McKinsey-Studie Ungenutzte Milliarden im Gesundheitswesen

Von Johannes Kapfer 3 min Lesedauer

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Digitalisierung und KI könnten Ärzte und Pflegekräfte im Alltag spürbar dadurch entlasten, dass weniger Zeit für Dokumentation und mehr Zeit für Patienten aufgewendet werden kann. McKinsey beziffert das noch ungenutzte Potenzial im deutschen Gesundheitswesen auf 80 Milliarden Euro jährlich.

Durch das Priorisieren von Investitionen können im Gesundheitswesen langfristig bis zu 80 Milliarden Euro an Potenzialen gehoben werden, so der Tenor einer aktuellen Studie von McKinsey.(Bild:  Gemini / KI-generiert)
Durch das Priorisieren von Investitionen können im Gesundheitswesen langfristig bis zu 80 Milliarden Euro an Potenzialen gehoben werden, so der Tenor einer aktuellen Studie von McKinsey.
(Bild: Gemini / KI-generiert)

Eine elektronische Patientenakte anzulegen ist das eine. Sie mit relevanten Befunden zu füllen und diese bei der Behandlung zu nutzen, das andere. Dieses Delta zwischen technischer Verfügbarkeit und praktischer Anwendung behandelt McKinsey in seiner aktuellen Studie „Das 80 Mrd. EUR-Update“.

Für die im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung hat die Unternehmensberatung ihr Modell aus den Jahren 2018 und 2022 überarbeitet. Es umfasst 28 digitale Gesundheitstechnologien und berücksichtigt erstmals systematisch den Zusatznutzen von KI. Neben der bisherigen Forschungsbasis flossen zudem Erkenntnisse aus knapp 150 weiteren Publikationen ein.

Das noch zu erschließende jährliche Wertpotenzial steigt gemäß der Studie von rund 42 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 80 Milliarden Euro. Der Zuwachs ließe sich allerdings nicht allein durch leistungsfähigere Technik erklären; auch höhere Gesundheitsausgaben vergrößerten die Kostenbasis und damit den rechnerischen Nutzen möglicher Effizienzgewinne. Den bereits realisierten jährlichen Nutzen schätzt McKinsey für 2026 auf 11,5 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen 1,4 Milliarden Euro für das Jahr 2022.

KI entlastet vor allem bei Prozessen

Vom verbleibenden Potenzial entfallen 22,8 Milliarden Euro auf KI, so die Berechnung der Unternehmensberater. Dabei wurden in der Analyse klassische Verfahren des maschinellen Lernens ebenso wie generative und agentische KI berücksichtigt. Bei KI-Erweiterungen bestehender Anwendungen berechnete McKinsey ausschließlich den zusätzlichen Nutzen gegenüber einer bereits digitalisierten Lösung, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Den größten Wertepool bilden Arbeitsabläufe und Automatisierung mit 18,5 Milliarden Euro. Dazu zählen in der Studie Bereiche wie etwa vorausschauende Kapazitätsplanung, optimierte Abrechnungsprozesse oder auch Robotik in der Krankenhauslogistik. Weiter heißt es in der Studie, dass Dokumentationsassistenten beispielsweise Patientengespräche erfassen und für die Akte aufbereiten könnten. Beim Patientenstrom-Management sollen KI-basierte Prognosen die Planung von Aufnahmen, Verlegungen und Entlassungen verbessern.

Insgesamt führt das Modell rund zwei Drittel des verbleibenden Wertpotenzials auf mögliche Produktivitätssteigerungen zurück. Der Rest sei durch weniger vermeidbare Versorgungsleistungen – etwa Klinikaufenthalte – abbildbar.

ePA braucht mehr als Verfügbarkeit

Die zentrale Botschaft der Studie lautet: „Die Nutzung folgt dem Nutzen.“ Eine intensivere Anwendung bereits verfügbarer Technologien erschließe laut Modell rund zehnmal mehr Wert als die bloße Ausweitung des Zugangs.

Besonders deutlich zeige sich das bei der elektronischen Patientenakte (ePA). Ihr verbleibendes jährliches Nutzenpotenzial veranschlagt McKinsey auf 9,3 Milliarden Euro. Davon ließen sich 6,2 Milliarden Euro durch konsequentere Befüllung und Nutzung erschließen. Zusätzliche Zugänge allein würden lediglich rund 400 Millionen Euro zur Gesamtsumme beitragen.

Für Kliniken und Praxen bedeutet das, dass Anwendungen in bestehende Arbeitsabläufe passen müssen. Die Autoren der Studie empfehlen kürzere Klickpfade, kontinuierliche Schulungen sowie einen sektorenübergreifenden Austausch strukturierter Daten, statt zusätzliche Insellösungen zu schaffen.

Modellrechnung, aber keine Einspargarantie

Die genannten Milliardenbeträge würden ein modelliertes monetäres Nutzenpotenzial und weniger eine garantierte Entlastung der Gesundheitsbudgets beschreiben, so die Autoren von McKinsey. Freigespielte Arbeitszeit führe beispielsweise nicht automatisch zu unmittelbar sinkenden Kosten. Zudem erfordern Integration, Schulung und Prozessanpassung zunächst Investitionen.

Dass digitale Angebote nicht zwangsläufig Zeit sparen, zeigt die – im Rahmen des diesjährigen Reports – korrigierte Bewertung der Telekonsultation. Deren Potenzial sank gegenüber 2022 von 5,7 auf 3,9 Milliarden Euro. Gemäß neuer Auswertungen dauerten die medizinischen Kernaufgaben per Video ähnlich lange wie vor Ort. Zudem benötigten viele Patienten anschließend einen Präsenztermin.

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Die Autoren der Studie

Dr. Florian Niedermann
Senior Partner im Stuttgarter Büro von McKinsey

Katharina Sickmüller
Partnerin im Frankfurter Büro von McKinsey

Dr. Kristin Tuot
Partnerin im Düsseldorfer Büro von McKinsey

Raffaela Böswald
Beraterin im Münchner Büro von McKinsey

Sarah Kühne
Projektleiterin im Hamburger Büro von McKinsey

Zur Studie

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