Eine aktuelle Umfrage zeigt: Fast die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte kennt sichere Messenger, doch nur wenige nutzen sie. Die Mehrheit verschickt personenbezogene Daten über unsichere Kanäle – ein Risiko für Patientensicherheit und Datenschutz.
TI-Messenger müssen sich so in den täglichen Ablauf integrieren, dass sie Zeit sparen, anstatt Zeit zu fressen.
Wenn es schnell gehen muss, zählt oft jede Minute. Eine Ärztin im ambulanten Dienst steht vor einer dringenden Entscheidung: Ein Laborwert fällt aus der Norm, Rücksprache mit einem Kollegen ist nötig. Der Griff zum Smartphone ist in einer solchen Situation selbstverständlich. Eine kurze Nachricht über WhatsApp oder per privater E-Mail, und schon geht es weiter. Doch solche Kommunikationswege bergen Risiken: Sie sind weder datenschutzkonform noch für den Austausch sensibler Gesundheitsdaten vorgesehen.
Dafür sind sie praktisch, direkt und effizient. Und genau das dürfte auch die Erklärung für das Ergebnis einer aktuellen Befragung von Ärztinnen und Ärzten sein. Die Stiftung Gesundheit hat sie im Auftrag des E-Health-Anbieters Cherry Digital Health durchgeführt. Sie ist nicht repräsentativ, liefert aber ein aufschlussreiches Stimmungsbild: Knapp die Hälfte der Befragten gab an, den sicheren Weg über TI-Messenger zu kennen, also den Kommunikationsdienst innerhalb der Telematikinfrastruktur. Dennoch nutzen ihn nur rund acht Prozent. Rund 80 Prozent der täglichen Kommunikation in Praxen läuft hingegen über herkömmliche Kanäle wie E-Mail, Fax oder private Messenger-Apps. In etwa 70 Prozent dieser Fälle werden gesundheits- oder personenbezogene Informationen ausgetauscht.
Hürden im Alltag
Warum tun sich sichere Kommunikationswege im Gesundheitswesen so schwer? Die Umfrage zeigt, dass es weniger an grundsätzlicher Skepsis als an praktischen Barrieren liegt. Etwa ein Drittel empfindet die Einführung und Registrierung solcher Systeme als zu aufwendig. Rund 30 Prozent berichten, die Anwendungen ließen sich schwer mit bestehenden Abläufen vereinbaren. Solange sichere Lösungen den Arbeitsalltag nicht vereinfachen, sondern zusätzliche Hürden schaffen, werden sie kaum Akzeptanz finden. Damit steht die entscheidende Frage im Raum: Wie lässt sich die Situation ändern?
Zwischen Anspruch und Infrastruktur
Digitale Kommunikation ist längst integraler Bestandteil medizinischer Arbeit und wird es künftig noch stärker sein. Ein Grund dafür ist das geplante Primärarztsystem. Nach den aktuellen Plänen des Bundesgesundheitsministeriums würde es die Rolle der hausärztlichen Versorgung als zentrale Steuerinstanz im Gesundheitswesen weiter stärken: Hausärztinnen und Hausärzte sollen künftig als erste Anlaufstelle agieren, den Bedarf medizinischer Versorgung einschätzen und die Wege durch das System koordinieren. Damit entsteht ein formal strukturierter Patientenpfad, der Kommunikation zwischen unterschiedlichsten Leistungserbringenden in einem bisher ungekannten Umfang bündelt.
In einem solchen Modell nimmt die Primärversorgung eine Schlüsselstellung ein. Sie wird zur Spinne im Netz, die Befunde, Überweisungen, Medikationspläne, Terminabstimmungen und Rückfragen zusammenführt und steuert. Gerade hier kann ein TI-Messenger seine Stärken ausspielen. Als sicherer, interoperabler Kommunikationsdienst auf Basis der Telematikinfrastruktur ermöglicht er eine schnelle, rechtskonforme Interaktion zwischen Primär- und fachärztlicher Versorgung ebenso wie mit Pflege, Therapie und weiteren Beteiligten. So wird die strukturierte Patientensteuerung technisch erst praktikabel.
Auf dem Weg dahin stehen Anbieter allerdings einem Henne-Ei-Problem gegenüber. Die Umfrage liefert dazu eine klare Zahl: Fast 42 Prozent geben an, dass kaum Kolleginnen oder Kollegen ähnliche Systeme einsetzen – ein funktionierendes Netzwerk fehlt. Solange nur wenige Praxen TIM nutzen, fehlen die Kommunikationspartner; solange der Nutzen gering bleibt, zögern viele mit dem Einstieg. Eine Pflicht zur Nutzung könnte diesen Kreislauf durchbrechen.
Darüber hinaus sind aber auch die Anbieter in der Pflicht, anwenderfreundliche Systeme anzubieten. Sonst würde eine Pflicht vor allem Frustration erzeugen. Nur wenn Sicherheit und Komfort zugleich erreicht werden, kann der notwendige Kulturwandel in der medizinischen Kommunikation gelingen.
Was jetzt nötig ist
TI-Messenger müssen sich so in den täglichen Ablauf integrieren, dass sie Zeit sparen statt Zeit fressen. Der Weg dorthin ist, sich die Schwächen der bisherigen Nachrichtenkanäle einmal genau anzuschauen: Sei es WhatsApp, E-Mail oder Fax, immer geht die Nutzung mit Medienbrüchen einher. Daten müssen von einem System in ein anderes kopiert werden. Auf dem Bildschirm sind mehrere Programme parallel geöffnet – und das bei ohnehin schon unübersichtlicher Arbeitsoberfläche.
Für TI-Messenger bedeutet das: kluge Integration in bestehende IT-Lösungen im Gesundheitswesen. TIM sind dafür prädestiniert, weil sie ohnehin Teil der Telematikinfrastruktur sind. Eine Möglichkeit wäre, Daten so zu verschicken, dass der Empfänger sie direkt in sein Verwaltungssystem laden kann. Sehr hilfreich ist es beispielsweise, strukturierte Formulare wie einen Pflegeüberleitungsbogen direkt im TIM zu bearbeiten. Der Absender, sei es nun ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung oder eine Arztpraxis, füllt ihn aus. Der Empfänger kann ihn direkt in seine Patientendokumentation laden, ohne die Daten abtippen zu müssen. Ähnliches wäre bei einem Medikationsplan denkbar.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiterer Schritt Richtung Alltagsintegration ist die Einbindung in die Verwaltungssysteme. Nutzer können dann direkt aus ihrer gewohnten Arbeitsumgebung heraus Nachrichten versenden. Auch hier zeichnet sich Bewegung ab: Der TI-Messenger wird ab Sommer 2026 schrittweise in Drittanwendungen wie Praxisverwaltungssysteme (PVS) eingebunden.
Auch Richtung Patienten sind derartige Lösungen möglich: Mit der Anwendung TIM.Pro können Ärzte mit ihnen direkt kommunizieren. Sitzt der Patient in der telemedizinischen Sprechstunde, kann der Arzt ihm per TI-Messenger eine Freigabeanfrage zur Einsicht in die ePA schicken.
Chancen sicherer Kommunikation
Die Umfrage verdeutlicht einerseits, dass für eine sichere Kommunikation im Gesundheitswesen noch viel zu tun ist. Aber gleichzeitig zeigt sie den Weg voran. Der Wille zur sicheren Kommunikation ist vorhanden, die technische Grundlage ist gelegt. Nun geht es darum, ein nahtlos integriertes Angebot zu schaffen, das besser zum Gesundheitswesen passt als WhatsApp.
Der Autor Dr. Philip Groth ist Geschäftsführer der Cherry Digital Health GmbH. Das Unternehmen entwickelt sichere und interoperable Lösungen für die Telematikinfrastruktur, darunter Kartenterminals, das Terminal Management System (TMS) für komplexe Strukturen sowie den TI-Messenger Pro für die sektorübergreifende Kommunikation.