Mit dem Interop Council verfügt nun auch Deutschland über eine nationale Koordinierungsstelle, die für Forschung und Vorsorge verbindliche IT-Standards entwickeln will. Bei der ersten öffentlichen Sitzung des Gremiums wurde daher nicht nur das Selbstverständnis des Gremiums verabschiedet, sondern auch ein Blick auf den aktuellen Stand geworfen.
Die erste öffentliche Sitzung des Interop Councils stieß auf reges Interesse: Knapp 150 Teilnehmer nahmen an dem Austausch teil
Am 24. Februar fand die erste öffentliche Sitzung des Interop Councils statt. Dieses wurde Ende 2021 gegründet und ist das nationale Expertengremium für Interoperabilität im Gesundheitswesen. Die ersten sieben ordentlichen Mitglieder sind:
Dr. med. Anke Diehl, Chief Transformation Officer (CTO), Uniklinik Essen
Simone Heckmann, Geschäftsführerin (CEO), Gefyra
Prof. Dr. med. Siegfried Jedamzik, Geschäftsführer Bayerische TelemedAllianz (BTA)
Prof. Dr. med. Sylvia Thun, Direktorin für digitale Medizin und Interoperabilität, BIH@Charité – Universitätsmedizin Berlin
Dr. P. H. Susanne Ozegowski, Geschäftsbereichsleiterin Unternehmensentwicklung, TK
Prof. Dr. rer. nat. Dr. habil. med. Martin Sedlmayr, Professor für Medizinische Informatik, TU Dresden
Das Gremium soll eng mit der Gematik zusammenarbeiten. Koordiniert wird dies von Stefan Höcherl, Leiter Strategie & Standards bei der Gematik. Ziel ist es, innerhalb der nächsten 18 Monate „die notwendigen Weichen für mehr verbindliche und international anerkannte Standards im deutschen Gesundheitswesen“ zu stellen und „mehr Gesundheit und Forschung durch mehr Team Play zu fördern“. „Dafür werden wir gemeinsam sektorübergreifend die relevanten Hürden für Versorgung, Public Health und Forschung identifizieren und die Erkenntnisse in ein Arbeitsprogramm überführen“, so Prof. Dr. Sylvia Thun.
Selbstverständnis des Intercop Councils
Das spiegelt sich auch in dem Selbstverständnis wider, das auf der Sitzung verabschiedet wurde: „Wir blicken als interdisziplinäres Gremium aus verschiedenen Perspektiven auf das Gesundheitssystem mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen: Eine bessere medizinische Versorgung durch mehr Interoperabilität gestalten“, so Sylvia Thun.
„Dafür bringen wir unsere Expertise und Erfahrung aus der Medizin, Medizininformatik und der Wissenschaft sowie der Anwender, Verbände und Industrie ein. Auch möchte sich das Interop Council durch seine explizite Offenheit und Verbindungen in die IOP-Community als Ansprechpartner und Dachmarke sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene etablieren“, so die Direktorin für digitale Medizin und Interoperabilität an der Berliner Charité.
Explizit soll folgendes erreicht werden:
Bessere Informationen und schnelles Wissen am Point of Care;
Bessere Forschungsmöglichkeiten durch die schnelle und umfassende Verfügbarkeit von Daten;
Entlastung für Leistungserbringer durch Vermeidung unnötiger bürokratischer Aufwände;
Entlastung für Entwickler durch kompatible Spezifikationen.
„Interoperabilität braucht Vertrauen. Wir, das Interop Council, wollen zusammen mit der Koordinierungsstelle eine Institution schaffen, die national sowie international als Ansprechpartner wahrgenommen wird und den Weg ebnet für eine Kultur des Miteinanders und der gemeinsamen Nutzung“, so Sylvia Thun abschließend.
Bestandaufnahme: Herausforderungen und Use Cases
Das Interesse der Branche ist auf jeden Fall da: Knapp 150 Teilnehmer nahmen an der ersten öffentlichen Sitzung des Gremiums teil. Auch Stefan Höcherl, Leiter Strategie & Standards bei der gematik, zeigte sich zufrieden: „Diese erste öffentliche und offene Sitzung des Interop Councils hat gezeigt, dass es dem Expertengremium und uns als nationale Koordinierungsstelle für Interoperabilität um Ganzheitlichkeit, Kooperation und Transparenz geht. Uns ist klar, dass noch ein langer, gemeinsamer Weg vor uns liegt, den heutigen Auftakt halte ich für gelungen.“
Allein die Umstellung von Fax und Papier auf eine Kommunikation via eMail läuft immer noch schleppend. Zwar könnte hier die KIM-Anwendung helfen, jedoch brauche die Ausstattung seine Zeit und ist mit einer kosten- und ressourcenintensiven Integration in die bestehenden Infrastrukturen und Primärsysteme verbunden. Hinzu kommen Probleme bei der reibungslosen Verfügbarkeit der Telematikinfrastruktur.
Doch es gibt auch positives zu berichten. So wurde mit DigiOnko ein Projekt vorgestellt, dass mithilfe digitaler Medizin helfen soll, Brustkrebs besser vorzubeugen und zu behandeln. Kernelement ist dabei die Etablierung einer einheitlichen IT-Infrastruktur, die alle an der Versorgung beteiligten Akteure inklusive Forschung vernetzen soll. Das Projekt läuft voraussichtlich noch bis 2024 und wird vom bayrischen Gesundheitsministerium mit fünf Millionen Euro unterstützt.
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