliegen und an welcher Stelle Pflichtfortbildungen, Zusatzqualifikationen oder schlicht formale Freigaben fehlen. Beschäftigte wiederum können einzusehen, welche der benötigten Anforderungen sie bereits erfüllen. Laut Anbieter unterstützt die Plattform außerdem die Dokumentation für Audits sowie die Suche nach spezifischen Qualifikationen in Krisenlagen.

Die Charité setzt die Plattform in mehreren Organisationseinheiten ein. Primär geht es um Kompetenzmanagement und Qualifikationsnachweise in der Pflege, Nachfolgeplanung im ärztlichen Dienst und erweiterte Pflegepraxis samt Delegation ärztlicher Tätigkeiten. Aber auch die arbeitsmedizinische Vorsorge mit den zugehörigen Fristen sowie Kompetenzen für Krisen- und Katastrophenvorsorge sind Teil der Erprobung.

Ein Schwerpunkt des Piloten liegt am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) verortet. Hier steht insbesondere die Nachfolgeplanung im Fokus. Mit dem Ausscheiden erfahrener Ärztinnen und Ärzte droht Expertenwissen nachhaltig verloren zu gehen.

„Hochspezialisierte Medizin hängt in erheblichem Maß vom Wissen und Können unserer Mitarbeitenden ab“, sagt DHZC-Direktor Professor Volkmar Falk. Angesichts des demografischen Wandels müsse man früh erkennen, „wo wertvolle Erfahrung verloren zu gehen droht“. Im Piloten werde nun geprüft, ob Dossier mehr Transparenz über Qualifikationen schaffen und den Wissenstransfer langfristig sichern könne.

Vorprojekte in Bonn und Göttingen

Dossier hat die Plattform zwischen 2023 und 2025 gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) an deutsche Anforderungen angepasst – mit dem Schwerpunkt des Kompetenzmanagements in der Pflege. Das Unternehmen mit Sitz in Oslo ist seit über 15 Jahren in Skandinavien aktiv; die Daten liegen nach Anbieterangaben in einer europäischen Cloud-Umgebung.

„Bei der Innovationspartnerschaft mit der Charité geht es nicht nur um Technologie“, sagt Even Harket, COO EU/APAC bei Dossier. Es gehe weiterhin um Effizienzgewinne durch standardisierte Inhalte sowie um eine Kultur des Teilens rund um Kompetenzen.

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