Sicherheitsarchitektur im Gesundheitswesen Identitätsmanagement als zentraler Schutzfaktor

Ein Gastkommentar von Anja Tonert 2 min Lesedauer

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Die Digitalisierung klinischer Prozesse erfordert eine Anpassung bewährter IT-Sicherheitskonzepte. Im Fokus stehen dabei die Absicherung digitaler Identitäten sowie die Integration autonomer Systeme.

Soll der Einsatz agentischer KI unter kontrollierten und sicheren Bedingungen geschehen, gelingt dies nur mit einer sauberen AI Governance und digitalen Identitäten.(Bild: ©  Okta, Inc)
Soll der Einsatz agentischer KI unter kontrollierten und sicheren Bedingungen geschehen, gelingt dies nur mit einer sauberen AI Governance und digitalen Identitäten.
(Bild: © Okta, Inc)

Mit der Vernetzung durch die Telematikinfrastruktur, elektronische Patientenakten (ePA) und KIS-Systeme steht das Gesundheitswesen vor einer tiefgreifenden Modernisierung. Diese digitale Transformation optimiert Abläufe spürbar, vergrößert jedoch auch die potenzielle Angriffsfläche. Für Kliniken bedeutet dies, dass informationstechnische Störungen direkten Einfluss auf die operative Handlungsfähigkeit und somit auf die Kontinuität der Patientenversorgung haben können.

Klassische Sicherheitsmodelle stoßen in dieser vernetzten Umgebung an ihre Grenzen. Angriffe erfolgen seltener über technische Schwachstellen in Firewalls; vielmehr stehen kompromittierte Benutzerkonten im Vordergrund. Moderne Methoden wie Adversary-in-the-Middle-Phishing (AitM) und Session Hijacking ermöglichen es unbefugten Dritten, herkömmliche MFA-Verfahren zu umgehen. Sobald Konten des Personals kompromittiert sind, können sich Angreifer lateral im Netzwerk bewegen und sensible Datenbestände einsehen.

Governance und Identitäten kommen zuerst

Eine zusätzliche Dynamik entsteht 2026 durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). Autonome Software-Agenten übernehmen zunehmend Aufgaben in Abrechnung und Ressourcenplanung. Hierbei zeigt sich jedoch ein Defizit: Laut einer unserer Studien von 2026 stufen zwar 58 Prozent der IT-Leiter die KI-Governance als größte Herausforderung ein, doch weniger als ein Drittel sichert nicht-menschliche Identitäten analog zu menschlichen Anwendern ab. Ein ungeschützter Service-Account wird so schnell zu einem erheblichen Risikofaktor für vertrauliche Daten.

Hinzu kommt, dass deutsche Befragte in einer weiteren Umfrage zugaben, dass sie Schatten-KI am Arbeitsplatz nutzen (32 Prozent), wobei dies der zweitniedrigste Wert weltweit war und deutsche CISOs enorm hohes Vertrauen in ihre KI-Absicherung und Mitarbeiter haben – aber dennoch 44 Prozent der deutschen Befragten einräumen mussten, dass sie im vergangenen Jahr einen Zwischenfall wegen KI erlebt haben.

Ein wirksamer Schutz erfordert daher eine Identity-First-Sicherheitsstrategie. Indem die Identität als primärer Sicherheitsperimeter definiert wird, lassen sich Zugriffsrechte kontextbezogen und strikt nach dem Least-Privilege-Prinzip vergeben. KI-Agenten sind wie virtuelle Mitarbeiter und benötigen daher eine eigene, vollwertige Identität.

Phishing-resistente Authentifizierungsverfahren sichern dabei Zugänge zuverlässig ab, ohne die Arbeitsabläufe von Ärzten und Pflegekräften einzuschränken. Zugleich erleichtert ein zentralisiertes Identitätsmanagement die revisionssichere Einhaltung gesetzlicher Vorgaben gemäß KRITIS, NIS-2 und § 75c SGB V.

Weil Silo-Lösungen im Zeitalter autonomer Systeme versagen, treiben wir zudem mit Industriepartnern die Blueprint Alliance voran. Dieser Zusammenschluss etabliert offene, verbindliche Standards für KI-Sicherheit. Durch Technologien wie Agent SSO und Cross-App Access (XAA) wird sichergestellt, dass jeder autonome Zugriff auf sensible Kliniksysteme autorisiert, authentifiziert und lückenlos nachvollziehbar ist und die Richtlinien über Anwendungsgrenzen hinweg erhalten bleiben.

Fazit

IT-Sicherheit im Gesundheitswesen ist kein isoliertes technologisches Projekt, sondern ein integraler Bestandteil des Risiko-Managements. Die nachhaltige Absicherung von Patientendaten und Systemen gelingt nur, wenn Identitäten – sowohl menschliche als auch maschinelle und jene von KI-Agenten – im Zentrum der Sicherheitsarchitektur verankert werden.

Die Autorin
Anja Tonert ist Area Sales Director bei Okta.

Bildquelle: Okta

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