25. AOK-Forum in Nürnberg Digitale Prävention: „Vom Wissen ins Tun“

Von Stephan Augsten 3 min Lesedauer

Digitale Präventionsangebote sollen die persönliche Betreuung ergänzen, nicht ersetzen. Beim 25. AOK-Forum in Nürnberg diskutierten Politik, Wissenschaft und Praxis, was nötig ist, damit Apps und Online-Kurse einen messbaren Nutzen bringen.

Gesprächsrunde mit Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Dr. Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern und Prof. Dr. David Daniel Ebert, Professor für Psychologie & Digital Mental Health Care, TU München, über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Prävention.(Bild:  © AOK Bayern / Ruth Adamski)
Gesprächsrunde mit Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Dr. Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern und Prof. Dr. David Daniel Ebert, Professor für Psychologie & Digital Mental Health Care, TU München, über die Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Prävention.
(Bild: © AOK Bayern / Ruth Adamski)

Unter dem Titel „Vom Wissen ins Tun – Digitale Prävention für mehr gesunde Lebensjahre“ kamen am 30. Oktober 2026 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis zum 25. AOK-Forum in Nürnberg zusammen. Rund 80 Gäste waren vor Ort, weitere 190 verfolgten den Livestream.

Weitgehende Einigkeit bestand darin, dass digitale Anwendungen persönliche Angebote sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen sollen, wie der Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Bayern Frank Firsching betonte: „Entscheidend ist, das Beste aus digitaler Innovation und persönlicher Unterstützung zu verbinden – damit wir vom Wissen ins Tun kommen.“

Wie weit dieser Ansatz im Portfolio der Krankenkasse reicht, zeigen zwei Kennzahlen. In der Betrieblichen Gesundheitsförderung lassen sich bereits 82 Prozent der Angebote digital oder hybrid umsetzen. In der Individualprävention verzeichnete die Kasse 2025 rund 85.000 Kursbuchungen, knapp 10.000 davon für Online- und Digitalkurse. Mit ihren Präventionsangeboten hat die AOK Bayern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 1,35 Millionen Menschen erreicht, nahezu doppelt so viele wie 2021. Von den 41,8 Millionen Euro, die sie in Prävention investierte, flossen gut drei Prozent bzw. rund 1,39 Millionen Euro in digitale Angebote. Für das laufende Jahr plant die Kasse mit mehr als zwei Millionen Euro an Investitionen für die Weiterentwicklung digitaler Lösungen.

Reichweite und Einbettung als Erfolgsfaktoren

Prof. Dr. David Daniel Ebert von der Technischen Universität München stellte digitale Angebote für die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt seiner Keynote. Für den Erfolg sei entscheidend, „Menschen frühzeitig zu erreichen, sie zur Nutzung zu motivieren und die Angebote sinnvoll in bestehende Versorgungsstrukturen einzubetten“.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach verwies auf den Nutzen von Gesundheitsdaten. Würden diese und digitale Anwendungen „intelligent mit unserem Gesundheitssystem“ verknüpft, könne man Menschen gezielter motivieren, Präventionsangebote passgenauer gestalten und gesundheitliche Risiken früher erkennen. „Entscheidend ist, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern den Menschen einen konkreten Nutzen für ihre Gesundheit bringt“, so Gerlach.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Gerlach, Ebert und Dr. Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, wurde deutlich: Digitale Angebote wirken besonders gut, wenn sie niedrigschwellig und alltagsnah sind und eng an bestehende Strukturen anknüpfen. Genau hier liege die Stärke der AOK Bayern, betonte Stippler, nämlich „in der Verbindung digitaler Möglichkeiten mit persönlicher Unterstützung sowie ihren etablierten Strukturen in Betrieben, Kitas, Schulen und Kommunen“.

Praxisbeispiele prononcieren Potential

Verschiedene Praxisbeispiele sollten deutlich machen, wie digitale Prävention bereits heute umgesetzt wird. Derer drei wuden dabei besonders hervorgehoben:

  • clever.gesund: Das Programm von Helmholtz Munich, gefördert von der AOK Bayern, stärkt die Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen. Seit 2024 haben nach Angaben der Veranstalter mehr als 50 Schulen teilgenommen.
  • Lumi: Ein digitaler Präventionsassistent, der Empfehlungen zu Bewegung, Ernährung, Schlaf und Stressbewältigung gibt. KI-gestützte Funktionen sollen künftig eine stärker personalisierte Begleitung ermöglichen.
  • FEMNA Care: Das Angebot begleitet Versicherte bei Fragen zur Frauengesundheit.

Nutzen vor Reichweite

Ein Konsens der Teilnehmenden bestand darin, dass Prävention angesichts des demografischen Wandels und steigender Anforderungen an das Gesundheitssystem weiter an Bedeutung gewinnen werde. Für eine erfolgreiche Präventionsarbeit sei das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Gesundheitsversorgung und Krankenkassen erforderlich, wobei der konkrete Nutzen für die Menschen im Vordergrund stehe, wie Stippler noch einmal deutlich hervorhob: „Digitale Prävention entfaltet ihren größten Nutzen, wenn sie Menschen im Alltag konkret und niedrigschwellig unterstützt und sie vom Wissen ins Tun bringt. Entscheidend sind dabei nicht Klickzahlen oder Reichweiten, sondern die Frage, ob es gelingt, die Menschen nachhaltig zu gesundheitsförderndem Verhalten zu motivieren und so mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen.“

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