Baden-Württemberg Erstes KI-Reallabor für die Gesundheitsversorgung startet

Von Serina Sonsalla 3 min Lesedauer

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Das bundesweit erste KI-Reallabor für die Gesundheitsversorgung nimmt offiziell den Betrieb auf: Am Bosch Health Campus in Stuttgart öffnet die „Saindbox“ für externe Akteure und schafft einen Raum für regulatorisches Lernen nach dem EU AI Act. Das Ziel: Gute Ideen schneller in die Versorgung bringen.

Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit in Baden-Württemberg.(Bild:  © Roland Geiger / Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg)
Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit in Baden-Württemberg.
(Bild: © Roland Geiger / Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg)

Am Bosch Health Campus in Baden-Württemberg öffnet das erste KI-Reallabor für die Gesundheitsversorgung für externe Akteure. Mit dem Start von „Saindbox – AI Health Sandbox BW“ entsteht ein geschützter Testraum, in dem Unternehmen, Versorgungseinrichtungen und weitere Akteure KI-Anwendungen unter realitätsnahen Bedingungen entwickeln, erproben und validieren können.

In den vergangenen Monaten wurde die notwendige Infrastruktur am Bosch Digital Innovation Hub des Bosch Health Campus errichtet. Etwa ein Jahr dauerte die Aufbauphase des Reallabors; das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg fördert nicht nur den Aufbau, sondern auch den jährlichen Betrieb. Ziel ist es, Innovationen schneller und zugleich regulatorisch sicher in die Gesundheitsversorgung zu überführen.

Künstliche Intelligenz soll dazu beitragen, dem Fachkräftemangel zu begegnen, knappe Ressourcen gezielter einzusetzen und die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern. Auch Prof. Dr. med. Mark Dominik Alscher, Geschäftsführer des Bosch Health Campus, sieht die Vorteile von KI im Hinblick auf die finanziellen und personellen Grenzen des alten Gesundheitssystems: „KI hat das Potenzial, die Funktionsfähigkeit und auch die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems wieder herzustellen. Deshalb brauchen wir die Möglichkeit, schnell und praxisorientiert KI zu testen, wie dies in unserem Reallabor jetzt möglich ist.“ Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand ergänzte dazu am 31. Juli 2026: „Unser Ziel ist es deshalb, gute Ideen schneller aus der Entwicklung in die Versorgung zu bringen – verantwortungsvoll, sicher und mit einem konkreten Mehrwert für Patientinnen und Patienten.“

Das Reallabor orientiert sich an den Zielen der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) und schafft einen geschützten Raum für regulatorisches Lernen. Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten hier gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Gesundheitsberufen, Wissenschaft, Aufsichtsbehörden und der Gesellschaft zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, Barrieren zu identifizieren und Lösungen für den Einsatz vertrauenswürdiger KI zu entwickeln. Gleichzeitig soll das Projekt Baden-Württemberg als führenden Gesundheits- und Innovationsstandort weiter stärken.

„Die Saindbox ist mehr als eine Testumgebung. Wir bringen KI-Entwickelnde, Gesundheitsversorgung und regulatorische Expertise frühzeitig an einen Tisch“, erklärte Prof. Dr. Oliver G. Opitz, Leiter des Bosch Digital Innovation Hubs am Bosch Health Campus und Kopf des KI-Reallabors. „So können Fragen zu Datenzugang, Regulierung und Implementierung parallel zur technologischen Entwicklung bearbeitet werden – genau dort, wo sie in der Praxis entstehen.“

Mit der Initiative schafft die Landesregierung einen offenen und zugleich geschützten Rahmen für die Entwicklung und Erprobung vertrauenswürdiger Künstlicher Intelligenz. Das Reallabor steht Unternehmen, Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie der Öffentlichkeit als Plattform für Innovation, Zusammenarbeit und Wissenstransfer offen.

Weiterentwicklung anhand konkreter Anwendungsfälle

Das Konzept des KI-Reallabors ist bereits während der Entwicklungsphase anhand verschiedener Anwendungsszenarien wie der KI-gestützten Informationsgewinnung aus Papierakten weiterentwickelt worden. Aktuell ist die Entwicklung einer KI-gestützten Patientensteuerung ein zentrales Projekt, das Menschen schneller und einfacher zur passenden Versorgungsebene lotsen soll. Das Projekt wird in der hausärztlichen Versorgung, der Kinder- und Jugendmedizin als Beispiel für die fachärztliche Versorgung sowie in der Notaufnahme getestet.

Für die Auswahl der Anwendungsfälle ist insbesondere der Mehrwert für das Gesundheitswesen ausschlaggebend. Der Saindbox-Beirat wählt zweimal jährlich eine begrenzte Anzahl an Anwendungsszenarien für eine regulatorische Begleitung von bis zu zwölf Monaten aus.

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